Rettet das Huhn e.V. - Vermittlung "ausgedienter" Legehennen
Rettet das Huhn e.V.  - Vermittlung "ausgedienter" Legehennen

 

Aktion "Junghennenrettung"

Junghennenrettung 2020 - Wie es weiter ging...

Liebe Freunde von Rettet das Huhn e.V.!
 
Im Februar haben wir euch von den furchtbaren Geschehnissen rund um unsere sogenannte „Junghennenrettung 2019“ berichtet und heute wollen wir euch endlich von den Erfolgen erzählen, die wir in diesem Fall erreicht haben - nach 16 Monaten eines kooperativen und beharrlichen Wegs.
Unser Verhältnis zum Farmleiter und auch zu seinem Vorgesetzten innerhalb des Konzerns, zu dem der Stall gehört, hat sich während des Jahres durch unser moderates Handeln und durch ehrliche Gespräche sehr gut entwickelt. Wir haben viel im Umgang mit den Tieren dort im laufenden Betrieb verändern können, haben Vertrauen aufgebaut, eine Rettungsschleuse für einige Tiere verwirklicht, und wir waren nervös, ob dieser Einfluss und „unser Weg“ nun auch im Zuge der Ausstallung und insbesondere der neuen Einstallung den erhofften Erfolg, die erhoffte Verbesserung für die Tiere bringen würde.
So viel vorneweg: Er brachte den Erfolg! Was bei der Einstallung für uns möglich und natürlich insbesondere für die Tiere verbessert wurde, war mehr, als wir gehofft hatten! Lest davon am Ende unseres langen Berichts!
 
Doch nun wollen wir erst einmal vorne anfangen:
Anfang April 2020: Rettung für 540 von 100 000 Hennen
Anfang April 2020 war es so weit. Die Zeit „unserer“ 100 000 Hennen war abgelaufen. 100.000 Tiere, deren leidvolles Jahr in Bodenhaltung wir noch bewusster und näher miterleben mussten, als die der Hennen in anderen Betrieben. So oft in diesem Jahr waren Teammitglieder von uns dort zum Hof gefahren, um immer nur einige wenige verletzte, schwache Tiere abholen zu dürfen. Immer die 100 000 zurücklassen müssend, deren Geräusche, Geruch und Gegenwart so deutlich durch die metallenen Wände der riesigen, fensterlosen Hallen zu uns drangen. JEDEN Tag in diesem Jahr waren unsere Gedanken bei den Tieren in diesem Betrieb, denn jeden Tag erhofften wir uns den Anruf, dass wir ein Tier abholen dürften… Und jeder Tag in diesem Jahr ließ das Ende der
100 000 Tiere näher rücken. Das Ende ihres Lebens, und das Ende ihres Leids. Gleichzeitig auch das Ende unserer Möglichkeit der Lebensrettung für einige von ihnen.
 
Kurz bevor die Tiere – wie in den meisten Legehennenbetrieben nach Ablauf der ersten Legeperiode- Anfang April zum Schlachthof gebracht wurden, holten wir wenigstens noch 540 von ihnen ab.
540 Tiere holten wir aus den unvorstellbar großen, halbdunklen Hallen, deren Ende man nicht sehen kann und deren staubig beißende Luft und irrsinnige Geräuschkulisse von 100 000 gefangenen Tieren einem die Sinne beschwert. Der Gedanke, hierin ein Jahr lang, Tag und Nacht gefangen zu sein, ist so unerträglich schlimm, dass man ihn eigentlich gar nicht denken kann.

 

540 Tiere durften also leben. So schlimm es war, auswählen zu müssen, versuchten wir -so weit es möglich war - bei diesen 540 die Tiere zu ergreifen, die uns schwach oder verletzt erschienen und für die der Transport zum Schlachthof ganz besonders quälend sein würde oder die ihn gar nicht mehr überleben würden… So zu denken ist furchtbar. Was ist der weniger qualvolle Tod? Was soll man einem Tier wünschen? Dass es auf dem Weg zum Schlachthof erschöpft und eingepfercht auf einem LKW stirbt oder dass es den Transport übersteht und an einem grauenvollen Ort des Todes miterlebt, wie seine Mitgeschwister und es selbst an den Beinen am Schlachtband aufgehängt wird…?
Um nicht verrückt zu werden, muss man seine Gedanken und seine Aufmerksamkeit auf die lenken, die leben werden. 540 Tiere brachten wir nun zunächst ins Leben, zu Menschen, bei denen sie endlich alles kennenlernen würden, was sie für ein glückliches Leben brauchten und was ihnen bisher verwehrt worden war.

 

Bei dieser Rettung der 540 zeigte sich schon der entspannte, freundliche Umgang mit den Angestellten des Betriebs. Wir hatten freien Zugang zu den Hallen, durften wählen, aus welchen Hallen wir welche Tiere nehmen wollten, bekamen Hilfe von den Angestellten und konnten auch an diesem Tag wieder 6 besonders schwache Tiere aus der Krankenstation mitnehmen, die der Farmleiter selbst in den letzten Tagen aus der Anlage gesammelt und in der Krankenstation separiert hatte.
Dies alles sind kleine Schritte, kleine winzige Tropfen und es erscheint vielleicht absurd, dass wir freundlich und kooperativ mit diesen Menschen sprechen, die in solchen Betrieben arbeiten oder gar solche Betriebe leiten, die ihr Geld mit diesem blutigen Geschäft verdienen, dass wir uns mit ihnen gemeinsam um ein paar Tiere in der Krankenstation sorgen, während 100 000 andere bald in den sicheren Tod geschickt werden… Das alles ist auch absurd, und diese „Beziehung“ zwischen „ihnen“ und uns, deren Gesinnung doch nicht gegensätzlicher sein könnte, ist schwer zu beschreiben, schwer zu erklären. Tatsache ist es aber, dass diese Beziehung der einzige Weg ist, um den Tieren Hilfe zu ermöglichen. Tatsache ist es auch, dass es einen Unterschied gibt zwischen den Menschen, die in diesem System arbeiten und niemals einen Tierschützer auf ihren Hof geschweige denn in ihren Stall lassen würden und die niemals Mitgefühl mit nur einem einzigen ihrer ausgenutzten Tiere empfinden werden, und diesen Menschen, die uns hereinlassen, die anfangen, Individuen zu sehen, einzelnen schwachen Tieren zu helfen und uns Zugang und Möglichkeit zu geben, um so viele Tiere wie möglich aus ihrem System zu retten -auch wenn sie weiterhin Teil des schrecklichen Systems sind und sich an der praktizierten Tierausbeutung grundsätzlich nichts ändert.
Mitte April 2020: Abtransport der 100 000 Hennen / Rettung der Versteckten
Einige Tage später dann rollten am Nachmittag die großen LKWs und die Ausstalltrupps an. Sie arbeiteten die Nacht hindurch, und am nächsten Morgen, als wir kommen durften, waren die ersten beiden Hallen leer, 50 000 Tiere fort… Wir durften durch die leeren Hallen ziehen und nach Tieren suchen, die den Fängern entkommen oder ihrem Blick entgangen waren, die sich noch in Nestern, Ritzen und Winkeln versteckt hielten oder aus den Hallen hinaus aufs Betriebsgelände geflohen waren. Auch hier hatten wir wieder freien Zugang, durften überall hin, überall suchen und auch hier halfen und riefen uns die Angestellten, wenn sie selbst ein Tier entdeckten. Wir suchten lange und gründlich und als am frühen Nachmittag die Ausstalltrupps und die nächsten LKWs angefahren kamen und wir noch nicht fertig waren, warteten sie noch mit der Aufnahme der furchtbaren Arbeit, bis wir fertig und abgefahren waren, weil wir natürlich auf keinen Fall noch auf dem Hof sein wollten, während die restlichen Tiere von den Trupps gefangen und auf die Schlacht-LKWs geladen wurden. Man hatte Verständnis für uns. Was wir sahen, waren vernünftig wirkende, mit Getränken versorgte, ruhige Arbeiter und Arbeiterinnen, die nun also die letzten 50 000 „unserer“ Hennen aus ihrem Gefängnis holen und auf ihre Reise in den Tod schicken würden…. Auch ein höherer Vorgesetzter des Betriebs, mit dem wir bisher noch nie gesprochen hatten, war erschienen, stellte sich uns vor und war wohl da, um den Ablauf der Ausstallung zu kontrollieren. Wir baten ihn zum Abschied freundlich und eindringlich, dass er sich kümmern und dafür sorgen möge, dass die Arbeiter so schonend und gut wie nur möglich mit den Tieren umgingen und er sagte es uns zu. Wie die Ausstallung dann vonstatten ging, wie der Umgang mit den Tieren tatsächlich war, wissen wir nicht, denn irgendwo endet natürlich auch unser Einfluss, ebenso wie unsere Kraft.
Wir mussten uns wieder auf die konzentrieren, die wir retten konnten. Auf die 30 „Reste“-Hühnchen, die wir in den leeren Hallen gefunden hatten und die es nun schnellstens von hier fort zu bringen galt. Einige von ihnen waren sehr schwach. Die kleine Mathilda litt unter einer Luftröhrenverletzung und wir brachten sie mit schwerer Atemnot zusammen mit 6 weiteren verletzten oder schwachen Hennen in die Tierärztliche Hochschule nach Hannover.

Dort wurde sie stationär gut versorgt, konnte zur Ruhe kommen, atmen, und zum ersten Mal seit 14 Monaten füllte sich ihre kleine Lunge mit sauberer, frischer, reiner Luft. Zum ersten Mal war sie an einem sicheren, stillen Ort, zum ersten Mal lag sie auf Stroh, allein, ohne Enge und Stress, und morgen früh würde sie zum ersten Mal in echtem Tageslicht erwachen.
 
Wir alle verbrachten die Nacht zu Hause, und in unseren Fenstern brannten Kerzen für die 50 000 Tiere, die nun in den LKWs durch die Nacht ihrem Tod im Schlachthof entgegenfuhren. Und wenn sie auch niemals in ihrem Leben das Sonnenlicht hatten sehen dürfen, leuchtete ihnen in dieser Nacht riesengroß ein roter, stiller und tröstender Vollmond den Weg aus dieser Welt.

Am nächsten Morgen kehrten wir zurück in den Betrieb und dort war es nun still, alle Türen der vier Hallen standen offen, kein Chor aus beunruhigten, zigtausendfachen Hühnerstimmen aus dem Halbdunkel der Hallen war mehr zu hören. Nur die Stimmen und das Klopfen und Scharren der Reinigungstrupps, die schon dabei waren, die 1-Jahr-alte zentimeterdicke Schicht aus festgetretenden Fäkalien und Federn von den Böden der Hallen zu klopfen…

Wir machten uns wieder auf die Suche nach überlebenden, versteckten Hühnern, durchstreiften die riesigen Hallen, schauten in den nicht enden wollenden Reihen der Legenester, suchten auf dem Gelände und einfach überall. Und sobald jemand rief „Hier ist eine!“ machten unsere Herzen einen Sprung. Jedes einzelne dieser gefundenen Tiere tröstete uns und nahm ein winziges Stück von der Traurigkeit und Last der letzten Nacht.
Wieder waren es nur recht wenige, die wir fanden. Nur wenige, die zurückgeblieben waren und manchmal ganz plötzlich, wie aus dem Nichts auftauchend verloren inmitten einer der riesigen Hallen standen, ihre Silhouette in der staubigen Luft fast wie eine Fata Morgana. Was wir zuhauf fanden, waren Tiere, die es nicht geschafft hatten und deren Überreste in den Legenestern, auf den Etagenböden, teilweise eingeklemmt in Gittern uns immer wieder verstörende, erschütternde Anblicke boten.
Erst wenn die Hallen leer sind, kommen diese Tiere zum Vorschein, die während des Jahres dort an Erschöpfung, an Legedarm- oder Kloakenproblemen oder an Verletzungen sterben, ebenso wie die, die in den Gittermechanismen der Legenester oder in den Absperrgittern rings um das Kotförderband eingeklemmt werden und dort qualvoll sterben.

An dieser Stelle ist es uns wichtig zu sagen, dass dieser Betrieb gut geführt ist, dass die Stalleinrichtung und Technik zugelassen, gewartet und keineswegs veraltet ist, dass die Mitarbeiter bemüht sind, alle Tiere, die sie verletzt oder schwach finden, herauszusammeln. Die vielen Tiere, die in einem solchen Stall trotzdem so grausam und ungesehen sterben, sind NICHT VERMEIDBAR, wenn 100 000 Tiere auf engstem Raum in geschlossenen Hallen eingepfercht leben müssen, wenn es gesetzlich zugelassene, von Ingenieuren für die Tierhaltung entwickelte Etagensysteme gibt, auf denen die Tiere zu tausenden stehen, und die während des laufenden Betriebs NIE von den Mitarbeitern betreten werden können. Die Kontrollgänge können immer nur auf der Erde, am äußeren Rand einer Halle vorgenommen werden. Nur Tiere, die sich also auf der Erde oder in der mittleren Etage befinden, werden gesehen und können ggf. mit viel Glück und Geschick gegriffen und herausgeholt werden, wenn sie auffällig sind. Die oberen Etagen können nicht betreten und durchsucht werden, weil die Tiere dann in Panik von der obersten, gut 3m hohen Etage herunter auf den Boden und gegen die Wand springen oder flattern würden und die Gefahr von Verletzungen und Panik im Stall dadurch groß wäre.

Der Fehler liegt im System. Eine Massentierhaltungsanlage KANN NIEMALS tiergerecht und nicht grausam sein! Sie bedeutet immer unendliches Tierleid und Tod, ganz gleich, wie gut sie geführt wird. Und jeder Mensch, der Eier oder eienthaltende Produkte kauft, trägt seinen Teil zum Erhalt dieses Systems bei.
 
Zurück zu unseren geretteten „Reste“hühnchen. Kurz bevor wir aufgeben wollten und glaubten, dass wir kein Tier mehr finden würden, rief uns der Farmleiter aufgeregt zu sich. Er hatte in den unterirdischen Gängen unter dem Stall, zu denen am Ende der Kotförderbänder eine Luke im Boden führte, ein Huhn entdeckt! Wir öffneten die Luke und stiegen hinunter. Mit Kopflampe und Kescher durchkämmte unsere Antin die stockfinsteren, dreckigen, klaustrophobisch engen Gänge und fand nach und nach acht Hühner! Acht Tiere, die während der Ausstallung nach dort unten geraten sein mussten und die niemals, niemals lebendig wieder herausgekommen wären. Acht staubige kleine Wesen, verwirrt, durstig und voller Spinnenweben, die wir ans Licht holten und in unseren Boxen in Sicherheit brachten.

 

Mit 23 Tieren machten wir uns auf den Heimweg. Das erste Kapitel war zu ende. Nach 14 Monaten folgten nun zum ersten Mal Tage, an denen es still war in unseren Gedanken, in denen es keine Unruhe gab, keine Sorge und kein Warten auf einen Anruf. Das erste Mal Tage, an denen wir an den Stall denken konnten und wussten, dass er leer war. Kein Tier mehr darin, kein Leid.
Was wir zu dem Zeitpunkt NICHT wussten, war, dass EIN Tier noch da war: Die unglaubliche Mrs. Wonder! Zwei Wochen nach dem Ausstallungstag kam ein Anruf: Der Farmleiter hatte im leeren Stall ein Huhn entdeckt! Weder wir noch die Reinigungstrupps, die noch tagelang in den Hallen beschäftigt gewesen waren, hatten sie entdeckt. Und doch war sie 14 Tage später einfach da! Völlig dreckverschmiert und verklebt stand sie in einer der leeren Hallen! Sie musste sich in den zwei Wochen vom zurückgebliebenen Dreck und dem Reinigungswasser ernährt haben und wie durch ein Wunder war sie munter und wohlauf, als wir sie abholten!
6 Wochen blieb der Stall leer und wir bereiteten uns nervös auf das vor, womit alles im letzten Jahr begann und was uns so traumatisch und ohne jede Vorbereitung getroffen hatte: die Einstallung der neuen, jungen Hennen.

   

Mai 2020: Gespäche über die neue Einstallung / Umbau der Krankenstation
Wir hatten in den letzten Monaten mehrere Gespräche mit dem verantwortlichen Vorgesetzten des Farmleiters über die Einstallung im Februar 2019 geführt. Er selbst hatte den Betrieb erst kurz vor der Einstallung übernommen und war somit noch „recht neu im Geschäft“. Wir hatten ihm ausführlich berichtet, was wir damals gesehen hatten, wie viele furchtbare und schwere Verletzungen wir bei den Hennen vorgefunden hatten, die uns die Stallmitarbeiter rausgegeben hatten. Wir sprachen mit ihm über den Transport und den Umgang der Arbeiterkolonnen mit den Tieren, die eindeutig zu den meisten diesen Verletzungen geführt haben mussten. Wir berichteten davon, dass wir noch 2 Wochen nach der Einstallung verletzte und völlig dehydrierte Tiere aus dem Stall bekommen hatten, die erst dann gefunden worden waren und von denen wir viele nur noch beim Sterben begleiten konnten.
Es waren offene und konstruktive Gespräche und der Vorgesetzte selbst hatte schon eigene Ideen, durch die er Änderung erreichen wollte. Es ging um Verhandlungen mit den Leiharbeitsfirmen, um bessere, zuverlässigere und mehr Arbeiter zu bekommen, um Arbeitsbedingungen, Versorgung und Unterbringung der Arbeiter bei ihm auf dem Hof, um Wertschätzung und den Umgang des eigenen Betriebspersonals mit den Leiharbeitern. Sein Ansatz war die Annahme, dass der Umgang mit den Tieren besser würde, wenn die Menschen selbst besser behandelt würden. Außerdem sprachen wir mit ihm über die kranken, verletzten Tiere, die während des Legejahres von seinen Angestellten gefunden wurden, und die nun nicht mehr wie früher in der Kadavertonne landeten, sondern die seine Mitarbeiter in der „Krankenstation“ unterbrachten und von denen wir die meisten dann abholen durften.
Diese vom Farmleiter eingerichtete Krankenstation war nur ein durch ein Netz abgeteilter Bereich in einer unteren Etage in einer der Hallen. Die Tiere standen in dieser Station ebenso auf den scharfen Gittern wie im Rest der Anlage, mussten ebenso aus den Futterförderbändern fressen und aus den Nippeltränken trinken. Um in diesem System an Futter und Wasser zu gelangen, muss ein Huhn aufrecht stehen und sich dabei sogar noch ziemlich strecken, da sowohl Futterbänder als auch Nippeltränken sehr hoch angebracht sind. Ein schwaches Huhn, dass es nicht mehr schafft, aufrecht zu stehen und den Hals lang zu machen, kommt nicht mehr an Futter und Wasser.
Wir baten ihn, die Krankenstation verbessern und etwas umbauen zu dürfen, damit die Tiere hier besser und stressfreier untergebracht waren und auch trotz Schwäche und Verletzung an Futter und Wasser kommen konnten. Wir erklärten ihm auch, welchen Stress es für ein Tier bedeutete und welchen Angriffen es ausgesetzt war, wenn es nach einem oder mehreren Tagen Separation in der Krankenstation wieder zurück in die große Gruppe gesetzt würde. Bisher war es nämlich so, dass manchmal Tiere in der Station saßen, die wegen leichten Humpelns oder zeitweiser Schwäche aussortiert wurden, die sich nach kurzer Zeit aber wieder aufrappelten und dann zurück in die Anlage gesetzt wurden, anstatt an uns übergeben zu werden.

Und nach einer Reihe guter Gespräche gab es schließlich folgende Abmachungen:
1. Der Vorgesetzte selbst versuchte mit seinen betrieblichen Mitteln den Umgang mit den Tieren und den Ablauf der Einstallung zu verbessern.
2. Wir dürften vom ersten Tag der Einstallung an auf dem Hof sein und schwache und verletzte Tiere zusammen mit den Angestellten des Betriebs heraussuchen, versorgen und mitnehmen.
3. Wir dürften die Krankenstation (auf Kosten des Betriebs) nach unseren Vorstellungen umbauen.
4. KEIN Huhn, das in die Krankenstation gesetzt wurde, würde wieder zurück in die Anlage gebracht werden. Jedes Huhn, das einmal in der Krankenstation gelandet war, war somit „unseres“ und durfte abgeholt werden, auch wenn es sich wieder berappelte.
Ende Mai 2020: Einstallung der neuen 100 000 Junghennen
Und dann kam er schließlich, der große Tag der Einstallung.
Wir waren vorbereitet. Dieses Mal hatten wir die Chance zur Vorbereitung. Wir hatten für jeden Tag der kommenden zwei Wochen Tierarzttermine bei sämtlichen vogelkundigen Tierärzten der näheren und weiteren Umgebung geblockt, hatten Fahrdienste für jeden Tag eingerichtet, hatten Pläne erstellt, wer an welchen Tagen am Stall hilft, wer Tierarztfahrten übernimmt, wer die verletzten Tiere anschließend in Pflegestellen nimmt. Wir hatten eine bestens ausgestattete Notfallaufnahmestation bei unserer Elisa Zuhause eingerichtet, mit etlichen Pflegeboxen, Infusionsmaterial, Verbandsmaterial, Traumaboxen, Wärmeboxen, Hühnerrollstühlen, einfach mit allem, was wir im letzten Jahr so nötig gebraucht hatten und uns so ohne jede Vorbereitung und aus dem Stehgreif hatten herorganisieren müssen. Unsere treuen Hühnerpullinäherinnen hatten uns über 50 Traumarollen genäht und aus der ganzen Bundesrepublik zu uns geschickt. Insbesondere auch personelle Unterstützung hatten wir dieses Mal. Viele unserer Helfer, Teammitglieder und auch Adoptanten, die Pflege- und Endstellen für verletzte Tiere zugesagt hatten, hatten sich extra einige Tage Urlaub genommen, damit wir das alles gemeinsam bewältigen konnten und Elisa nicht wie im letzten Jahr noch einmal so fast allein dastehen musste… So hatten wir für die 14 Tage ab Einstallungsbeginn Tierarzttermine und Pflegestellen für mögliche 100 schwer verletzte Hennen vorbereitet. Wie viele es tatsächlich sein würden, wie schwer die Verletzungen dieses Mal waren, ob unsere Gespräche und die Abmachungen Früchte tragen und etwas verbessern würden…. Wir hofften so sehr und waren ebenso nervös.
Die LKWs rollten an, beladen mit Hunderttausend vier-monate-jungen, zarten, unschuldigen braunen Junghennen, fast noch Küken in ihrem Verhalten.
Und fast ALLES war anders als im Jahr zuvor: Die Tiere wurden in den weißen Plastikboxen angeliefert, in denen auch wir die Tiere transportieren. Nicht in den vollends aus Gittern bestehenden Rollcontainern wie im letzten Jahr, in denen so viele mit Flügeln und Krallen steckengeblieben oder festgekrallt waren und somit beim teilweise brutalen Herausziehen schwer verletzt wurden. Die Arbeiter waren zahlreich, kamen in gut ausgestatteten Bussen, mit Verpflegung versorgt, arbeiteten ruhig. Sämtliche Verantwortliche des Betriebs waren anwesend und überwachten das Einstallen der Tiere. Der Aufzüchter der Hennen war vor Ort und überzeugte sich davon, ob seine Tiere den Transport gut überstanden hatten und sah sich an, wie sie sich in den Hallen zurechtfanden. In den Hallen selbst herrschte Ruhe, kein wildes Herumfliegen, panisches Flattern gegen die Etagen wie im letzten Jahr. Die Tiere saßen ruhig, sahen sich in der neuen Umgebung um und zeigten vor den Menschen kaum Scheu.
Wir waren überwältigt. Es war ein himmelweiter Unterschied zu dem Geschehen im Vorjahr. Der verantwortliche Betreiber hatte Wort gehalten. Das Bemühen, die Abläufe im Sinne der Tiere zu verbessern, war mehr als deutlich und erfolgreich und wir konnten alle Geschehnisse beobachten, begleiten und eingreifen.
 
Die Einstallung der Tiere dauerte 2 Tage und wir konnten 55 Hennen und einen unverletzten Hahn schon an diesen beiden Tagen direkt aus den sich füllenden Hallen heraussuchen oder direkt aus den Händen der einstallenden Mitarbeiter übernehmen. 18 von ihnen waren unverletzte, aber stark unterentwickelte Tiere, die noch kükenartig piepsend in der Massenanlage kaum eine Überlebenschance gehabt hätten. 16 Tiere hatten Prellungen oder Zerrungen und humpelten. 4 Tiere fanden wir mit verletzten oder abgerissenen Krallen oder Zehen. 7 Tiere hatten einfache Beinbrüche, die alle erfolgreich operiert oder konventionell therapiert werden konnten. 5 Tiere hatten neurologische Auffälligkeiten durch Quetschungen oder Schädel- bzw. Wirbeltraumata. Für 4 Tiere mit schweren Wunden im Halsbereich und für eine Henne mit einem komplizierten doppelten Beinbruch konnten wir leider nicht mehr tun, als sie euthanasieren zu lassen.
(Zum Vergleich: Im Vorjahr kamen nur die Tiere in unsere Hände, die uns der Farmleiter rausgesucht und übergeben hatte. Ohne einen einzigen Fuß in eine der Hallen setzen oder nur einen Blick hinein werfen zu dürfen, hatten wir damals in den ersten Tagen ab Einstallung 65 Tiere mit schweren, teilweise doppelten und gesplitterten Frakturen an Bein- und Hüftknochen und mit schweren Wirbelsäulen- oder Schädeltraumata bekommen, von denen wir 35 sofort euthanasieren lassen mussten. )
 
Nun waren die Hallen wieder voll. Voll mit 100 000 wunderschönen, lebenshungrigen, jungen Hennen, mit makellosem, unversehrten Federkleid, mit weichen, zarten Füßen, mit glänzenden, neugierigen Äuglein und sauberen, schimmernden Schnäbeln.
Junge, unschuldige und noch zuversichtliche Tiere, die nicht wussten, dass das Halbdunkel dieser fensterlosen Hallen das einzige und letzte sein würde, was ihre Augen in ihrem Leben sehen würden, dass sie ihr Gefieder niemals mit einem Staubbad würden pflegen dürfen und ihre Federn in den kommenden Monaten an den metallenen Stangen zerstoßen und unter den verzweifelten Schnäbeln ihrer Artgenossen zerrupft werden würden, dass ihre Füße niemals in der Erde scharren und niemals etwas anderes spüren würden, als diese Gitter und den Betonboden, der jetzt noch sauber und mit etwas Einstreu belegt war, und dessen staubiger Belag aus Federn und Kot täglich wachsen würde, dass ihre Schnäbel niemals etwas anderes erkunden und picken würden als das Mehl aus den metallenen Förderbändern…
Nachdem die LKWs und alle Arbeiter verschwunden waren und wir die Tiere der ersten beiden Tage versorgt und in die Pflegestellen verteilt hatten, folgten 14 Tage eines intensiven, nervenaufreibenden Einsatzes:
Wir durften ab sofort während dieser 2 Wochen jeden Tag 4 Stunden lang während der Kontrollgänge der Mitarbeiter mit in die Hallen, um nach weiteren verletzten oder auffälligen Tieren zu suchen.
Wir entwickelten dabei ein System, um so effektiv und gründlich zu suchen wie es nur irgendwie in dieser wahnsinnigen Enge und dieser unvorstellbaren, unüberblickbaren Masse von Tieren möglich war:
Zwei “Sucher” hockten sich an die Stallwand mit dem Blick auf die Beine der Tiere, während zwei Treiber die Tiere eines Abteils so langsam wie möglich an ihnen vorbei trieben. Sobald ein Sucher ein humpelndes, verletztes, auffälliges Tier entdeckte, kam die schwierigste Aufgabe: es nicht aus dem Blick verlieren, es auf keinen Fall verlieren im Gedränge der tausend anderen, während die Treiber versuchten, es zu fangen.
Vier Stunden täglich für 100 000 Tiere. Die Hallen sind so unvorstellbar groß, und diese Aufgabe war unvorstellbar schwer und belastend. Der Zeitdruck war enorm, denn während man in einem Abteil sucht und sich Zeit lassen und konzentrieren muss, um so viele Tiere wie möglich so gründlich wie möglich durchzuschauen, weiß man doch gleichzeitig, dass diese Zeit dann in den anderen Abteilen fehlt, hat immer die Sorge, dass dort, wo man gerade nicht sein kann, dort, wo man gerade nicht hinschaut, ein schwer verletztes Tier sitzt und man es nicht sehen wird.
Auf diese Weise fanden wir in diesen 14 Tagen 192 auffällige Tiere und holten sie aus den Hallen:
30 unterentwickelte “Kümmerlinge”
37 Hennen mit Zerrungen, Prellungen, Quetschungen an Beinen oder Flügeln
19 Hennen mit Schädeltrauma und/ oder verletzten Augen
20 Hennen mit Wirbelsäulentrauma
12 Hennen mit verletzten Zehen/ Krallen
10 Hennen mit Bein- oder Hüftfraktur
15 schwache oder gemobbte Hennen
9 Hennen mit Wunden
3 Hennen mit Kloakenriss
3 Hennen mit Schnabelbruch
1 Henne mit Sinusitis
7 unverletzte Hähne
Für diese 192 Tiere konnten wir das Grauen abwenden, das ihnen bevorstand. Sie leben nun in Gärten, laufen auf Gras und Erde, baden in Sonne und Staub, sie schlafen behütet in kuscheligen Ställen und bezaubern ihre Menschen mit ihrer neugierigen, liebevollen Zutraulichkeit.
21 Tiere mit inoperablen Brüchen oder schweren Wunden konnten wir nicht in dieses Leben bringen. Für sie konnten wir nicht mehr tun, als sie euthanasieren zu lassen und ihnen einen leidvollen einsamen Tod unter den Füßen der anderen Hennen auf den Gittern der Anlage zu ersparen. Sie starben in Frieden und ohne Angst, erfuhren wenigstens einmal in ihrem kurzen Leben liebevolle Zuwendung und Trost und spürten hoffentlich, dass ihr Leben Bedeutung und Wert hat, dass sich andere Lebewesen um sie sorgen und sie nicht schutzlos, ungeachtet und allein auf dieser Welt sein und von dieser Welt gehen müssen.
Ab Mitte Juni 2020: Übernahme der Verletzten während des Legejahres
Nach diesen 14 Tagen endete unser intensiver Einsatz. Ab sofort führten nur noch die Betriebsmitarbeiter die täglichen, ganz normalen Kontrollgänge durch, so wie es das ganze Jahr hindurch, bis zum Tag der Ausstallung und Schlachtung im Sommer 2021, praktiziert werden wird. Für uns bedeutet das wieder den wohlbekannten Lauf der Dinge: Warten auf einen Anruf, losfahren, sobald wir die Mitteilung bekommen, dass in der Anlage ein schwaches oder verletztes Tiere gefunden wurde, Tierarzttermine machen, das Tier versorgen und hoffentlich nach der Genesung dieses Glücksfall-Tier in einen schönen Endplatz vermitteln.
Von Mitte Juni bis Ende Juli haben wir so weitere 28 Hennen abgeholt. 12 von ihnen hatten Wunden, Quetschungen, Zehverletzungen oder Zerrungen, die sie sich in den Gittern der Anlage zugezogen haben mussten und die gut behandelt und geheilt werden konnten. 3 waren unverletzt, aber hochgradig abgemagert und schwach.
13 Hennen mussten wir aufgrund der Schwere ihrer Verletzungen euthanasieren lassen.
Es zeigt sich, dass die Anzahl der schweren Verletzungen im Zusammenhang mit Transport und Einstallung in diesem Jahr deutlich abgenommen hat, obwohl wir in diesem Jahr selbst und intensiv suchen und hinschauen durften. Im letzten Jahr fanden ja nur die Tiere den Weg zu uns, die uns eine einzelne Person -der Farmleiter selbst- aus dem laufenden Prozess herausgegeben hat, ohne intensiv zu suchen. Zwar haben wir auch dieses Mal Knochenbrüche gefunden, niemals aber so furchtbare, durch rohe Gewalteinwirkung erzeugte wie im letzten Jahr. Auch der furchtbare Fund der vielen dehydrierten Tiere, die mit Brüchen oder schweren Verletzungen noch Tage oder Wochen nach der Einstallung in den Anlagen liegen mussten, ist dieses Mal ausgeblieben, weil wir diese Tiere bereits zu Beginn suchen durften.
Die Anzahl der schwachen und verletzten Tiere, die wir nun während des Jahres bekommen, wird vermutlich nicht abnehmen, sondern eher zunehmen, da die Mitarbeiter des Betriebs nun genauer hinsehen und Tiere schneller rausnehmen als sie es früher getan hätten - wenn sie es überhaupt getan hätten. Diese Tiere sind die unvermeidbaren Opfer, die es in jeder Massentieranlage gibt. Ihr Sichtbarwerden und ihre Rettung ist in diesem Falle die absolute Ausnahme. Jeder Mensch in unserer Gesellschaft muss wissen, dass in jedem Moment unseres Lebens überall auf der Erde unzählige schwer verletzte, kranke, zu Tode geschwächte Tiere hilflos in diesen Anlagen liegen und sterben, dass niemand ihnen zu Hilfe kommt, dass sie der verantwortungslosen Skrupellosigkeit unseres Wirtschaftssystems ausgeliefert sind und ihr Leid und ihr Tod als unvermeidbare Tatsachen hingenommen und eingerechnet werden.
Es gibt keine Vergeltung, keine Sühne, keinen Schuldspruch, kein Gesetz, nicht einmal einen Gedanken, der diesen Tieren zugestehen würde, dass ihnen Unrecht getan und sie ein Recht auf Leben haben. Für Tausende oder Millionen von Tieren, die auf Transporten in den engen Transportkisten sterben oder sich die Knochen brechen, die in den Anlagen eingeklemmt werden und verdursten, die von anderen Tieren zu Tode gepickt werden oder nach leidvollen Wochen ohne Behandlung an einer Legedarmkomplikation sterben, gibt es niemals Sühne, niemals Vergeltung, niemals die Suche nach Verantwortlichen, niemals auch nur ein Wort der Entschuldigung oder Reue. Diese Tiere sind rechtlos, ihr Leben wertlos und ihr Leid ist für uns Menschen unsichtbar.

   

Was sich geändert hat
Wir haben euch in unserem ersten Bericht über die katastrophale Einstallung im Jahr 2019 erzählt und in welchem Dilemma und Gewissenskonflikt wir damals standen. Es waren so furchtbare Verletzungen, so unerträgliche Zustände, in denen wir die Tiere bekamen, und es kostete uns viele schlaflose Nächte, endlose Diskussionen im Team, wochenlange Recherchen und Gespräche mit Journalisten, Anwälten und Tierärzten, bis wir uns schließlich für unseren Weg entschieden hatten.
Es war der Weg Kooperation, der Weg, der uns die Tür und die Rettungsschleuse zu den Tieren offenhalten sollte und wir wussten damals nicht, ob es gelingen würde.
Es ist gelungen. Spätestens am Tag der Einstallung der neuen Hennen konnten wir uns dessen sicher sein. Unser Einfluss hat vieles bewirkt, hat die Zustände für die Tiere deutlich verbessert und uns auch in diesem Jahr allein im Zusammenhang mit der Einstallung die Übernahme von 220 Tiere ermöglicht. Weitere, die ansonsten schwach oder schwer verletzt in der Anlage sterben würden, werden in den nächsten Monaten folgen.
Wären wir damals einen anderen Weg gegangen, hätten wir damals mit einer Anzeige (die erfolglos gewesen wäre) und einem mittelmäßigen Pressebericht für kurzzeitiges Aufsehen gesorgt, wäre die Tür für uns heute zu, Veränderungen hätte es vermutlich nicht gegeben, Gedanken der Verantwortlichen über das einzelne Tier, über verletzte, schwache, kranke Tiere, über Bedingungen der Arbeitskräfte und deren Einfluss auf den Umgang mit dem Tier auch nicht. Wir Tierschützer wären das Feindbild geworden oder geblieben, die Mauern, hinter denen die Tiere leiden und sterben unüberwindbarer und höher, die Tiere verlassener und verlorener als schon zuvor.
Wir sind - wie schon gesagt bei aller grundsätzlich gegebener völlig kontroverser Einstellung und Motivation- dem verantwortlichen Betreiber dankbar für seine Offenheit, für die wirklich konstruktiven Gespräche und für sein Handeln, das daraus folgte. Er hat sich auf uns eingelassen, hat zugehört, mitgedacht und für die Tiere wirklich vieles zum Guten verändert. Das wissen wir zu schätzen und möchten das an dieser Stelle ganz deutlich ausdrücken!
Natürlich ändert es nichts an den grundsätzlichen Tatsachen.
Es ändert nichts daran, dass auch in diesem Jahr 100 000 junge, unschuldige Tiere in schnellen Abläufen in riesige, fensterlose Hallen, in ein dunkles Gefängnis aus Beton und Metall gesperrt wurden, in dem sie in brutaler Enge bis zu ihrem Abtransport zum Schlachthof werden leben müssen. Es ändert nichts daran, dass auch in dieser Anlage in den kommenden Wochen und Monaten viele von ihnen (die nicht entdeckt werden) in diesem Gefängnis an Schwäche, Verletzung, Organkrankheiten, Legeproblematiken und Mobbing sterben werden. Es ändert nichts daran, dass diese Tiere -so wie jährlich 50 Millionen weitere Legehennen allein in Deutschland- rechtlos und verloren sind, ihre Existenz einzig und allein vom Menschen für seine eigenen Bedürfnisse ausgenutzt und bestimmt wird und sie niemals eine Chance auf nur einen einzigen Tag eines erfüllten, artgerechten und angstfreien Lebens haben.
Wir können für einen winzig kleinen Bruchteil von ihnen, für die wenigen wenigen Glückskinder im Unglück, etwas verändern und ihnen zu ihrem Recht und ihrem Leben verhelfen.
Wir können sie euch zeigen und euch bitten, euch immer wieder bewusst zu machen, dass JEDES der Milliarden von Tieren, die in jeder Sekunde unseres Lebens in solchen Anlagen leben und sterben müssen, ein solches Individuum ist. Ein Individuum mit Lebenswillen, mit einer Seele, einem Bewusstsein und der Fähigkeit, Freude, Leid und Angst zu fühlen - nicht anders als wir.
Für all diese Tiere, für die Milliarden sogenannter “Nutz”tiere, die wir Menschen nur für unsere Zwecke abscheulich, gnadenlos und grausam ausnutzen, quälen und töten, so dass wir uns nur für unser Menschsein schämen können, können wir nur alle gemeinsam etwas tun: Nur die Umkehr, nur die Reduzierung und im besten Fall der Verzicht auf tierische Produkte kann Veränderung bringen! Wir haben die Wahl! Wir leben in einem wohlhabenden Land, wir sind aufgeklärt und haben alle Möglichkeiten. Es gibt so viele tierleidfreie Lebensmittel, die noch dazu gesund und lecker sind. Macht euch auf den Weg. Jeder kleine Schritt, jede Veränderung der eigenen Gewohnheiten, jede Vermeidung eines Produkts, für das ein Tier gelitten hat und sterben musste, ist wichtig. Es geht nur Schritt für Schritt und nur gemeinsam. Bitte helft den Tieren!

Heute berichten wir euch von Geschehnissen, die im Februar 2019 begonnen und deren Schrecken uns mit großer Wucht getroffen haben, die uns die letzten 12 Monate begleitet haben und die bisher „hinter den Kulissen“ geblieben sind. Den richtigen, „unseren“ Weg im Umgang mit dieser Sache zu finden, hat uns viel Kraft und Zeit gekostet. Und heute – ein Jahr nach dem Beginn dieses „Kapitels“ wollen wir veröffentlichen, was geschehen ist und was weiter geschehen wird.

Anfang Februar 2019 beobachtete ein Teammitglied von uns -wir nennen sie hier Elisa, möchten ihren tatsächlichen Namen nicht nennen, um keine örtlichen Zusammenhänge herstellbar zu machen und die Anonymität des Betriebs zu schützen- zufällig die Anlieferung von jungen Legehennen in einem großen Bodenhaltungsbetrieb in Norddeutschland. Sie hielt an, um zu fragen, ob sie ein paar aussortierte, für den Legebetrieb zu schwache Tiere mitnehmen dürfe. Wider Erwarten stieß sie auf zurückhaltende, aber dennoch positive Resonanz und kam ins Gespräch mit dem Farmleiter. Im Hintergrund arbeiteten die aus ausländischen Hilfsarbeitern bestehenden Einstalltrupps. 100 000 Hennen wurden in den Betrieb eingestallt, LKW um LKW entladen, zwei Tage lang. Elisa beobachtete irritiert und schockiert die großen Rollcontainer, in denen die Junghennen transportiert wurden: rundum aus Gittern bestehend, in mehreren Etagen übereinander, mit ebenfalls gitternen Zwischenböden, die Hennen darin ein Wust aus Flügeln, Köpfen, Hälsen Beinen, Krallen in den Gittern hängend…
 
Die Vorgänge im Stall, die Ausbringung der Tiere aus diesen Containern konnte Elisa nicht beobachten.
Der Farmleiter gestattete ihr, am Abend einige aussortierte Tiere abzuholen und sie brachte ihm dafür einige Transportboxen.
Als sie am Abend kam, saßen darin 5 Hennen in erbärmlichem Zustand. Eine kleine, noch kükenartige, völlig unterentwickelte Henne mit Kreuzschnabel und einem Gewicht von 480g, eine zweite schwache, stark unterernährte Henne, eine Henne mit offener Beinfraktur, eine weitere mit gebrochenem Bein und eine Henne, mit schweren neurologischen Ausfällen durch eine verletzte Wirbelsäule.

 

Schockiert berichtete Elisa im Team, was sie vorgefunden hatte, organisierte Notfalltierarztbesuche, musste die Henne mit dem offenen Bruch und die mit der Wirbelsäulenfraktur sofort euthanasieren lassen und versorgte die übrigen drei zu Hause.

Die Einstallung lief auch noch am nächsten Tag weiter und der Farmleiter hatte Elisa zugesagt, dass sie auch dann wieder einige Hennen abholen dürfe.

 

Und so setzte sich das Grauen fort.

 

 

 

Am nächsten Tag übergab der Farmleiter Elisa 12 Hennen mit teilweise mehrfachen Bein-brüchen und aus den Gelenken exartikulierten Beinen,

eine mit einem alten Beckenbruch, eine mit einer alten Wirbelsäulen-fraktur,

2 mit frischen Wirbelsäulen-traumata und einen unversehrten, als Küken falsch gesexten jungen Hahn.

 

Für 10 der Tiere blieb nur die Erlösung durch Euthanasie.

2 Beinbrüche waren operabel und auch die Hühnchen mit den Wirbelsäulentraumata bekamen eine Chance, medizinische Versorgung und wurden in Traumabettchen stabilisiert und gepäppelt.

Obwohl die Einstallung mittlerweile beendet war, sortierten die Mitarbeiter des Betriebs in den kommenden Tagen noch weitere Opfer der Einstallung und des Transports aus dem Aufzuchtbetrieb aus den Ställen. Hennen, die normalerweise in den Kadavertonnen landen würden, und die sie nun in unsere Hände gaben. Hennen, die brutal aus den Transportboxen gerissen worden sein mussten, ohne Rücksicht auf eingeklemmte Beine oder Hälse, Hennen, die die Umstallung und den Transport schwer verletzt überstanden hatten und nun im Stall nicht an Futter und Wasser gelangten, Hennen, die schon aus dem Aufzuchtbetrieb mit alten Verletzungen oder völlig unterentwickelt und unterernährt kamen und nun zu schwach waren, um im neuen Betrieb zurecht zu kommen.

 

An Tag 3 nach der Einstallung holte Elisa einen unverletzten Hahn und 13 schwer verletzte Hennen ab.

6 teils offene Beinbrüche,

4 Hennen mit schweren Quetschungen und offenen Wunden an Flügeln, Rücken und Brust,

 

3 Hennen mit schweren Wirbelsäulentraumata.

 

7 der Tiere mussten wir direkt euthanasieren lassen.

Und so ging es weiter.

Jeden Tag gegen Mittag standen die Tiere zur Abholung bereit, die am Vormittag auf den Kontrollgängen von den Mitarbeitern aussortiert wurden.

In schockähnlichem Zustand organisierten wir die tägliche Abholung der schwerst verletzten Tiere und den sofortigen Transport in alarmierte, bereitstehende Tierarztpraxen und Kliniken in Norddeutschland. Wir stellten Pläne auf, und organisierten so für jeden Tag Personen aus unserem Team, den Helferteams und auch aus Adoptantenkreisen, die mittags diese Abholung, die anschließenden Fahrten zum Tierarzt und die Unterbringung und Versorgung der überlebenden, pflegebedürftigen Tiere gewährleisten konnten.

 

Nicht einfach – da die meisten von uns berufstätig sind, und wir auch nie wussten, wie viele Hühner am jeweiligen Tag herauskommen würden, um welche Verletzungen es sich handeln würde und welche Tierärzte dementsprechend am besten aufgesucht werden sollten, zumal die stationären Plätze für schwerverletzte und zu operierende Hühner bald belegt waren und auch die Praxen bei aller Fürsorge nach einiger Zeit ein Problem hatten, wenn wir wieder und wieder mitten in der Sprechstunde mit 5 oder mehr schwer verletzten Hühnern dort auftauchten.

 

 

 

 

Wir richteten eine eigene Aufnahmestation in Elisas Haus in der Nähe des Stalls ein, in der wir die Erstversorgung übernahmen, um durch Infusionen den stark dehydrierten Tieren zu helfen, die Fahrt in die Klinik noch zu überstehen.
 
Mit jedem Tag, der seit der Einstallung vergangen war, nahm die Zahl dieser dehydrierten, zu Tode geschwächten Tiere zu.
Elisas Haus glich einem Lazarett, voller verletzter, schwacher Hühnchen in Traumabettchen.
Wir organisierten Transporte der überlebenden aber noch pflegebedürftigen Tiere zu unseren Teammitgliedern in andere Bundesländer, und jeden Tag kamen neue…
In den vier Wochen ab Einstallungstag holten wir 117 Hennen und 4 Hähne aus der Anlage. 49 dieser Tiere konnten wir nur noch euthanansieren lassen oder sie starben in unseren Armen auf dem Weg zum Tierarzt.
Ab dann nahm die Anzahl der Tiere etwas ab, nicht mehr täglich konnten wir welche abholen, was unsere Planung nicht unbedingt erleichterte, da wir ja nie wussten, ob am nächsten Tag Tiere kommen würden oder nicht. Jeden Tag wartete Elisa auf den Anruf aus dem Betrieb, immer kurz vor Mittag, mit der Angabe, ob und wie viele Tiere sie für uns aussortiert hatten.
 
Ungefähr acht Wochen nach der Einstallung war dann zu spüren, dass nun wohl die letzten Transportopfer, die nicht in unsere Hände gelangt waren, in der Anlage verstorben sein mussten.
Denn von nun an bekamen wir nur noch 1-3 mal pro Monat einen Anruf. Die Hennen, die wir dann holen durften, waren die „normalen“ Opfer, die in jedem Massentierhaltungsbetrieb während des Legejahres ungesehen, einsam und elend, sich selbst überlassen sterben.

Hennen mit schweren äußeren Verletzungen und Quetschungen, die in den Kotförderbändern hängen geblieben waren, Hennen, die in den Legenestern von ihren Artgenossinnen fast erdrückt worden waren, Hennen, mit schwersten Verletzungen durch Kannibalismus, Hennen mit akuter Legenot und geplatztem Ei im Legedarm, immer wieder Hennen mit Oberschenkelbrüchen, Wirbelsäulentraumata, neurologischen Störungen durch vermutete Schläge auf Kopf und Rücken, Hennen mit verdrehten Hälsen, abgerissenen Zehen, dehydrierte, stark gemobbte und fast verhungerte Tiere, und und und …

Bis Anfang Februar 2020 -ein Jahr nach der Einstallung- sind so 166 Tiere dieser Hölle entkommen und von uns abgeholt worden. Für 66 von ihnen kam unsere Hilfe zu spät.
 
100 von ihnen leben noch.
Darunter 13 erfolgreich operierte "Beinbrüche". Sie alle sind heute glückliche, geliebte Tiere und haben das Grauen, das ihnen damals geschah, mittlerweile hoffentlich längst vergessen.
166 Tiere von 100 000 in dieser Anlage. 
 
Natürlich sind diese 166 nur ein Bruchteil derer, die in diesem Jahr in der Anlage gestorben sind und die uns nicht übergeben wurden. Wie viele genau in den Kadavertonnen des Betriebs gelandet sind, wissen wir nicht.
Klar ist aber, dass in solch riesigen Hallen, hier mit jeweils 25 000 Hennen pro Abteil auf engstem Raum sitzend, selbst von willigen Mitarbeitern, die bereit sind, verletzte oder schwache Tiere auszusortieren, nur die allerwenigsten dieser Tiere gefunden oder überhaupt erreicht/gegriffen werden können.
 
Die Organisation und Logistik war für uns die eine Sache, und bei aller Komplexität und Dringlichkeit, war es die leichtere. Die psychische Belastung war die andere Sache.
Wir sind durch unsere „normalen“ Ausstallungen Tierleid und den Anblick gequälter, schwacher und ärmster Tiere gewohnt, begegnen auch dort oft Tieren, für die unsere Rettung zu spät kommt und müssen mit unserer Trauer und unserer Wut umgehen.
Aber was uns hier begegnete, was wir hier realisieren und bewältigen mussten, war von einer anderen Qualität. Täglich so schwer verletzte, sterbende Tiere in den Händen zu halten, denen so furchtbare Gewalt angetan wurde, die so gebrochen und seelisch wie körperlich von Menschenhand verwundet worden waren. Tag für Tag, die Gestorbenen des letzten Tages noch nicht beerdigt und die Überlebenden noch nicht über dem Berg, schon wieder die neuen Opfer abholen zu müssen, zu dürfen… Tag für Tag dort hinzufahren, zu eilen, wissend, dass es sich bei einigen Tieren um Minuten oder wenige Stunden handeln konnte, die über ihr Überleben entscheiden konnten. Tag für Tag so hilflos vor diesen Tieren zu stehen, sie zu päppeln, zu hoffen und zu beten, dass sie anfangen würden zu fressen, ein bisschen zu trinken, die Augen zu öffnen, nachdem sie tage- oder wochenlang ohne Futter und Wasser verlassen zwischen den Füßen ihrer Artgenossen lagen, zerpickt wurden, eingeklemmt waren, mit gebrochenen Gliedmaßen wochenlang ausharren mussten, diese Tiere nun in Sicherheit bei sich zu haben, trösten, lindern und helfen zu wollen, sie weich zu betten und zu wärmen, die Nächte durch bei ihnen zu sitzen und dann so oft doch nur das Sterben begleiten zu müssen, weil die Kraft der Tiere nicht mehr reichte … Insbesondere unsere Elisa war über Wochen dieser immensen und traumatischen Belastung ausgesetzt.
Das weitere, was uns so unfassbar schockierte und erschütterte, war die Tatsache, dass es sich -zumindest in den ersten Tagen und Wochen nach der Einstallung- um 20 Wochen junge Tiere handelte. Um Tiere, die gerade zu legen beginnen sollten und von denen wir glaubten, dass sie zumindest zu diesem Zeitpunkt der grausamen, tierausbeutenden Industrie noch so viel „wert“ sein sollten, dass man sie schonend behandeln würde – wenn schon nicht, weil man ihnen als fühlende Mitgeschöpfe ein Recht auf Leben und Unversehrtheit zugestehen würde, dann doch aber wenigstens, weil man sie als „Kapital“ betrachtete, als gewinnbringendes Produktionsmittel.
Doch nicht einmal das!!
Dies war ein Irrglaube und wir mussten realisieren, dass es diese schwer verletzten Tiere nicht nur bei den Ausstallungen gibt, wenn sie ohnehin nur noch wie Abfall behandelt und als wertloses, verbrauchtes Produktionsmittel in die Schlachthöfe geliefert werden, sondern dass es diese Opfer durch den rohen, barbarischen und lebensverachtenden Umgang mit den Tieren auch schon zu Beginn bei den noch jungen, unverbrauchten Tieren gibt. Diese Verluste sind eingeplant!! Das Leben jedes einzelnen Tieres ist NICHTS wert! Vom Schlupf an, vom ersten Tag seines mutterlosen, schutzlosen, dem Menschen vollends ausgelieferten Lebens an ist ein als “Nutz”tier misszeichnetes Tier wertlos, rechtlos und verloren!
Es war so unfassbar erschütternd zu realisieren, dass diese Tiere, die hier schwer verletzt mit gebrochenen Wirbeln, Becken und Beinen in unseren Händen lagen, am Tag zuvor noch kerngesunde, junge Hennen gewesen waren! Dass diese Verletzungen vermeidbar gewesen wären, dass sie durch rohe, dumme Gewalt von Menschenhand geschehen waren! Und diese Gewalt wird auch jetzt, heute, morgen, jeden Tag und in jeder Minute Millionen von Tieren auf unserer Erde angetan! Ohne dass ihnen jemand in ihrem Leid zur Hilfe kommt und ohne dass irgendjemand dafür zur Rechenschaft gezogen wird!! Ihr Leid wird gewissenlos eingeplant, regungslos von Politikern, Verbrauchern, Landwirten, Arbeitern zur Kenntnis genommen, und es geschieht einfach NICHTS!!!

 

Es ist so unfassbar unerträglich, ein vitales, junges, lebenswilliges Tier im Arm zu halten und zu tragen, mit ihm zu sprechen und zu warten, bis die Narkose wirkt und seine neugierigen Augen sich langsam schließen, damit der Tierarzt die Euthanasie vornehmen kann, weil der gesplitterte Bruch in seinem Bein nicht operabel ist.

Was sagt man diesem Tier?

Welche Erklärung, welche Botschaft kann man hier an diese Seele senden?

Nichts fällt uns ein außer Scham, unendlicher Scham davor, ein Mensch zu sein.

 

 

Was sagt man einem Tier, das von Menschenhand brutal verletzt, mit schwerem Wirbelsäulentrauma seinen Kopf nie mehr wird heben können und dennoch leben möchte ?

 

Was sagt man einem Tier, das tagelang mit tiefen Wunden, geschwächt und hilflos auf Gittern unter den Füßen seiner Artgenossen lag ?
Was sagt man ihm, wenn es gebrochen und zu Tode geschwächt nun hier bei dir unter der Wärmelampe liegt, die Augen etwas öffnet und nach Stunden beginnt, zaghaft ein bisschen Brei zu picken.
Und was kann man noch fühlen, wenn am nächsten Morgen doch die Kraft nicht reicht und es sich auf den Weg macht, fort von dieser Welt?
Was kann man fühlen?
Was kann man sagen?
Neben Logistik und neben der emotionalen Unerträglichkeit, tat sich uns sehr schnell noch ein ganz anderes großes Problem auf:
 
Durch diese Hennen in unseren Händen, durch die ganz offensichtlichen Opfer menschlicher Brutalität, waren wir zumindest indirekt zu Zeugen sicherlich strafrechtlich relevanten, tierschutzwidrigen Umgangs mit Tieren geworden.
Der erste Gedanke nach den tierärztlichen Diagnosen der ersten Hennen war also, dass wir Anzeige erstatten, die Behörden einschalten und die Vorgänge im Betrieb öffentlich machen müssten. Klar war aber auch, dass wir in dem Moment, in dem wir diese Schritte einleiteten, die Rettungsschleuse für weitere Hennen aus dem Betrieb augenblicklich zerstören würden. Klar war auch, dass dem Farmleiter, der ein Herz bewiesen und uns die Hennen herausgegeben hatte, schwere Konsequenzen drohen würden, denn sein Chef und der Konzern, zu dem der Betrieb gehörte, wusste zum damaligen Zeitpunkt nichts davon, dass er verletzte Tiere an Tierschützer gegeben hatte. Elisa, die nicht weit entfernt des Betriebs lebt, mit vielen eigenen Tierschutztieren in ihrem Haus, fürchtete böse Reaktionen der Einwohner der dörflichen Gemeinde, die sie natürlich in Verbindung mit der Sache bringen würden, sollte es zu Kündigungen oder anderen negativen Auswirkungen im Betrieb (als wichtiger Arbeitgeber der Region) kommen.
 
Wir ließen uns von zwei Anwälten beraten, führten Gespräche mit Tierschutzaktivisten, die in Undercover-Recherche und Aufdeckung von Straftaten in Tierhaltungsbetrieben arbeiten, sprachen mit Journalisten und kamen schließlich zu folgendem Resumee:
 
Eine Strafanzeige würde keinen Erfolg haben, da wir zwar die Opfer einer Straftat hatten, jedoch keinerlei stichhaltige Beweise. Wir hatten keine Augenzeugenberichte und konnten nicht einmal benennen, welcher Arbeiter zu welcher Zeit welchem Huhn welche Verletzung zugefügt haben sollte. Die Verletzungen könnten auch schon beim oder vor dem Transport im Aufzuchtstall bzw. bei der dortigen Umstallung geschehen sein. Legehennenbetrieb, Transportunternehmen und Aufzuchtbetrieb würden sich gegenseitig den schwarzen Peter zuschieben, Beweise und Zeugen gab es nicht und unsere Anzeige würde mit fast hundertprozentiger Sicherheit eingestellt werden.
 
Für einen aufdeckenden Skandal-Bericht in den Medien fehlten uns bewegte und eindeutige Bilder aus dem Stall oder zumindest von der Übergabe der Tiere an uns. Diese Bilder von den Übergaben hätten wir durch heimliche Aufnahmen beschaffen können und so vielleicht einen mittelmäßig einschlagenden Bericht in den Printmedien bekommen können. Einen nennenswerten Imageschaden hätte der wohl kaum verursacht, da der große Konzern den betroffenen Betrieb als schwarzes Schaf, als Ausnahme darstellen würde und wir keine Beweise für derartige Vorfälle aus den vielen anderen (deutschlandweit angesiedelten) Betrieben des Konzerns liefern konnten.
 
Das wenige, was wir so erreichen konnten, würden wir damit bezahlen, den Farmleiter ans Messer zu liefern, Elisa in Gefahr zu bringen und die Rettung weiterer Hennen und einen eventuell positiven zukünftigen Einfluss auf den Betrieb zu zerschlagen.
 
Die Entscheidung gegen diese Schritte der Öffentlichmachung und Anzeige war schwer, schmerzhaft, von vielen Zweifeln, schlaflosen Nächten und auch von Konflikten innerhalb des Teams begleitet. Wir waren hier in etwas geraten, was unsere Nerven, unsere psychische Stabilität und unsere Gemeinschaft wirklich an ihre Grenzen brachte.

 

Heute – ein Jahr nach dem Beginn der Sache – stehen wir wieder sicher und gefestigt da, wissen, dass unsere Entscheidung richtig war, sind überglücklich über die geretteten Tiere, die leben, und fest entschlossen, den Weg trotz aller Schwierigkeiten weiter zu gehen und weiterhin für jedes Tier, das wir aus dieser Anlage herausbekommen können, da zu sein.

 

Gerade erst, am 8.Februar,  holten wir

Nummer 165 und 166 ab.

Sie haben ein Jahr dort überlebt, und sind nun durch unsere Schleuse ins Leben gekommen.

Und nicht nur die Rettung einzelner Tiere ist weiterhin möglich.
 
Im Laufe des Jahres hat sich -nicht zuletzt durch Elisas offenen, trotz der völlig gegensätzlichen Gesinnung freundlichen Umgang mit dem Farmleiter- einiges positiv verändert. An den ersten Tagen trugen Farmleiter und weitere Mitarbeiter die schwer verletzten Hennen vor Elisas entsetzten Augen an den Beinen aus dem Stall oder ihren Transportkörben entgegen. Elisa redete, bat bestimmt aber freundlich um tiergerechten, schonenden Umgang und wirkte insbesondere durch ihr schlichtes TUN, durch ihren Umgang mit den Tieren auf die Menschen ein. Sie guckten es sich ab, nahmen es an und entwickelten nach und nach zumindest ein rudimentäres Gefühl für die Lebewesen, mit denen sie hier tagtäglich und schon seit Jahren so gedankenlos und routiniert wie mit Gegenständen oder Maschinen umgingen. Schon bald trugen die Hennen auf dem Arm aus dem Stall, befühlten Beine, sahen sich die Tiere, die sie rausholten, an und gaben oft schon am Telefon durch, um welche Art Verletzung es sich vermutlich handelte. Nach einiger Zeit wurden Tiere nicht mehr einfach aussortiert und bis zur Abholung wie ein kaputter Gegenstand gelagert, sondern mit Futter und Wasser versorgt.  Es wurde eine Krankenstation im Betrieb eingerichtet, in der auch Hennen separiert werden können, denen es nicht so schlecht geht, dass sie aussortiert und uns übergeben werden dürfen, die aber für einige Zeit dort bleiben und sich erholen oder behandelt werden können. Manchmal gelingt es Elisa auch, dem Farmleiter klar zu machen, dass diese Tiere trotz Besserung physisch oder psychisch nicht fit genug sind, um eine Rückkehr in die Anlage zu verkraften, so dass sie sie mitnehmen darf.
Der Vorgesetzte des Farmleiters ist mittlerweile involviert, weiß über die Vorgänge Bescheid und hat ausführliche Gespräche mit uns geführt. Er findet die Idee der Krankenstation und der Behandlung einzelner Individuen richtig und möchte uns auch weiterhin schwache und verletzte Tiere – in Zukunft so früh wie möglich- überlassen, damit sie eine Chance auf Leben haben.
Er versucht mit seinen Mitteln, die Einstallung der nächsten Junghennen durch intensive Gespräche und Schulung seiner Mitarbeiter und Rücksprache mit der Personalfirma der Leiharbeiter und den Leiharbeitern selbst zu verbessern. Er hat die Leitung des Betriebs noch nicht lange inne, war selbst sehr getroffen über die immensen Verletzungen, von denen wir ihm berichten mussten, und wir können nach unseren Gesprächen nur vertrauen, dass er es ernst meint und alles tun wird, damit so etwas in dem Ausmaß nicht wieder geschieht. Zudem wird er seine Angestellten anweisen, während der Einstallung schwache oder verletzte Tiere großzügig und gewissenhaft auszusortieren, so dass diese direkt in unsere Hände gegeben werden können und möglichst nicht erst in der Anlage landen.
 
Und wenn wir hier nun von Einstallung sprechen, wird uns das Herz auch
augenblicklich schwer, denn natürlich steht der neuen Einstallung die Ausstallung
der 100 000 Schwestern unserer Geretteten bevor.
 
Diese 100 000 Tiere, die wir in Gedanken ein Jahr lang begleitet haben, um die wir so viel geweint haben, von denen wir immer wussten, dass wir nur die wenigen, wenigen, allerschwächsten von ihnen während des Jahres retten können und dass allen anderen nach einem Jahr Gefangenschaft in dieser Hölle der Transport in den Tod bevorsteht. Sie werden kurz vor Ostern sterben, am Schlachtband in einem höllenhaften Schlachthof, nach einem weiteren grausamen Transport und nach einem Leben, in dem sie noch nie die Sonne gesehen haben und nicht einen lebenswerten Tag in Geborgenheit, Zufriedenheit und Frieden erleben durften. Das ist die bittere Realität und wir können NICHTS dagegen tun.
 
200 der Hennen dürfen wir noch kurz vor der Ausstallung abholen. Wenigstens 200 können wir noch retten. Zusätzlich natürlich die, die bis dahin noch als krank oder verletzt aussortiert werden. Und nachdem die Ausstalltrupps da waren, dürfen wir die Ställe nach den versteckten, übrig geblieben Hennen, die von den Ausstallern vergessen wurden, durchsuchen und auch diese noch mitnehmen.
 
 
An euch wenden wir uns nun mit folgenden Aufrufen:
 
Wir brauchen Lebensplätze für (optimistisch gerechnet) rund 250 Hennen, die wir Ende März vor und nach der großen Ausstallung retten können.
Die Übergabe der Tiere wird in Hamburg und Kiel stattfinden.
Bitte wendet euch per Kontaktformular an unsere Ansprechpartnerinnen Janina oder Svenja, wenn ihr 2 oder mehr (maximale Abgabe 15 Tiere pro Platz) der Hennen bei euch ein Zuhause schenken könnt!
 
Wir brauchen Unterstützung und Pflegeplätze für die aussortierten, (auch schwer-) verletzten oder geschwächten Junghennen, die wir am Einstallungstag, vermutlich Mitte-Ende April, übernehmen können.
Dafür suchen wir belastbare, tierliebe Menschen, die eine oder mehr der Hennen aufnehmen, im Haus pflegen und weiterhin tierärztlich versorgen lassen können.
 
Um die tierärztliche Erstversorgung werden wir uns kümmern und auch bei weiteren Behandlungskosten unterstützen wir natürlich. Auch die Vermittlung in einen Endplatz nach der Genesung übernehmen wir, falls ihr das Tier nicht behalten könnt.
 
Um die verletzten Tiere nicht zu weit transportieren zu müssen, wären diese Pflegeplätze in Norddeutschland ideal (Niedersachsen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Bremen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg).
Sollten wir hier nicht genügend Plätze finden, müssen wir auch über Transporte in andere Gebiete nachdenken.
Bitte meldet euch per Pflegeplatz-/Unterstützungs-Kontaktformular, wenn Ihr ein solches verletztes Tier aufnehmen könnt und/oder in Norddeutschland durch Transporte oder Tierarztfahrten helfen könnt.
Herzlichen Dank an unser bestes Team der Welt, an alle Tierärzte, Helfer, Fahrer, Adoptanten und Pflegestellen, an alle Förderer und Unterstützer unserer Arbeit und ebenso an alle Mitarbeiter des Betriebs für die Offenheit und Kooperation!
 
Euer Team von

Rettet das Huhn e.V.

Auch wenn Ihr keine Tiere aufnehmen könnt, könnt ihr helfen!

 

TEILT diesen Bericht, verbreitet ihn, lasst so viele Menschen wie möglich diese Bilder sehen und macht ihnen und euch klar:

 

Hier handelt es sich NICHT um einen Ausnahmefall! 
Wir haben nicht durch großen Zufall ausgerechnet einen schlimmen Fall, ein schwarzes Schaf unter den Betrieben entdeckt!
Wir sind vielmehr Zeuge der grauenvollen, millionenfach stattfindenden, alltäglichen Brutalität gegen Tiere geworden!
 
Hier handelt es sich um das, was TAGTÄGLICH, in Massentierställen, auf Tiertransporten und in Schlachthäusern geschieht!
 
Hier handelt es sich um das, was jeden Tag und überall in unserem Land legal und gesetzeskonform in kontrollierten, zertifizierten Betrieben mit namhaftem Ruf geschieht!
 
Hier handelt es sich um das, was Politik und Tierquallobby fördern und subventionieren.
 
Und hier handelt es sich um das, was jeder Verbraucher mit dem Kauf von Tierprodukten in Auftrag gibt!

 

Es gibt kein Produkt tierischen Ursprungs, hinter dem nicht unvorstellbares Tierleid steckt. Und wer nennt uns -im Angesicht dieser zu Tode gequälten Tiere - auch nur EIN Argument, mit dem der Kauf eines einzigen Eis, eines Liter Milchs oder eines Bissen Fleischs zu rechtfertigen wäre?
 
 
Euer Team von Rettet das Huhn e.V.

Jetzt per Paypal spenden:

(pp.rettetdashuhn@gmail.com)

Rettet das Huhn e.V.

immer wieder im TV!

Kontakt

Ihr möchtet Hennen adoptieren?  Hier findet Ihr unsere Ansprechpartner.

Für Anregungen, allg. Anfragen & Presseanfragen

Kleine Geschichten im Teamtagebuch

Ein wertvolles Leben

Letzte Änderung:
Do. 26.11.2020
(Ansprechpartner,
Aktueller Aufruf
)

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Rettet das Huhn e.V