Rettet das Huhn e.V. - Vermittlung "ausgedienter" Legehennen
Rettet das Huhn e.V.  - Vermittlung "ausgedienter" Legehennen

Aktuelles

September 2019

Unsere Rettungen im Sommer 2019:

2254 Hennen und 24 Hähne dürfen leben

 

Im Juli und August fanden unsere beiden großen Rettungen in Bayern und im Westerwald statt.
Im Juli holte unser süddeutsches Team 743 ausgediente Legehennen aus einer Freilandhaltung in Bayern ab und übergab sie an 12 Übergabeorten an rund 180 tierliebe Menschen.

Im August dann übernahmen wir 1511 Hennen aus der Bodenhaltung im Westerwald und brachten sie auf 14 Transporten zu rund 340 lieben Adoptanten.

Gleichzeitig konnten wir 24 Hähne aus Beschlagnahmungen und katastrophalen Privathaltungen, die über Veterinärämter, Tierheime oder private Meldungen an uns herankamen, mit vermitteln. Sie leben nun in wunderschönen neuen Heimen, dürfen endlich ihre eigene kleine Hennengruppe führen und gemeinsam mit unseren geretteten Hennen ein glückliches, sorgenfreies und gut behütetes Hühnerleben kennenlernen.

2278 Tierleben, 2278 fühlende, beseelte Individuen, für die sich am Rettungstag alles veränderte, die aus dunkler, versklavter Gefangenschaft befreit und in ein Leben gebracht werden konnten, das ihnen – wie jedem Tier auf dieser Erde- eigentlich vom ersten Tag ihres Lebens zugestanden hätte.

Kürzlich wurde ich gefragt, ob es nicht frustrierend sei, dass wir mit so viel Aufwand und ehrenamtlichem Einsatz „nur“ jährlich circa 10 000 Hennen aus diesem System retten können, während die übrigen der 51,3 Millionen Legehennen in Deutschland und die unzähligen Milliarden auf der ganzen Welt Jahr für Jahr getötet werden und wir nichts daran verändern können.
Über eine Antwort muss ich nicht lange nachdenken. Tatsächlich ist es niemals frustrierend, ein Leben zu retten. Und selbst, wenn es nur ein einziges ist.

Ein Leben zu retten, bedeutet und verändert für das gerettete Lebewesen die ganze Welt, und es ist für die Rettenden die einzige Möglichkeit, mit dem milliardenfachen Grauen, das wir nicht ändern können, umzugehen, ohne verrückt zu werden.
Denn es ist nicht frustrierend, dass wir so unvorstellbar viele nicht retten können, es ist vielmehr erschlagend, erdrückend, erstickend für unsere eigene Seele und unseren Verstand. Wenn wir der ganzen Kraft unseres Verstands und unseres Gefühls gestatten würden, uns das Grauen, das tatsächlich in jeder Sekunde unseres Lebens überall auf der Welt, den Tieren angetan wird, vollumfänglich in unser Bewusstsein zu bringen, würden wir -und vermutlich ein Großteil der Menschheit- den Verstand verlieren.

Das, was trotz unserer psychischen Schutzmechanismen von diesen unvorstellbaren Grauen noch in unserem Bewusstsein ankommt, führt dann entweder zu Verdrängung oder zu Veränderung - dazu, dass man anfängt, so viel zu tun, wie man selbst nur kann, um etwas zu verändern. Und wenn es nur die Rettung eines einzigen Lebens ist.

Im Fall unserer Hühnerrettungen ist die Lebensrettung dieser unschuldigen, intelligenten und empfindungsfähigen Tiere natürlich die primäre, wichtigste und offensichtlichste Veränderung.

Aber tatsächlich ist es noch viel mehr: Unsere Arbeit und unsere geretteten Hühner verändern das Leben der Menschen, die unsere Hühner aufnehmen.

Es beginnt mit ihrer Erschütterung in den ersten wenigen Augenblicken, in denen sie die ausgemergelten und teilweise sehr mitgenommenen Tiere zum ersten Mal sehen.

Diese Erschütterung weicht dann der Ergriffenheit, der Fürsorge und dem starken Wunsch, den Tieren nun die schönen Seiten des Lebens zu zeigen, das Unrecht wieder gutzumachen, zu trösten und Glück zu schenken, und schließlich der Freude daran zu erleben, wie die Hühner aufblühen, wie sie das Leben genießen und wie aus zerstörten, gequälten ärmsten Tieren lebensfrohe, neugierige, lustige, glückliche Geschöpfe werden.

Wir verändern die Einstellung der Menschen, die unsere Hühner kennenlernen. Nicht nur die derjenigen, die sie tatsächlich adoptieren, sondern oft auch die Einstellung von Menschen, die unsere Hühner bei Freunden, Nachbarn und Bekannten kennenlernen, die ihre Geschichte hören und die Leidenschaft und Freude der Menschen wahrnehmen, die diese Hühner aufgenommen haben.
Unsere Arbeit und unsere geretteten Tiere verändern im besten Fall die Sicht der Menschen auf die „Lebensmittel“, die sie zuvor oftmals gedankenlos, oft vielleicht sogar wirklich unwissend bzw. von den Tricks, Lügen und Täuschungen der Fleisch-, Eier- und Milchindustrie manipuliert, gekauft haben.

Wer einmal ein Huhn gesehen und kennengelernt hat, das ein Jahr in höchstem sozialen Stress auf engstem Raum unter tausenden anderer gefangener Tiere leben musste, ohne Tageslicht, ohne jegliche Möglichkeit, sich artgerecht zu beschäftigen, ohne jemals Erde, Gras, Sonne oder frische Luft gesehen oder gefühlt zu haben, das durch Fütterung, künstliches Lichtprogramm und Überzüchtung dazu gezwungen ist, seinem kleinen Körper die letzten Reserven für die tägliche Produktion eines Eis abzuverlangen, und das dann nach Ablauf dieses Höllenjahres -im „normalen“ Lauf der Dinge- ungesehen, namenlos, ohne einen einzigen lebenswerten Tag gehabt zu haben, brutal zum Schlachthof gekarrt und getötet wird – wer einmal einem solchen Tier begegnet und erkennt, dass es ebenso wie wir Menschen ein Herz, eine Seele und die Fähigkeit zu Leiden und Glück zu empfinden hat, der verändert sich und im bestem Fall auch seine Einstellung zum Konsum tierischer Lebensmittel.

Wenn wir sehen, wie viel mehr Aufmerksamkeit und Berichterstattung es heute über das Leben und Sterben der Legehennen in den Medien gibt als noch vor einigen Jahren, so sehen wir auch hier Veränderung und sicher hat auch unsere Arbeit daran ihren Anteil.

Veränderung erreichen wir durch unsere Arbeit tatsächlich auch in den Legehennenbetrieben, aus denen wir die Hennen bekommen. Es ist, als würden die Betreiber im Laufe der Zusammenarbeit mit uns beginnen, eine gewisse, wenn auch minimale Beziehung zu ihren Tieren zuzulassen. Wahrscheinlich ist es ein Unterschied, wie man den Tieren begegnet, wenn man weiß, dass sie nach Ablauf der Zeit einfach getötet werden, oder wenn man weiß, dass sie nach Ablauf der Zeit ein Leben bekommen, das lebenswert sein wird. Es ist, als würde diese Aussicht auf ein „Leben danach“ plötzlich auch die Sicht auf das Leben im Jetzt, bei ihnen in der Massentierhaltung, verändern. Vielleicht führt zu dieser Veränderung auch unsere resistente Sorge um jedes einzelne Individuum dort im Stall, unser Nachfragen, unser Beharren und unser Bericht über einzelne Individuen, die die Betreiber von sich aus sonst nur als Masse, als Produktionseinheit, als Bestand betrachten. Wenn sie erleben, dass wir auch während des Legejahres angefahren kommen, um einzelne kranke oder verletzte Hühner abzuholen, dass wir darauf beharren und immer wieder bitten, dass eventuell falsch sortierte Hähne, die zwischen den Hennen entdeckt werden, nicht getötet oder sich selbst überlassen, sondern uns rausgegeben werden, dass wir um jedes einzelne Individuum in ihrem Stall kämpfen, und dass für uns jedes einzelne Tier den Unterschied einer ganzen Welt ausmacht, verändert das vielleicht -bewusst oder unbewusst- auch einen kleinen Ausschnitt ihrer Sicht.


Im Fall des Bodenhaltungsbetriebs im Westerwald hat der Betreiber im Laufe der bis jetzt 2jährigen Zusammenarbeit viele positive Veränderungen umgesetzt:

Die Besatzdichte der Hennen wurde um 800 Tiere (bei insgesamt 5000 Hennen in 4 Ställen) reduziert. Im Stall gibt es Picksteine, Strohhäcksel, Brötchen, Möhren, Salat, getrocknete Brennnesseln, Grünfutter und Maissilage zur Beschäftigung.

Es werden Vitamin- und Mineralstoffpräparate zur Reduktion des Federpickens gegeben. Die falsch gesexten Hähne werden herausgenommen und entweder durch den Betrieb selbst oder durch uns vermittelt. Die Mitarbeiter des Betriebs werden sorgfältiger ausgewählt als früher und geschult, um tägliche Tierkontrollen gewissenhaft durchzuführen und möglichst schnell einzelne Tiere, denen es nicht gut geht, zu erkennen. Die Betreiber stehen in intensivem Kontakt mit uns und holen sich Beratung in Einzelfällen.

In jedem Stall wurde ein abgetrenntes Pflegeabteil mit Platz für circa 30 Hennen eingerichtet, in dem verletzte oder kranke Tiere etwas zur Ruhe kommen und medizinisch versorgt werden können. Wenn hier keine Genesung und Rückführung in den normalen Bereich erreicht wird, dürfen wir die Tiere abholen.

Auch gemobbte, sehr schwache und stark untergewichtige Tiere werden aus dem Stall genommen und schon vorzeitig vermittelt.

Im Jahr 2018 betraf das 80 Tiere, im ersten Halbjahr 2019 bereits 63 Tiere.

Es gibt sogar noch eine weitere Pflegistation mit Auslauffläche, außerhalb der großen Bodenhaltungshallen, in der einige Intensivpflegis, die auf keinen Fall zurück in den Bestand können, versorgt werden, bis wir sie abholen.

Weitere Pflegefälle, insbesondere die Hennen mit dicken Schichtei- und Wasserbäuchen, die in den großen Gruppen verbleiben, werden -sofern sie gefunden und erkannt werden- gekennzeichnet und ihre Anzahl wird uns kurz vor dem Rettungstag bekannt gegeben, so dass wir unsere Tierarztfahrten, Klinikplätze und Pflegiverteilung im Vorfeld des Rettungstages schon recht gut vorplanen können.

Das alles ist Veränderung.

Und diese Veränderung ist für jedes einzelne Tier, das dadurch medizinische Versorgung und Hilfe bekommt oder die Anlage früher verlassen darf, sehr viel, in den meisten Fällen sogar sein ganzes Leben wert.

Nichts desto trotz bleibt der Betrieb eine Bodenhaltung. Die Haltungsbedingungen in solchen Anlagen, mit Gruppengrößen von hunderten oder tausenden Hennen auf engstem Raum und dadurch in höchstem psychischen Stress durch die fehlende Möglichkeit zur Bildung eines Sozialgefüges, ohne Tageslicht, mit künstlichem Lichtprogramm und in diesem Fall sogar einer zwischengeschalteten Zwangsmauser, durch die die „Nutzungsdauer“ der Tiere auf bis zu 22 Monate verlängert und dadurch die Produktion der von den Verbrauchern nachgefragten XL-Eiern erreicht wird, sind grausam und in keinster Weise auch nur annähernd artgerecht. Trotz der beschriebenen und wirklich außergewöhnlichen Bemühungen des Betreibers ist das Leben der Tiere bis zum Tag der Ausstallung eine Tortur und es gibt auch in diesem Betrieb noch kranke oder verletzte Hühner, die nicht gefunden und denen nicht geholfen wird, die während der Zeit im Betrieb einen einsamen und qualvollen Tod sterben und viele, die nur mit allerletzter Kraft am Leben bleiben und am Tag der Rettung in erbärmlichem, ausgemergeltem und körperlich und psychisch traurigstem Zustand sind.

Diese grausame Realität, mit allem, was wir nicht verändern können, treibt uns an. Die erreichten Veränderungen aber geben uns dafür die Kraft.

Und so machen wir weiter und danken euch für jeden einzelnen Lebensplatz, den ihr unseren Hühnern schenkt, für jedes vegane Produkt, das ihr kauft und für jedes tierische Produkt, das ihr nicht kauft, für jede Geschichte, die ihr anderen Menschen über eure geretteten Hühner erzählt, für jede Unterstützung, die ihr unserer Arbeit zukommen lasst, für jede Veränderung, die ihr bewirkt.

Euer Team von Rettet das Huhn e.V.

Juli 2019

 

Auftakt unserer Sommerrettungen:
1527 Hennen und 22 Hähne gerettet !

 

Der Auftakt zu unseren Sommerrettungen am ersten Juliwochenende ist uns erfolgreich gelungen und wir konnten insgesamt 1527 Hennen und 22 Hähnen das Leben retten!

Am Samstag startete unser NRW-Team ins Rheinland, um dort 696 Hennen aus einer Bodenhaltung abzuholen.

Einige Wochen zuvor, beim Planungsgespräch mit der Betreiberin, hatten Birgit und Sandra schon eine kleine Henne mitnehmen dürfen, die sie am Ende ihrer Kraft, völlig dehydriert und von den anderen Hennen in der Enge des Stalls schwerstens drangsaliert auf dem Stallboden liegend vorgefunden hatten.

Wonder- wir berichteten- starb wenig später in Sandras Arm.

Auf das Wunder, das wir für sie nicht mehr wahrmachen konnten, hofften wir nun am Rettungstag für alle anderen.

Ausgerüstet mit unseren Transportboxen für alle transportfähigen Hennen und Pflegeboxen für augenscheinlich schon sehr schwache, verletzte oder kranke Hennen, fuhren wir zum Betrieb und holten dort Tier um Tier aus dem Stall. 696 Hennen, die nun hier, auf unseren Armen getragen, zum ersten Mal in ihrem Leben das Tageslicht sahen, zum ersten Mal die Sonne spürten, zum ersten Mal frische Luft atmeten und einen Blick auf die Welt werfen durften, die außerhalb der dicken Mauern ihres Gefängnisses liegt.

Die Welt, die der Mensch gänzlich und ausschließlich für seinen eigenen Nutzen formt, verwüstet, misshandelt und ausraubt. Die Welt, die diesen Hennen vorenthalten und auf der ihnen jegliches Recht auf Leben verwehrt wird. Die Welt, die eigentlich auch ihre wäre, so wie sie die Welt aller Lebewesen auf diesem Planeten ist oder sein sollte, die Welt, auf der jedes Lebewesen mit gleichem Recht einen Platz für ein glückliches, freies Leben hat oder haben sollte– wäre da nicht der Mensch, der sich ALLES nimmt und dabei alles zerstört, der das Recht auf Leben nur sich selbst zuspricht, das gleiche Recht der Tiere mit Füßen tritt, und sie milliardenfach zu seinem eigenen Nutzen vermehrt, einpfercht, quält, misshandelt und tötet.

An diesem Tag sollten nun wenigstens für diese 696 Hennen nach einem Jahr des Martyriums die ersten Schritte in diese fremde Welt führen, die sie nie gesehen haben und die doch ihre ist.

 

32 Hennen fanden wir leider in so schlechtem Zustand vor, dass wir sie in unseren Pflegestellen behielten. Einige davon zu schwach, um sofort vermittelt werden zu können, eine Henne mit abgetrenntem Zeh, eine mit schwerem Hämatom unter dem Flügel, einige Hennen mit Kloakenvorfällen und 17 Hennen mit Bauchdeckenbrüchen, Flüssigkeitsansammlungen im Bauchraum oder einem Bauchraum voll mit entzündlichem Material, Eiter, Schichteiern und verklebten und entzündeten Legeorganen. Dies sind Folgen der monströsen Überzüchtung dieser Tiere. Das Hochleistungslegen laugt die kleinen Körper, die ein Jahr in furchtbarer Enge und ohne Tageslicht leben müssen, bis aufs Letzte aus, der überlastete Legeapparat entzündet sich, andere Organe werden mit angegriffen, und der überzüchtete Eierstock stoppt die Follikelproduktion trotz des desolaten Zustands des Huhns nicht, immer weitere Eier werden angelegt und nachgeschoben und sammeln sich im entzündeten Bauchraum der todkranken Tiere. Diese Hühner leiden und siechen wochen- oder monatelang dahin, ihnen kommt niemand zur Hilfe, ehe sie schließlich in den Anlagen sterben. Wie viele es im Laufe eines Legejahres in einem Betrieb sind, können wir nicht sagen. Aber bei jeder unserer Ausstallungen finden wir einige Tiere in diesem Zustand, die noch leben.

8 dieser Hennen mit den dicken Bäuchen wurden bei unserem erfahrenen Tierarzt sofort operiert. Für 5 von ihnen kam diese Hilfe leider zu spät, die Entzündungen und Verklebungen der Organe waren schon so weit fortgeschritten, dass eine Entfernung des Legedarms nicht mehr möglich war, und die Tiere während der Operation euthanasiert werden mussten.

Entzündeter und mit Schichteiern etc. gefüllter Legedarm - operativ entfernt

Das ist das Schwerste. Die Momente, in denen wir zu spät kommen und in denen die Wunder nicht wahr werden, auf die wir hoffen und für die wir arbeiten.

Die Hühner, die in unseren Händen schon ins Licht getragen wurden und die Sonne zumindest für Augenblicke schon gesehen haben, dabei aber doch schon zu krank und zu schwach sind, und denen wir ihre Welt nicht mehr zeigen und ihr Recht auf unversehrtes Leben ohne Schmerz nicht mehr zurückgeben können.

 

Die übrigen aber schafften den Weg in ihre Welt.


So wie Pina, die nach ihrer Operation heute schon die ersten Schritte in ihrem neuen Zuhause macht:

 

 

 

An unseren Übergabeorten in Bremen, Marl, Mönchengladbach und Reichshof nahmen 135 liebe Menschen ihre neuen Hühner in herzlichen Empfang, um ihnen von nun an ein Leben in einem richtigen, guten, liebevollen Zuhause zu schenken.

Am Sonntag dann machte sich unser norddeutsches Team auf den Weg in die niedersächsische Freilandhaltung, um hier 831 Hennen und einen Hahn aus dem Betrieb zu übernehmen.

Außerdem konnten wir im Zuge dieser Rettung 8 Hähnen aus dem Tierheim Hamburg endlich ein neues Zuhause bescheren, einen Hahn aus den Laboren der Tierärztlichen Hochschule Hannover retten und 11 Hähne aus verschiedenen privaten Notsituationen übernehmen und vermitteln.

Unsere Rettungsaktion wurde von Frank Weber und einem Kamerateam des Senders VOX begleitet, die einen Beitrag für die Sendung „Hund, Katze, Maus“ drehten. Der Beitrag wird vermutlich im September ausgestrahlt und wir geben den genauen Termin noch bekannt, sobald er feststeht.

Glücklicherweise fanden wir bei dieser Rettung deutlich weniger pflegebedürftige Hennen vor als in der Bodenhaltung. 2 Hennen mit kleinen Abszessen am Auge und 4 schwache, magere Hennen brachten wir in unseren Pflegestellen unter. Mit einer sehr schwachen Henne, einer Henne mit eingerollten, fehlgestellten Füßen und Walter, dem einzigen Hahn aus dem Betrieb, fuhren wir noch am selben Tag in die Tierärztliche Hochschule nach Hannover.

Walter war nur noch ein Schatten seiner selbst, abgemagert und dehydriert konnte er sich kaum noch auf den Beinen halten, sein Federkleid spärlich und völlig zerrupft, seine Flügel hingen fast am Boden. Das Leid dieser Hähne, die in einigen Freiland- und Biobetrieben absichtlich von den Landwirten in den Hennengruppen gehalten werden, die aber auch in Bodenhaltungen immer wieder vereinzelt als falsch sortierte Küken in den Betrieben landen und dort zwischen hunderten oder tausenden von Hennen leben müssen, ist groß. Es liegt in der Natur eines Hahns, dass er seine Hennenschar führen und beschützen möchte, dass er ihnen Futter suchen und zeigen möchte, dass er Unruhe und Streit unter seinen Hennen klären und schlichten möchte – kurzum: er möchte sie umsorgen und glücklich machen. Ein Hahn, der eingesperrt mit 9 Hennen pro Quadratmeter unter hunderten oder tausenden von Hennen leben muss, kann nichts davon erfüllen und ist mehr als überfordert. Die Hennen und er leben ununterbrochen im Stress, da in so großen Gruppen auf so engem Raum niemals eine Rangordnung entstehen kann. Es gibt also dauerhaft Streit um ihn herum und er kann es nicht schlichten. Er kann kein Futter finden und anbieten, da das immer gleiche Futter dauerhaft vorhanden auf den Futterbändern läuft. Er kann nicht beschützen, nicht klären, nicht locken, nicht umsorgen, er kann seine Hennen nicht glücklich machen, resigniert und gibt sich irgendwann auf. Die Hennen bepicken ihn aus Langeweile und es liegt nicht in seiner Natur, sich gegen sie zu wehren.

 

 

Als wir mit Walter in der Klinik ankamen, zeigte sich bei der Untersuchung, dass er eine mittelgroße, schon ältere Verletzung am Brustbein hatte.

Um den freiliegenden Knochen war die Haut entzündet, vereitert und teils verschorft.

Wir waren wirklich erschüttert.

Im Röntgenbild zeigte sich außerdem eine Hüftathrose und der Sporn des rechten Beins war bis auf den knöchernen Teil abgebrochen. Walter wurde stationär mit allem versorgt, was möglich war, bekam Infusionen und begann zu unserer Freude schon am Abend, selbstständig zu fressen. Drei Tage später war er stabil genug für eine Narkose und die Wunde wurde gereinigt und operativ über dem Knochen verschlossen. Mittlerweile durfte Walter in sein neues Zuhause einziehen. Dort wird er weiterhin von seiner Besitzerin gepflegt und unternimmt nun schon seine ersten Streifzüge mit sechs seiner mit ihm geretteten Hennen durch seine kleine neue Welt.

 

Für die anderen der 831 Hennen konnte schon am Rettungstag der Einzug ins neue Zuhause erfolgen. 150 tierliebe Menschen warteten aufgeregt an unseren Übergabeorten in Kiel, Hamburg, Roggendorf, Dannenberg, Karstädt, Leopoldshöhe, Wolfsburg, Wolmirstedt, Berlin und Northeim auf unsere Transporte. Liebevoll wurden die Hühner empfangen, liebevoll jedes einzelne von ihnen betrachtet, angesprochen und ins neue, gut vorbereitete Zuhause gebracht.

Hier lernen sie nun die Welt kennen. Die Welt, die ihre ist, und in der sie das gleiche Recht zu leben haben, wie jeder von uns. Sie sehen den Himmel, die Sonne, die Wolken, fühlen Regen und Wind. Sie hören das Rauschen der Bäume und das Rascheln der Büsche, spüren das Gras und die Erde unter ihren Füßen, den wohltuenden Sand auf ihrer Haut. Sie hören die Vögel, die freundlichen Worte ihrer Menschen, riechen das frische Heu in ihren Nestern, das saftige Gras, lernen Insekten zu finden, in der Erde zu scharren, Kräuter zu picken und Beeren zu finden.

 

 

Es ist so wenig, was Hühner brauchen, um glücklich zu leben. 

 

Nur ein kleines Stückchen dieser Welt.

 

 

 

 

 

Wie immer möchten wir an dieser Stelle allen Menschen danken, die die Rettung dieser Tiere möglich machen. Herzlichen Dank an alle Adoptanten, die unseren Hühnern ein Zuhause schenken, herzlichen Dank an unsere treuen, fleißigen Tierärzte, insbesondere an Tierarzt Sudhoff in Mönchengladbach und Dr. Legler, Frau Wittrock und die weiteren Vogeltierärzte der Ti Ho Hannover, herzlichen Dank an das Team von Docma-TV und  Frank Weber für die unkomplizierten Dreharbeiten, herzlichen Dank an alle Helfer und Unterstützer unserer Arbeit!

April 2019:

Wenn Worte fehlen

Rettung von 1076 Hennen aus Bodenhaltung

Ende April fand unsere nächste große Rettung im Westerwald statt.
1076 Hennen konnten wir aus der Bodenhaltungsanlage übernehmen.
Die Ausstallung verlief reibungslos wie immer, die Vorbereitungen waren gut geplant, unsere Helfer und Teammitglieder trugen die Hennen zügig aber schonend aus dem Stall, setzten sie vorsichtig in unsere Transportboxen, verluden sie auf die Transporter, machten sich auf den Weg zu den elf geplanten Übergabeorten und übergaben sie dort an die wartenden, aufgeregten, sichtlich gerührten und auch erschütterten lieben Menschen, die diesen Tieren ein Zuhause geben wollten. Die erkennbar kranken und verletzten Tiere wurden schon am Stall aussortiert, in Einzelpflegeboxen gesetzt und zu den für sie organisierten Pflegeplätzen und Kliniken gefahren. …

Alles wie immer, alle Abläufe, alles was wir dort erlebten und taten, haben wir schon so oft erlebt und getan, erleben und tun wir bei jeder Rettung wieder, alles nach Plan und mit Routine. Über 67 000 Hennen haben wir auf diese Weise schon aus den Ställen geholt, über 60 solcher Ausstallungen allein in den letzten drei Jahren durchgeführt. Planungen, Abläufe, Handgriffe – alles Routine.

Doch was die Routine nie ergreift ist das Herz. Die Erschütterung ist jedes Mal die gleiche. Bei jedem einzelnen dieser kleinen, so erbarmungslos bis auf die letzte Lebenskraft ausgenutzten kleinen Tiere, die unschuldig sind und die mit ihrem ganzen Leben, ihrer Seele, ihrem Leid hilflos und gnadenlos der Grausamkeit des Menschen ausgeliefert sind.
Wir tragen sie vorsichtig aus der stickigen Dunkelheit ihres Gefängnisses ans Licht, versuchen zu trösten, Verletzungen zu heilen, Leid zu lindern, Zuversicht zu geben, Glück zu bringen, Wiedergutmachung zu leisten, wenigstens für die Zeit, die ihnen noch bleibt….
 
In diesen Momenten bin ich froh, dass ich nicht ihre Sprache spreche, dass ich keine Worte finden muss, um ihnen zu erklären, warum ihnen das angetan wurde.
Denn es gäbe keine Worte. Wie sollte man ihnen erklären, dass es rechtens ist in der Welt der Menschen, Tieren jegliches Recht auf ein artgerechtes, leidfreies und selbstbestimmtes Leben abzusprechen? Sie zu nutzbaren Gegenständen zu degradieren, bis aufs Letzte auszulaugen und am Ende wie Abfall zu entsorgen? Ihnen Leid zuzufügen und keinerlei Hilfe zukommen zu lassen, wenn sie krank oder verletzt sind?

Wie sollte man ihnen erklären, dass es gesellschaftlich akzeptiert und rechtens ist, dass sie 18 Monate in quälender Enge mit tausenden Artgenossen auf engstem Raum, ohne jemals das Tageslicht gesehen oder frische Luft geatmet zu haben, in den eigenen Exkrementen oder auf Metallgittern stehend leben mussten?
Dass sie noch nie die Sonne auf der Haut spüren, noch nie ein Sandbad nehmen durften? Dass sie kein Gras und keine Erde kennen lernen durften, mit ihrem Schnabel und ihren Krallen niemals etwas erkunden, Insekten finden, scharren und picken durften? 

Leslie - Legedarmruptur mit Eimasse und Entzündung im Bauchraum
Sac - alter, unbehandelter Kloakenprolaps

Wie sollte man ihnen erklären, dass Menschen Geld bezahlen für die Eier, die ihr kleiner Körper in täglicher Höchstleistung produzieren muss, und somit ihr Leid in Auftrag geben?

Wie sollte man ihnen erklären, dass es rechtens ist, dass ihnen niemand zur Hilfe kam und es keine tierärztliche Behandlung für sie gab, obwohl ihre Kloake riss und sich entzündete und sich in ihrem überlasteten Legeapparat Entzündungen, Vereiterungen und massenhafte Eiablagerungen gebildet haben, die ihnen über Wochen große Schmerzen bereiteten und die bei vielen ihrer Leidensgenossinnen zu einem langsamen qualvollen Tod führen?

Elsa, massiv gemobbt und bepickt, Körpergewicht knapp 800g

 

Wie sollte man ihnen erklären, dass es rechtens ist, dass sie unterdrückt und drangsaliert in der brutalen Enge unter ihren Artgenossen, in der artgerechtes Sozialverhalten unmöglich wird, jede Minute ihres kleinen Lebens unter massivstem Stress und Angst verbringen müssen und niemand ihnen zur Hilfe kam?

Wie sollte man ihnen erklären, dass es rechtlichen Vorgaben entspricht ist, dass sie -als Laufvögel, deren Füße für ein erfülltes Leben auf weichen Böden an Waldrändern gemacht sind- ihr Leben auf metallenen Sitzstangen, Metallgittern und mit Exkrementen übersäten Betonböden verbringen müssen und dass es rechtens ist, dass ihnen keine Hilfe und keine tierärztliche Versorgung gewährt wird?
 
Und wie sollte man ihnen erklären, dass NIEMAND jemals für ihr Leid zur Rechenschaft gezogen wird ?

In der Sprache der Tiere, gibt es keine Worte für die Grausamkeiten, zu denen der Mensch fähig ist.


Wie immer können wir euch hier nur Ausschnitte unserer Arbeit zeigen. Die hier vorgestellten Hühner stehen für 34 schwer kranke oder verletzte Hühner, die wir unter den insgesamt 1076 Hennen dieser Rettung aus dem Stall geholt haben.

Wie viele Hühner durch schwere Komplikationen in den Legeorganen, durch Verletzungen oder durch Schwäche schon während des Jahres im Betrieb sterben, wissen wir nicht.
 
Was uns bleibt, ist, mit unseren Herzen und Händen zu denen zu sprechen, die wir noch retten konnten, und ihnen zu sagen, dass wir ihnen nun jeden Tag ihres Lebens zur Seite stehen und ihren Schmerz lindern werden.
 
Dass Leslie nach ihrer Operation keine Schmerzen mehr haben, dass ihr geschundener Körper sich erholen und sie dank Hormonimplantat nie wieder in ihrem ganzen Leben ein einziges Ei legen wird.
Dass sie nur noch um ihrer selbst willen leben darf!

 

Dass Elsa nun in Sicherheit ist, dass jemand für sie sorgt und sie beschützt, dass sie genügend Futter bekommen und ohne Furcht und Drangsal fressen kann, dass sie zur Ruhe kommen, sich erholen kann und bald fröhlich und unbekümmert mit guten Hühnerfreunden leben und ihre Angst vergessen wird.

 

Dass ihre Füßchen heilen und Chaupette, Liese und Lotte auch mit amputierten Zehen und Captain Hook auch trotz verlorenen Füßchens mit einer Prothese wird laufen und ein erfülltes Leben führen können.

Dass jedes der geretteten 1076 Tiere nun den Rest seines Lebens behütet und umsorgt leben darf, dass die lieben Menschen, die sich nun um sie kümmern, alles tun, um ihnen die Zeit, die ihnen bleibt, so glücklich wie möglich zu machen.
 
Für Sac blieben unserer Kiki nur 48 Stunden, in denen ihr ihr Herz und ihre Hände sagen konnten, dass nun Hilfe da ist, dass sie zur Ruhe kommen darf und ihr die Schmerzen genommen werden, dass ein Tierarzt versucht, die alte Verletzung an ihrer Kloake zu nähen und zu heilen. Sac hat es nicht geschafft und ist zwei Tage nach ihrer Rettung in Kikis Obhut gestorben.


Wir Menschen aber haben die Worte für unsere Verbrechen an den Tieren.
Wir wissen, was wir getan haben. Und wir müssen mit dem Wissen leben, dass es keine Wiedergutmachung geben kann, dass niemand zur Rechenschaft gezogen werden wird und dass das Unrecht und Leid täglich millionenfach auf unserer Erde durch uns Menschen an den Tieren geschieht.

 

 

Dazu fallen mir nur zwei Worte ein:

 

Lebe vegan!

April 2019:

Über die Freiheit:

37 Hähne und 1740 ausgediente Legehennen aus Biohaltung vor der Schlachtung gerettet!

 

Am Wochenende vor Ostern machten sich unsere Teams aus Süddeutschland, Rheinland-Pfalz und Hessen auf den Weg zur zweiten großen Rettung dieses Jahres. Der Biolandbetrieb, dessen Stallbestand wir schon im vergangenen Jahr im April übernehmen durften, ersparte seinen ausgedienten Hennen auch in diesem Jahr den Tod im Schlachthof und überließ die Tiere uns.

Frühmorgens um vier Uhr trafen wir mit 11 Transportern auf dem Hof ein, luden Boxen und Material aus und bereiteten alles vor. 180 große Transportboxen, 30 kleine Einzelboxen für Pflegefälle, 37 Einzelboxen für die Hähne, Reserveboxen, Hanfeinlegematten, Notfallversorgung, Schutzkleidung, Kopflampen, Zurrgurte, Schutzverträge, Transportbegleitscheine, …. So vieles an das zu denken ist.

Tatsächlich ist so eine Rettung eine große logistische Herausforderung. Wir transportierten an diesem Tag 1777 Tiere an 20 Übergabeorte in Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz und Hessen. 304 Adoptanten waren zu diesen Übergabeorten bestellt, um die Tiere direkt und pünktlich abzuholen und in ihr neues Zuhause zu bringen.

Alle Transporte müssen mit der korrekten Hühneranzahl beladen werden, auf jeden Transport muss zusätzlich die richtige Anzahl an Pflegehühnern, die in spezielle Pflegeplätze kommen und meist noch am selben Tag tierärztlich versorgt werden müssen.

Auch hier ist nicht Pflegi gleich Pflegi und es muss organisiert sein, wohin welche Tiere mit welchen Erkrankungen gehen, dicke Schichteibäuche, die sicherlich eine OP benötigen, müssen z.B. an Plätze, wo die geeigneten Tierärzte/Kliniken vorbereitet sind, usw.

Auf jeden Transport muss die richtige Anzahl an Hähnen, und vor allem: DIE RICHTIGEN HÄHNE, denn nicht jeder Hahn passt größentechnisch an jeden Platz.

Die Ladung, jeder Boxenstapel und jede Einzelbox muss in jedem Transporter korrekt gesichert werden, die Boxen so gestellt sein, dass die Tiere ausreichend Luft bekommen und sicher am Übergabeort ankommen. Das Team muss richtig ein- geteilt sein und jeder muss wissen, was während der Ausstallung seine Aufgabe ist.

Die Abfahrtszeiten der Transporter müssen geplant und durchdacht sein und immer muss geplant werden, dass nicht genau geplant werden kann, denn die genaue Zahl der Hühner und Hähne, die sich noch lebend im Stall befinden, wissen wir erst, wenn wir das letzte Tier aus dem Stall getragen haben…

So gibt es also Minimal- und Maximalzahlen pro Transport und Adoptant, Reserveplätze und Gockelausweichplätze. Zusätzlich zu den 25 Hähnen, die wir aus dem Betrieb übernehmen konnten, vermittelten wir im Zuge der Rettung auch noch 12 Hähne aus unseren Pflegestellen. Einige von ihnen stammten aus einem Tiermessiefall, andere kamen als ausgesetzte Fundtiere zu uns. Auch diese Hähne mussten im Vorfeld zugeteilt werden -welcher Hahn passt gewichtsmäßig an welchen Platz-, mussten aus den Pflegestellen abgeholt und zum Stall gebracht, dort den richtigen Transporten zugeordnet und an den richtigen Adoptanten übergeben werden.

 

All das muss im Vorfeld genauestens geplant, organisiert und aufgeschrieben werden, damit morgens im Dunkeln am Stall, wenn dann tatsächlich diese Tiere durch unsere Hände gehen und viele Emotionen das klare Denken plötzlich erschweren, alles reibungslos und zügig funktioniert.

Und wie immer -nach wochenlanger akribischer Planung- funktionierte alles bestens. Um sieben Uhr morgens war der Stall leer und wir hatten alle 1742 Hennen und 37 Hähne sicher in unseren Transportern, jedes Tier in der vorgesehenen Box und nun bald auf dem Weg zu den Menschen, die in dieser kalten Aprilnacht, während wir im Dunkeln die Tiere auf den Armen aus dem Stall trugen, vielleicht auch schon wach waren, in nervöser Vorfreude an ihre Tiere dachten, die sie am Vormittag abholen würden, die heute Nacht nicht eine Reise in den Tod antreten mussten, sondern zu ihnen kommen würden, denen sie liebevolle Ställe vorbereitet hatten und denen sie nun zeigen wollten, wie ein lebenswertes, friedliches und glückliches Hühnerleben sein kann.

 

Und während ich -mit meinem 6-seitigen Transport-und Einsatzplan in der Hand, dort stehe, bei wenigen Graden über Null um fünf Uhr morgens, alles um mich herum abläuft wie am Schnürchen, all unsere Teammitglieder und Helfer mit vollem Einsatz, mit ganzem Herzen bei der Sache sind, kommen mir solche Gedanken über diese wunderbaren Menschen:

 

Sie haben Monate der Vermittlung dieser Tiere und die letzten Tage voller Vorbereitung hinter sich, Transporter mieten, Boxen und Sachen packen, letzte Absprachen mit den Adoptanten erledigen, umplanen, wenn Leute in letzter Minute absagen, nichts vergessen, noch mal nachrechnen, Verträge vorbereiten…nun schlagen sie sich hier ihr Wochenende und die Nacht um die Ohren, sind teilweise seit Mitternacht unterwegs, von weither hier zum Stall gekommen, schleppen die schweren Kisten, kämpfen mit Zurrgurten und Zurrpunkten, tragen Huhn um Huhn aus dem Stall, laufen und laufen, schauen jedes einzelne an, sind voller Sorge um jedes einzelne Tier, sind erschüttert und verzweifelt über manches Pflegehuhn, fassen an und helfen, wo es nötig ist, sie haben ihre Adoptantenlisten im Kopf, rechnen und planen nachher auf der Fahrt zur Übergabe, wenn sie genau wissen, wie viele Hühner wir retten konnten, welcher Abnehmer wie viele Hühner bekommen wird, informieren über den Zustand der Pflegehennen, schauen nach den Hähnen, telefonieren, falls jemand sich verspätet, bleiben in Kontakt mit den Adoptanten und beantworten in den kommenden Tagen die vielen Fragen und Nachrichten der neuen Hühnereltern, kümmern sich selbst um Pflegehühner, die in ihrer Obhut bleiben… Raphi wird ihren Transport bis nach Regensburg fahren, nach der Übergabe ihrer 100 Hennen an die Adoptanten schmutzig, voller Hühnerkacke, nach einer Nacht ohne Schlaf noch ihre Boxen und den Transporter kärchern, desinfizieren, aufräumen, den Transporter zurück zum Verleih bringen und dann vielleicht irgendwann am späten Nachmittag daran denken, dass sie heute Geburtstag hat….

 

Und ich denke, ich weiß, warum sie es tun und die Stimmung hier wie bei all unseren Rettungen wohlwollend, kooperativ und durchgängig positiv ist: Weil es Befreiung ist und nicht Belastung. Es ist befreiend, einem Tier das Leben zu retten, es zu beschützen und ihm zu helfen. Auch wenn es auf den ersten Blick wie schwere Arbeit, große Anstrengung und Einschränkung der persönlichen Freizeit wirkt, ist es in Wahrheit Befreiung.

Wir stehen an so vielen Stellen in unserer Welt hilflos und machtlos dem furchtbaren Unrecht und der Grausamkeit gegenüber, die den Tieren angetan wird, sind davon allgegenwärtig umgeben und belastet.

Aber wenn wir auch so viele große und furchtbare Dinge nicht allein, nicht sofort und vielleicht auch niemals werden ändern können, so haben wir doch die Wahl und die Freiheit der Entscheidung, was wir mit unserer Zeit und unserer Tatkraft anstellen. Und so befreit uns jede einzelne kleine Hühnerseele, die wir an diesem Morgen aus dem Stall tragen und deren Todesschicksal wir durch unser gemeinschaftliches Handeln in Lebensglück umwandeln dürfen, von unserer Macht- und Hilflosigkeit.

Vermutlich geht es auch den Adoptanten unserer Hühner so. Sie haben die Wahl, ob sie makellose, junge, wunderschöne Tiere von einem Züchter kaufen, oder ob sie ihr Herz öffnen für diese ausgemergelten Tiere, die in ihrem Leben noch nichts Gutes erlebt haben und denen vom Tag ihres Schlupfes an jegliches Recht auf ein artgerechtes Leben aberkannt wurde.

Sie können entscheiden, ob sie bei einem beschaulichen Ausflug zu bequemen Geschäftszeiten die passenden, schönen, jungen Tiere bei einem Züchter oder auf einem Geflügelmarkt auswählen oder ob sie an einem festgelegten Samstag oder Sonntag morgen an einem Parkplatz, möglicherweise viele viele Kilometer vom eigenen Wohnort entfernt, auf einen Rettet-das-Huhn-Transport warten und kleine, ausgemergelte, stinkende Tiere in ihre Arme und ihre Herzen nehmen, die Pflege und Trost, viel Aufmerksamkeit und möglicherweise auch Tierarztbesuche brauchen…

 

Wer sich für diese Tiere entscheidet, wird es wissen oder spüren: Unendlich viel mehr als sie von uns brauchen, schenken sie uns. Unendlich viel mehr, als sie uns belasten, befreien sie uns.

 

 

 

Welch Geschenk an unsere Seele ist es, diesem kleinen Kreuzschnäbelchen nach einem grausamen, entbehrungsreichen Leben in Ausbeutung zeigen zu können: Nun bist du sicher, wirst in deiner Not gesehen, darfst zur Ruhe kommen und wirst Hilfe erfahren, wenn du sie brauchst, nun darfst du leben.

 

 

 

Welche Befreiung ist es, diese lieben Tiere zu sehen, wie sie selig und sich erholend in der Sonne und im Sand baden, neugierig in der Erde scharren und wie der Stress, die Enge, der Lärm, der Schmutz und die Ängste ihres bisherigen Lebens von ihnen abfallen.

 

 

 

Welch Glück ist es, einen Hahn so tröstend in den Arm zu nehmen und ihm mit Worten und mit dem Herzen zu sagen, dass nun alles gut wird, dass er nun leben und frei sein darf, dass er sich nicht mehr verängstigt in den Nestern zu verstecken braucht, um der erzwungenen Enge im Stall und der Not zu entgehen, die ein Hahn in Massentierhaltung unter hunderten oder tausenden von Hennen unweigerlich erleidet, will er doch naturgemäß seine Hennen beschützen und führen und Stress unter ihnen verhindern, was in Massentierhaltungen natürlich unmöglich ist….

 

 

 

1779 liebenswerte, neugierige, lebensfrohe Geschöpfe dürfen durch die Hilfe und den Einsatz vieler wunderbarer Menschen nun ein artgerechtes, friedvolles und behütetes Leben kennenlernen.

Ihr Glück und ihre Freiheit sind mit unserer eigenen engstens verbunden.

 

Unser großer Dank wie immer an alle Adoptanten unserer Hühner, an alle Helfer und Unterstützer unserer Arbeit und natürlich ans beste Team der Welt!

 

Januar 2019:

Rettung von 836 Hennen aus Freilandhaltung, 183 Hennen aus Bodenhaltung und 11 Hähnen in Niedersachsen gelungen!

 

Das Jahr 2019 begann für uns ebenso glücklich, wie das alte Jahr zu Ende gegangen war: mit der Rettung vieler unschuldiger Tierleben.

Im Raum Bremen konnten wir Ende Dezember 2018 erstmals die 183 ausgedienten Hennen und einen Hahn eines kleinen Bodenhaltungsbetriebs übernehmen.
Wir hatten zunächst gezögert, dem Betrieb zuzusagen, denn unsere Vermittler im Norden sind mit den jeweils rund 830 Hennen, die wir dreimal pro Jahr aus einer niedersächsischen Freilandhaltung übernehmen, eigentlich ausgelastet.
Wir überlegten lang. Unser Björn, der den neuen Betrieb selbst vor Ort besucht hatte, den Hennen also schon von Angesicht zu Angesicht begegnet war, zitterte und wünschte sich die Zusage. Denn wenn man diesen Tieren in einem Betrieb begegnet, kann man eigentlich gar nicht anders, als ihnen im Herzen sofort zu versprechen, dass man wiederkommen und sie von hier wegholen wird, dass man sie nicht vergisst und alles dafür tun wird, ihr Leben zu retten.

Zur Erklärung muss man sagen, dass wir immer unter dem Druck stehen, bis zum Rettungstag genügend wirklich gute Lebensplätze bei verantwortungsvollen, tierlieben Menschen für alle Tiere des Bestands zu finden. Wir haben keinen Hof, keine großen Ställe, an denen wir eine größere Anzahl Hennen bis zur Vermittlung unterbringen könnten. In Norddeutschland hatten wir erst im September 830 Hennen aus der Freilandhaltung vermittelt und für die nächsten 830, die wir im Januar bekommen würden, steckten wir mitten in der Vermittlung. Auf südlichere Bundesländer auszuweichen war kaum möglich, da wir erst im Oktober und November in drei großen Ausstallungen in Nrw über 3500 Hennen aufgenommen und vermittelt hatten, so dass auch dort kaum noch Platzreserven zu erwarten waren…
 
Trotzdem fassten wir uns schließlich ein Herz und sagten zu. Nur knapp 200 Hennen mehr, das würden wir schaffen! Und wir waren glücklich, dass es funktionierte und wir genügend Plätze für alle Tiere fanden!

So konnte Björn kurz vor Silvester mit einem kleinen Team 183 braune Hennen und einen Hahn aus der Bodenhaltung abholen, vor der Schlachtung bewahren und an viele liebe Menschen im Raum Bremen übergeben, die diesen Tieren ein Leben und ein Zuhause schenkten.
Vier Wochen später machte sich der Rest unserer Nord-Vermittler auf den wohl bekannten Weg in die niedersächsische Freilandhaltung, um hier 836 braune und weiße Hennen abzuholen.
 
In kalter, dunkler Januarnacht trugen wir die Tiere aus dem Stall, verluden sie und schickten sie auf ihre Reise an die Übergabeorte in Kiel, Hamburg, Roggendorf, Karstädt, Berlin, Magdeburg, Wolfsburg, Northeim, Leopoldshöhe und Münster.

Dort erwarteten viele gut vorbereitete, aufgeregte Menschen ihre neuen Haustiere, nahmen sie gerührt entgegen, versprachen ihnen, dass nun alles gut werden würde und brachten sie in ihre neuen Heime.
Es ist immer wieder erstaunlich, welche Zuneigung die Hühner vom ersten Moment an in Menschen hervorrufen, die sich auf sie einlassen und ihnen bewusst als Individuum begegnen.
Tiere, die bisher nur als Masse, als Produktionseinheiten in Hunderter- oder Tausendergrößen vom Menschen registriert und benutzt wurden, werden in dem Moment, in dem unsere Hände sie zum ersten Mal berühren, endlich als das wahrgenommen und behandelt, was sie sind: Jedes einzelne von ihnen als ein fühlendes, beseeltes Lebewesen, das in Frieden leben möchte.
 
Im stockdunklen Stall geschieht diese Metamorphose. Unsere Träger greifen jedes einzelne Tier und tragen es hinaus, nehmen schon auf dem Weg zu unseren Transportboxen jedes einzelne Individuum wahr, fühlen, wer es ist, den sie da halten, ob das Tier leicht oder schwer ist, ob es besonders verängstigt ist, besonders agil oder besonders schwach, ob es einen dicken Bauch hat oder eine andere Auffälligkeit.
Dann geht das Tier durch die Hände unserer Helfer an den Boxen und fällt hier nun zum ersten Mal als Individuum auch ins Auge eines Menschen, wird im Licht der Kopflampen betrachtet, angesehen, wahrgenommen, wenn auch nur einen kurzen Augenblick, um zu schauen, ob es gesund und transportfähig ist oder ob es in eine Pflegibox gesetzt werden soll.
Bei diesem Prozess ist die Zuneigung unserer Teammitglieder zu jedem einzelnen Tier so greifbar und wir sind sicher, dass die Tiere hier, in diesem Ausnahmemoment trotz des Stresses, der die Ausstallung für sie bedeutet, spüren, dass ihnen nun nichts Böses mehr geschehen wird.

Bei den Übergaben an die neuen Besitzer geht es weiter. So viel Zuneigung, Rührung, so viele Versprechen an die Tiere, dass sie es nun gut haben werden, erleben wir hier. Vom ersten Blick an, den die Menschen auf die Hühner werfen, die wir in ihre Transportkörbe setzen und mit guten Wünschen ins neue Zuhause schicken, ist ihre Zuneigung und ihre Verbindung zu den Tieren zu spüren. Das macht uns sehr glücklich und die Übergaben zu den schönsten Momenten an einem Rettungstag.

Wenn dann die ersten Fotos kommen, die Berichte und Rückmeldungen aus den neuen Heimen, wenn jedes Huhn einen Namen hat, wenn uns berichtet wird, wer sich schon mutig aus dem Stall traut und die Umgebung erkundet und wer noch zurückhaltend ein bisschen Zeit braucht, um Mut zu fassen für die Welt, wer sich ein wundervolles, gemütliches Nest gebastelt hat und wer sich einen überraschenden ganz eigenen Ort für sein Ei gesucht hat, wer es schon rasch gelernt hat, auf der Stange zu schlafen und wer lieber noch im Strohnest nächtigt, wer sich verfressen und neugierig auf viele Leckereien stürzt und wer noch vorsichtig alles neue beäugt, wer in kürzester Zeit vertrauensvoll seinem Menschen auf Schritt und Tritt folgt und wer lieber noch etwas Abstand hält, dann wissen wir, dass jedes einzelne von ihnen nun ein echtes Zuhause hat, einen Ort, an dem es als lebensberechtigtes, liebenswertes Individuum geachtet und versorgt wird. So wie es das Recht eines jeden Tieres wäre.

In Anbetracht der Milliarden von ausgebeuteten Tieren, denen dieses Recht niemals zu teil werden wird, erscheinen unsere Rettungen vielleicht wie der Tropfen auf den heißen Stein. Aber wir dürfen niemals aufhören, glücklich zu sein über jedes einzelne Tier, dass wir aus der dunklen, versteckten Anonymität retten und in ein gerechtes Leben bringen können.
Denn für jedes einzelne von ihnen bedeutet es das ganze Leben.
Herzlichen Dank an alle lieben Menschen, die unseren Hühnern ein Zuhause schenken und sie lebenslang so gut und liebevoll versorgen!

Und herzlichen Dank an unser bestes Team der Welt und an die treuen Helfer, die wissen, wie sinnvoll und gut es ist, an einem Wochenende nachts um vier in eisiger Winternacht Tiere vor dem sicheren Tod zu retten und in ein glückliches Leben zu bringen!

Januar 2019

Widerstand gegen geplante Erweiterung eines Hähnchenmaststalls

 

In der kleinen Ortschaft Ohrdorf in Niedersachsen ist der Ausbau der ansässigen Hähnchenmastanlage "Ohre Hähnchen Bioenergie GmBH & Co KG" geplant.

Es sollen drei weitere Mastställe für jeweils 42.000 Tiere gebaut werden.

Somit würde sich die Anzahl der Tierplätze von 159.000 auf 285.000 erhöhen. 

 

Bitte helft Widerstand zu leisten, um den Bau zu verhindern!

 

Der "Muster-Einwand" kann heruntergeladen, von jedermann verwendet, ausgefüllt und verschickt werden. Änderungen und Ergänzungen sind ausdrücklich erwünscht.

 

Die Einwände können noch bis zum 28.01.2019 bei der Stadt Wittingen eingereicht werden. 

Weitere Argumente gegen Massentierhaltung finden sich im Leitfaden des BUND.

Jede Stimme zählt!

Vielen Dank für Eure Unterstützung!

Muster Einwand Hähnchenmast Ohrdorf
Einwand Ohrdorf2.docx
Microsoft Word-Dokument [15.1 KB]
Leitfaden BUND
ATT00013.pdf
PDF-Dokument [1.0 MB]

Dezember 2018:

Unsere Rettungen am Jahresende 2018!

Wir wünschen Frohe Weihnachten!

Das Jahr neigt sich dem Ende zu und wir konnten auch noch in diesen letzten Wochen des Jahres viele Tiere retten und sie in ein glückliches Leben bringen! 

 

Mitte November übernahmen wir 1143 Hennen aus einer Bodenhaltung im Westerwald. Die Hennen waren von dem Betrieb länger als gewöhnlich gehalten worden. Fast zwei Jahre hatten sie in fensterloser, staubiger, stickiger und qualvoller Enge verbracht, 9 Hennen pro Quadratmeter und keinerlei Möglichkeit, sich in irgendeiner Form artgerecht zu beschäftigen. 2 Jahre lang- tagein, tagaus.

Wie schnell die Tiere im neuen Zuhause aufblühen, wie schnell sie wissen, was zu tun ist, wie sie sofort anfangen zu scharren, im Sand zu baden, in einem Strohnest zu ruhen, Dinge zu erkunden, wie neugierig sie sind und wie wahnsinnig groß ihr Lebenswille ist - das zu sehen, lässt uns und die Menschen, die diesen Hühnern ein liebevolles Zuhause schenken, immer wieder staunen und dankbar sein für ihre Rettung.

 

Gleichzeitig schmerzt es natürlich unendlich, denn es verdeutlicht auf so schonungslose Weise, wie brutal und grausam die Gefangenschaft in der Massentierhaltung für diese Tiere (wie für alle Tiere!) ist. 

 

Leider gab es auch eine große Zahl an Pflegefällen, die wir aus diesem Betrieb übernahmen. Allein 16 Hennen mussten aufgrund von Schichteiern, Follikeln und Eiern in verschiedenen Entwicklungsstadien in der Bauchhöhle und ähnlichen Komplikationen im Legeapparat operiert werden.

Mit dicken, steinharten Bäuchen fanden wir diese Hennen in dem Betrieb vor. Eier, Follikel, entzündliches Material schichtet sich in diesen Fällen im Legedarm oder gerät in die Bauchhöhle. Der hochgezüchtete Eierstock produziert weitere Eier, die sich aneinander schichten, nicht richtig ausgebildet und nicht gelegt werden können und es kommt zu hochgradigen Entzündungen und Verklebungen im Legedarm und in der Bauchhöhle.

 

Bei einigen Hühnern fanden die Ärzte bei den Operationen Schichteier im rechten Legedarmabschnitt. Dieser rechte Abschnitt ist bei Hühnern eigentlich verkümmert, nur rudimentär angelegt und daher inaktiv.

 

Bei einer Henne wurde ein verkümmerter, abgestorbener Zwilling ihrer selbst im Bauchraum gefunden - gruselige Tatsachen einer monströsen Tierqualzucht. Wir können nur einen winzigen Bruchteil davon ans Licht bringen - bei jährlich 8000-10000 Legehennen, die wir retten - im Gegensatz zu den über 50 Millionen Legehennen, die allein in Deutschland jährlich “produziert” und nach einem Jahr in der Legehennenindustrie getötet werden und deren Leid für immer unentdeckt und unbeachtet bleibt. 

 

Eine kleine Henne, die zusätzlich zu der Legedarmproblematik einen schlimmen Ballenabszess hatte, in dem sich die Zehenknochen bereits teilweise aufgelöst hatten, mussten wir leider erlösen lassen. Alle anderen haben ihre Operationen gut überstanden und sind nun mit einem Hormonimplantat versehen von der Qual des Eierlegens befreit! 

 

 

Ende November erreichte uns dann die Bitte eines Veterinäramts um Hilfe. Rund 200 Hennen in sehr schlechtem Ernährungszustand sollten ebenso wie einige andere Tiere aus einer Privathaltung beschlagnahmt werden. Innerhalb weniger Tage gelang es uns, genügend geeignete Adoptanten für die Tiere zu finden, so dass wir hier 206 Hennen und 2 Enten in ein behütetes, sicheres neues Zuhause bringen konnten.

 

Ende Dezember steht uns nun noch eine kleine Rettung von circa 190 Hennen aus einer Bodenhaltung bei Bremen bevor. Auch hier warten die zukünftigen Besitzer schon aufgeregt auf ihre neuen Tierchen, alle Ställe sind liebevoll vorbereitet und wenn diese kurz vor Silvester dann gerettet und in ihre neuen Heime eingezogen sein werden, können wir glücklich auf das Jahr 2018 blicken:

 

9750 Hennen und 95 Hähne konnten wir in 2018 vor der Schlachtung bewahren und in ein glückliches Zuhause bei vielen vielen lieben Menschen in ganz Deutschland bringen! 

Herzlichen Dank im Namen der Tiere möchten wir dafür allen Adoptanten, Helfern, Unterstützern und Förderern und unserem großartigen Team sagen! 

 

Auch im Namen unserer neun aus der grausamen Milchviehwirtschaft geretteten Kühe und unseres aus dem Schlachtfohlengeschäft geretteten Pferdes möchten wir uns von ganzem Herzen bei allen Menschen bedanken, die unserem Weihnachtswunsch gefolgt sind und eine Teil-Patenschaft für eine unserer Kühe übernommen haben!

Dank Eurer Hilfe sind unsere Kühe wieder ausreichend mit Patenschaften gedeckt und wir können sehr zuversichtlich in die Zukunft schauen!

In der Milchviehwirtschaft werden Kühe um ihrer Milch willen brutal und schonungslos ausgebeutet. Jedes Jahr muss eine Milchkuh ein Kalb gebären, das ihr wenige Stunden nach der Geburt entrissen wird. Jedes Jahr aufs Neue. Milchkühe werden in den Betrieben kaum älter als 5-6 Jahre und werden dann meist wegen abnehmender Milchleistung durch wiederholte Euterentzündungen, aber auch wegen Klauenentzündungen und anderer Erkrankungen, deren Behandlung unrentabel wäre, geschlachtet. Sie haben in ihrem Leben nie die Sonne gesehen, kennen keine Wiese und durften nie in einer kuhgerechten Herde leben. Wir sind glücklich, dass unsere neun Kühe nun in Geborgenheit leben und alles genießen können, was eine Kuh zu einem glücklichen, artgerechten und friedlichen Leben braucht.

 

 

Auch bei unseren anderen Wünschen habt Ihr uns mit Euren Reaktionen überwältigt:

Unserem Aufruf nach Hühnerpullis sind viele fleißige Hände rasch gefolgt und die Flut an lieben Pulli-Paketen wollte kaum abreißen. Nun ist unser Lager wieder mit über 700 neuen Hühnerpullis gefüllt und wir sind somit für das kommende Jahr bestens versorgt!

Auch hierfür nochmals ein dickes Dankeschön an alle fleißigen Näherinnen!

Und auch unserer dringenden Bitte um Spenden zur Deckung unserer immensen Tierarztkosten sind so viele liebe Menschen nachgekommen! Wir waren schlichtweg überwältigt und konnten Dank Eurer Hilfe alle Kosten decken! Die Anzahl an nicht vermittelbaren, schwer kranken Tieren, die wir aus den Anlagen holen, ist in diesem Jahr stark gestiegen. Über 60 Legedarm- und Bauchdeckenbruch- Operationen mussten wir durchführen lassen, hinzu kamen noch etliche Tiere mit Kloakenprolapsen, Ballenabszessen und anderen Verletzungen.

Habt tausendfachen Dank, dass Ihr uns damit nicht allein gelassen habt!

 

 

 

Wir wünschen Euch ein friedliches und besinnliches Weihnachtsfest und ein zufriedenes, gesundes und glückliches neues Jahr!

 

 

 

Denkt auch in 2019 weiter an die Tiere, lasst euer Herz für sie geöffnet, helft ihnen und gebt ihnen Eure Hand und Eure Stimme!

 

 

 

Euer Team von

Rettet das Huhn e.V.

 

November 2018: 

DANKE - DANKE - DANKE

Liebe Freunde von Rettet das Huhn e.V.!

 

Wir sind überwältigt und möchten uns HERZLICH bei Euch für die unglaublich vielen Spenden bedanken, die uns in den vergangenen Tagen erreicht haben! Die Tierarzt-Kosten für unsere Herbstrettungen werden wir sicher decken können und wir sind glücklich über so viel Solidarität und Unterstützung aus Euren Reihen!
Hier senden wir euch als Dank noch Grüße von Georgia, die nach ihrer Rettung am Anfang November ihre Legedarmoperation gut überstanden hat und nun im Team Mönchengladbach gesund werden kann!

Auch unserer Bitte um Hühnerpullis sind viele unserer treuen Näherinnen nachgekommen und so konnten auch unsere Hühnerpulli-Lager wieder aufgefüllt werden!

Huberta im Hühnerpulli-Lager

Wir können im Namen unserer Hühner nur sagen: DANKE ! DANKE ! DANKE !


Euer Team von Rettet das Huhn e.V.
 

Oktober/November 2018: 

2142 Bodenhaltungshennen in furchtbarem Zustand gerettet

Wir brauchen dringend eure Hilfe, um die enormen Tierarztkosten stemmen zu können!

 

Der leere Stall….

Ein kleines Hühnchen, das uns während der Ausstallung aus den Käfigabteilen entwischt war, läuft verwirrt durch den Gang. Wir fangen es behutsam ein und tragen es als letztes Tier aus diesem Gefängnis hinaus in die strahlende Novembersonne. In eine Sonne, die es noch nie in seinem Leben gesehen hat.

Der Anblick des leeren Stalls, die jetzt fast schon gespenstische Ruhe darin, weckt in uns kurze Erleichterung, wenigstens für den Moment, in dem wir alle Hühner dort nach ihrer 12monatigen Leidenszeit herausholen konnten, sie sicher in unseren Transportern wissen, mit denen wir sie weg von diesem grauenvollen Ort an gute Orte bringen können, an denen sie genesen und ihre körperlichen und seelischen Wunden hoffentlich verheilen können….

Im nächsten Moment holt uns das brutale Wissen ein, dass in wenigen Wochen schon die Käfige wieder gefüllt sein werden, mit jungen Hennen, denen dasselbe 12monatige Martyrium bevor steht und die wir erst in einem Jahr in demselben furchtbaren, bis aufs letzte ausgezehrten Zustand werden abholen dürfen. Viele von ihnen werden wir nie kennenlernen, denn sie werden hinter diesen Stallmauern ungesehen und ohne einen einzigen Moment des Glücks in ihrem kurzen Leben sterben.

Was Ihr auf den Bildern dieses Berichts seht, ist eine legale, zugelassene und gewöhnliche Bodenhaltungsanlage für Legehennen in Deutschland. Wir holen bereits seit vielen Jahren die ausgedienten Hennen dieses Betriebs ab, die nach 12-15 Monaten in dieser Haltung normalerweise zum Schlachter gehen würden.
Wir können am Kreislauf dieses Systems allein nichts verändern. Wir können nur die überlebenden Tiere ans Licht bringen und Euch bitten, Euch unsere Berichte und die Bilder dieser Tiere und der Zustände, unter denen sie leben und sterben müssen, zu Herzen zu nehmen und sie mit unserer Botschaft zu verbreiten:


So leben und sterben in Deutschland Millionen von fühlenden Lebewesen, damit Menschen ihren Speiseplan mit billigen Eiern „bereichern“ können.


10 oder 15 Cent für ein Ei, das ein Huhn legen musste, das niemals in seinem Leben das Tageslicht, die Sonne, Gras oder Erde kennenlernen durfte. Das sein Leben vom Schlüpfen bis zum Tod in qualvoller Enge und Bedrängnis, auf Metallgittern, Beton und in Fäkalien stehend verbringen musste, dem keinerlei Hilfe im Fall von Krankheit oder Verletzung gewährt wird, das durch die lebensverachtenden Haltungsbedingungen und die qualvoll hochgezüchtete Eierproduktion bis aufs Letzte ausgezehrt wird.
Das Leid der Legehennen endet nicht -wie etwa bei den natürlich ebenso abscheulich gequälten Masthühnern- nach spätestens 36 Tagen durch die Schlachtung. Legehennen müssen 12-15 Monate in dieser Hölle leben, ehe sie als Abfall der Legehennenindustrie getötet werden.

Zurück zu unseren Geretteten:
Bei jeder Ausstallung hier ist es dasselbe Entsetzen, dieselbe Wut, dieselbe Traurigkeit, die uns packt, sobald wir das erste dieser Hühner in unseren Händen halten und versuchen, von nun an alles gut werden zu lassen, wieder gut zu machen, zu beruhigen, zu trösten, zu heilen. Ihnen deutlich zu machen, dass ALLES, was sie bisher erleben mussten, falsch war, nicht rechtens. Dass jeder einzelne Tag, den sie in dieser Hölle auf Erden bisher leben mussten, UNRECHT war, dass kein einziges Ei, das irgendein Mensch in unserer Gesellschaft essen zu müssen meint, es RECHTfertigt, dass sie auch nur einen einzigen Tag unter diesen Bedingungen leben und sterben mussten!
Tatsächlich waren es rund 410 Tage, die sie in diesem Betrieb verbracht haben. Zuvor rund 120 ebenso sonnen- und freudlose Küken- und Aufzuchttage in der Legehennenindustrie….
Und wie viele Tage bleiben nun noch? Tage, an denen sie Sonne, Erde, Gras, Geborgenheit, Frieden, Geliebtwerden, Fürsorge, Gesundwerden und Glücklichsein erleben dürfen….
Für viele dieser Tiere werden es wohl weniger sein, als die, die sie bisher in der Hölle durchleben mussten. Wir haben es uns abgewöhnt zu zählen. Und auch die Tiere zählen nicht. Zum Glück…

Umso wertvoller ist von nun an jeder Moment. Und wir bemühen uns, vom ersten Moment an alles für sie zu tun, ihnen alles zu geben, was in unserer Macht steht. Schon die Hanfmatten in unseren Transportboxen bereiten den Hennen während des Transports ersten Wohlbehagen. Ein nie gekanntes Gefühl unter den geschundenen Füßen verlockt einige Mutige schon zu den ersten zaghaften Scharrbewegungen ihres Lebens…. An unseren Übergabepunkten warten ihre aufgeregten neuen Besitzer auf sie, begrüßen sie, viele weinend und überwältigt vom traurigen, entsetzlichen Zustand dieser armen Tierchen. In weich gepolsterten Körben und Boxen bringen sie sie in ihr neues Zuhause. An Orte, an denen die Hennen zum ersten Mal in ihrem Leben Platz zum Laufen kennenlernen, weiches Heu und Stroh zum Nestbau, die Sonne, um in ihr friedlich zu ruhen, Erde und Gras zum Scharren und Staubbaden. Orte, an denen sie zum ersten Mal in ihrem Leben die Sicherheit in einer kleinen, vertrauten Hühnergruppe kennenlernen werden, an denen sie Freunde finden und Geborgenheit kennenlernen werden.

Während der Ausstallung sortieren wir die Kranken und die Schwächsten der Schwachen aus und versorgen sie noch vor dem Transport, so gut wie möglich. Eine Tierärztin haben wir fast immer mit dabei und so kann zumindest die erste Hilfe schon vor Ort geleistet werden.

Anschließend verteilen wir die Kranken auf unsere Pflegestellen

56 Pflegefälle sind bei der jetzigen Rettung aus diesem Betrieb bei uns geblieben. Sie werden von einigen unserer Teammitglieder versorgt und tierärztlich vornehmlich von Dr. Sudhoff in Mönchengladbach und der Vogelklinik der Tierärztlichen Hochschule in Hannover behandelt.

Allein bei dieser Rettung mussten wir 10 Operationen durchführen lassen – viele Schichteier, blutige Kloakenvorfälle, entzündliche Ballenabszesse und Bauchdeckendurchbrüche.

Sophie – wie wir sie aus dem Stall holten. Schichtei und entzündeter Legedarm wurden operativ entfernt.

Hinzu kommen Hühner mit Rachitis, mit alten, schief verwachsenen Brüchen an Schlüssel- und Brustbein, und viele weitere bis auf die Knochen abgemagerte Tiere, näher am Tod als am Leben, die intensive Behandlung und Pflege benötigen, einige mit geschädigten Organen und immer auch einige, für die wir letztlich nicht mehr tun können, als sie friedlich zu erlösen. Für sie bleibt ein Tag, vielleicht zwei…..

Für die meisten dieser kranken Hühner aber bleibt glücklicherweise mehr Zeit. Sie überstehen die Operationen, verstehen nach einigen Tagen, dass die menschlichen Hände von nun an nur noch Gutes bedeuten, erholen sich und finden ihren Weg ins Leben. Viele von ihnen leben bis heute in unserer Obhut, völlig genesen und dank eines Hormonimplantats vom auszehrenden Eierlegen entbunden. Wir wissen daher, dass alle Kosten und Mühen es wert sind.

Sophie – nur vier Wochen nach ihrer Rettung und Operation

Dank Eurer Spenden konnten wir die Kosten für unsere Arbeit bisher immer decken. Im Laufe der letzten 12 Monate allerdings sind insbesondere die Kosten für die Tierarztbehandlungen immens gestiegen. Wir haben die Anzahl der Betriebe, deren Hühner wir übernehmen und somit die Anzahl der Hennen, die wir retten, gesteigert. Gleichzeitig steigt natürlich auch die Anzahl der Pflegefälle, die wir versorgen müssen. Hinzu kommt eine eigentlich positive und von uns immer angestrebte Entwicklung : Einige der Betriebe informieren uns schon während des Jahres, wenn sie in ihrem Bestand kranke Tiere entdecken und lassen uns diese abholen. Alternativ würden diese Tiere einfach im Stall verbleiben und dort sterben- oftmals einen langsamen qualvollen Tod durch Komplikationen und Entzündungen im Legedarm. Tierärztliche Versorgung für einzelne derart kranke Tiere in einem Betrieb gibt es nicht….. Natürlich sind wir glücklich darüber, denn auf diese Weise können wir Tiere retten, die garantiert am Tag der Ausstallung nicht mehr am Leben gewesen wären.

 

Natürlich steigert aber auch das unsere Tierarztkosten ganz enorm….

Uns sind in 2018 bereits über 14 000 Euro für tierärztliche Behandlungen angefallen. Darin sind die Kosten für die nun zu versorgenden Hühner aus der hier beschriebenen Oktober-/Novemberrettung noch nicht enthalten.


Mitte November steht außerdem noch unsere Rettung von 1300 Bodenhaltungshennen aus dem Westerwald bevor, und auch da rechnen wir mit sicherlich 20-30 schwerkranken Tieren.


Wir stehen dadurch aktuell mit wirklich finanziellen Sorgen da und brauchen Hilfe, um diese Kosten stemmen zu können !


Daher wenden wir uns an dieser Stelle mit einer dringenden (eigentlich für uns unüblichen) Bitte an euch:
Bitte unterstützt unsere Arbeit durch eine Spende, damit wir die Kosten für die Tierarztbehandlungen unsere Hühner tragen können!

Helft uns, damit wir auch in Zukunft diesen armen Tieren alles geben können, um sie in ein Leben zu bringen, das eigentlich vom ersten Tag ihres Lebens an ihr Recht gewesen wäre.

 

Schnell und unkompliziert könnt Ihr uns Eure Unterstützung

per Paypal (pp.rettetdashuhn@gmail.com) zukommen lassen:

Natürlich könnt Ihr auch direkt auf unser Spendenkonto überweisen,

uns durch eine Fördermitgliedschaft

oder die Übernahme einer Hühnerpatenschaft helfen.

 

Gerade zum Jahresende hin sind auch Firmen oft bereit, größere Spenden an gemeinnützige Vereine zu machen. Sprecht Euren Arbeitgeber an, berichtet von unserer Arbeit und weckt so vielleicht dessen Bereitschaft, einen Betrag an uns zu spenden. Gern senden wir Euch Infomaterial dafür zu (anzufordern bei info@rettetdashuhn.de). Natürlich können wir als gemeinnütziger Verein Spendenbescheinigungen ausstellen.

 

Herzlichen Dank für Eure Unterstützung und wie immer auch unser großer Dank an alle Helfer und Adoptanten, sowie ans beste Team der Welt!

Hope, Noel und Bluna - drei schwere Pflegefälle aus früheren Rettungen, die nach erfolgreichen Operationen heute gesund in unserer Obhut leben.

Euer Team von
Rettet das Huhn e.V.

Jetzt per Paypal spenden:

(pp.rettetdashuhn@gmail.com)

Rettet das Huhn e.V.

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