Rettet das Huhn e.V. - Vermittlung "ausgedienter" Legehennen
Rettet das Huhn e.V.  - Vermittlung "ausgedienter" Legehennen

 

 

Rettet das Huhn – News 

April 2018:

Teil 2/4: Aprilrettung - Die Zweite-

Im Wendland

 

Am zweiten Aprilwochenende machten wir uns mitten in der Nacht auf den Weg ins schöne Wendland. Dort hatten wir schon vor Monaten einem Biolandbetrieb die Übernahme seiner rund 200 braunen Legehennen zugesagt. Eigentlich war das Jahr dieser Hennen im Betrieb bereits im Januar abgelaufen- auch in Biobetrieben verbleiben Legehennen nur 12 Monate und werden anschließend geschlachtet und durch neue Junghennen ersetzt – Jahr für Jahr….

Doch da es im Januar einen Lieferengpass des Aufzuchtbetriebs gab und „unser“ Legebetrieb keine neuen Junghennen bekommen konnte, sollten die Hennen noch drei Monate länger im Betrieb bleiben. Und wir mussten unsere bereits geplante Rettung von Januar auf April verlegen….

Und nun war es also endlich so weit.

Mit 20 Boxen im RdH Mobil und einem kleinen, treuen Helferteam rollten wir durch schlafende Dörfchen und morgens um 5 Uhr schließlich auf den idylischen Hof.

 

Eine neugierige rote Katze beobachtete uns beim Abladen der Boxen und begleitete uns übermütig hinters Haus auf die Streuobstwiese, in deren Mitte im frühmorgendlichen Nebel der kleine mobile Hühnerstall stand, in dem unsere Hennen noch schlummerten und nicht ahnten, dass dies eigentlich ihr letzter Morgen gewesen wäre – wenn nicht Ihre Bäuerin sich an uns gewandt und um die Übernahme und somit die Rettung ihrer Leben gebeten hätte….

So war es nur ihr letzter Morgen in diesem ersten Leben – das für Legehennenstandards in kommerziellen Betrieben eigentlich ein außergewöhnlich gutes gewesen war. Diese Hennen hatten tatsächlich ihre Tage unter freiem Himmel und auf einer Wiese verbracht – so wie es sich der Verbraucher bei Biohaltung vorstellt… Dass das leider nicht die Regel ist und sich auch hinter Biolabeln viel Tierleid verbirgt, dass es auch im Biobereich furchtbare Massenhaltungen und Hennen in erbärmlichen Zustand gibt, muss leider gesagt werden und wurde schon oft genug dokumentiert.

Doch hier hatten wir es nun glücklicherweise mit einem guten Beispiel zu tun – eine „kleine“Herde, ein für Hühner traumhaftes Gelände und drei Alpakas, die den Hennen auf ihrer Wiese Gesellschaft leisteten und deren Anblick erfolgreich sämtliche Greifvögel einschüchterte und fernhielt.

Nachdem unsere Boxen in Position und unser Stallteam in ihre Schutzkleidung geschlüpft war, öffnete uns das Landwirt-Ehepaar den Stall und es ging los. In dem kleinen Stall gab es kaum Platz zum Stehen oder Gehen zwischen den Stangen mit den Hennen, und so gaben wir uns die Hennen in einer Kette einzeln von Hand zu Hand weiter. Draußen wurden sie kurz inspiziert, in unseren Boxen verstaut, die vollen Boxen wurden zurück zum RdH Mobil getragen und verladen. Eine Stunde nach unserer Ankunft war alles erledigt, der Stall war leer und 158 Hennen und 4 Hähne hatten wir sicher an Bord. Leider weit weniger als wir erwartet hatten – offensichtlich hatte der Fuchs deutlich geringeren Respekt vor dem Anblick der Alpakas als die Greifvögel und hatte sich die Freiheit der Hennen auf der weiten Wiese doch öfter zu nutzen gemacht als das Landwirt-Ehepaar vermutet hatte. Wir machten uns nun auf den Weg zu den beiden Übergabeorten im Revier unserer Silvia, die alle Hennen an Adoptanten aus Mecklenburg- Vorpommern, dem nördlichem Brandenburg und Niedersachen vermittelt hatte. Viele liebe Menschen erwarteten uns dort schon und nahmen ihre neuen Haustiere aufgeregt und liebevoll in Empfang. Ebenso wie wir waren sie erfreut über den guten Zustand der Hennen, gut befiedert, vital und mit roten Kämmen…

 

So trennten wir uns von ihnen und überließen sie in den ersten Morgen ihres zweiten Lebens – Dieses dürfen sie alle nun in einem privaten, kleinen Zuhause führen, gut behütet, mit einem eigenen Namen, bei Menschen, die sie lieb haben und die sich ganz speziell für sie entschieden haben – für Tiere, die in unserem System der tierausbeutenden Eierindustrie kein Lebensrecht haben, die nach einem Jahr der „Nutzung“ weggeworfen werden und chancenlos der menschlichen Gier und Bequemlichkeit ausgeliefert sind.

 

Unser großer Dank gilt den lieben Menschen, die diesen Hühnern ein Zuhause schenken, unserer Silvia, die so fleißig vermittelt hat, unserem Team und den lieben Helfern, die immer treu zur Stelle sind und auch dem Landwirt-Ehepaar, das sich an uns gewendet hat, um ihren Tieren ein Weiterleben zu ermöglichen.

Euer Team von
Rettet das Huhn e.V.

April 2018:

Teil 1/4: Aprilrettung - Die Erste-

An Karfreitag starteten wir unsere Serie der Frühlingsrettungen !

1064 Legehennen und 7 Hähne aus einem Biobetrieb in Baden-Württemberg durften wir abholen und an viele neue glückliche Menschen übergeben.

Es handelte sich hierbei um eine Rettung in einem Betrieb, in den wir zum ersten Mal fuhren, und zu der wir trotz ausgiebiger Planung mit einigen Fragezeichen und Nervosität im Gepäck aufbrachen.

Ebenso erging es wohl auch dem Betreiber des Hofes, der durchaus erfreut war über den Gedanken, dass seine Hühner weiterleben würden und der uns grundsätzlich positiv gegenüberstand, der aber auch Zweifel und Fragen hatte, ob wir das alles so schaffen würden, ob die Ausstallung reibungslos verlaufen würde, ob wir tatsächlich alle Hühner mitnehmen und für alle gute Plätze finden würden, und und und. ….

 

Wir erleben diese Zweifel und Gedankenbarrieren oft, in Gesprächen mit vielen Menschen – ganz gleich ob mit Betreibern, Veterinären, Journalisten oder einfach nur Menschen, die zum ersten Mal von uns hören….

Den Tatsachen, dass allein in Deutschland jährlich über 50 Millionen Legehennen im Alter von 18 Monaten getötet und durch neue Hennen ersetzt werden, dass im Geflügelschlachthof in Wietze 432 000 Tiere pro Tag, 27 000 Tiere pro Stunde (!!), geschlachtet werden, dass Hühner, Puten, Enten, Gänse, Schweine, Rinder zu Hunderten und Tausenden zusammengepfercht auf engstem Raum ohne Tageslicht, ohne Beschäftigungs- und Bewegungsmöglichkeit dahinvegetieren müssen, dass Menschen Mutterkühen jedes Jahr aufs neue direkt nach der Geburt ihre Kälber entreißen, um sich an ihrer Muttermilch zu bedienen, dass die Milliarden an Schlachttieren niemals in ihrem traurigen, leidvollen Leben die Sonne oder auch nur den Himmel sehen, dass auf Tiertransporten, in Tierfabriken und Schlachthöfen täglich, stündlich, in jeder Minute unseres Lebens Tieren grausamste Qualen angetan werden – diesen Tatsachen steht kaum jemand erstaunt und fragend gegenüber. Niemand fragt, wie und warum Menschen so etwas fertigbringen können, warum Menschen so etwas geschehen machen und geschehen lassen, warum es gebilligt, akzeptiert und von der Gesellschaft in Auftrag gegeben wird. Niemand fragt, wie und warum der Mensch zu solchen Grausamkeiten fähig ist – ganz gleich ob aktiv oder passiv.

Der Tatsache aber, dass Menschen sich uneigennützig auf den Weg machen, um 1000 Hühnern einen sinnlosen Tod zu ersparen und ihnen ein Leben in Freiheit und Frieden zu ermöglichen, wird skeptisch und erstaunt begegnet. Ist es so viel verwunderlicher, dass man einem fühlenden Lebewesen Gutes tut und ihm mit Liebe begegnet, als dass man es quält, missbraucht und tötet?

Ist es tatsächlich so ungewöhnlich und erstaunenswert, dass Menschen ihre Freizeit und ihre Kraft nutzen, um anderen Lebewesen zu helfen? Dass sich 35 Menschen mit Freude an einem Karfreitag Abend auf den Weg machen, um unschuldige, ursprünglich todgeweihte Tiere sanft und friedlich aus einem Stall zu tragen, zu versorgen, zu verladen, zu transportieren und zu Menschen zu bringen, die bereit sind, genau diesen Tieren ein Zuhause zu schenken? Ist es so ungewöhnlich, dass es Menschen gibt, die in einer Karfreitag Nacht weite Wege fahren, um einige dieser Tiere bei sich aufzunehmen, zu umsorgen und glücklich zu machen?

Warum eigentlich ist das erstaunlich ?

Müsste es nicht umgekehrt sein ? Müsste es nicht normal und selbstverständlich sein, anderen Lebewesen Gutes zu tun, für andere da zu sein, mit ihnen zu fühlen, zu helfen und Leid zu verhindern anstatt es zu verursachen oder zu billigen ?

Müsste es nicht normal sein, dass man die Tiere bei sich aufnimmt und denen ein Zuhause schenkt, die in größter Not sind und deren Leben man auf diese Weise rettet?

Und müssten nicht stattdessen die Grausamkeiten, die hinter jedem Ei, jedem Milchprodukt, jedem Fellkragen, jeder Daunenjacke, jedem Stück trügerisch verpacktem ermordetem Tier stecken und von denen JEDER VON UNS WEIß, größtes Erstaunen und viele Fragen aufwerfen ??

27 000 Hühner werden im Geflügelschlachthof Wietze pro Stunde getötet.

27 000 Tiere, die zuvor unter qualvollen Bedingungen in Massenställen leben mussten, eine brutale Ausstallung und einen tierquälerischen Transport zum Schlachthof hinter sich haben. In jeder einzelne Stunde…..

In 25 Minuten werden hier also so viele Tiere ermordet, wie wir in einem ganzen Jahr mit viel Anstrengung und mit Hilfe vieler tierlieber Menschen retten können.

In zwei Stunden werden in diesem Schlachthof so viele Tiere getötet wie wir bisher in den 10 Jahren unserer RdH-Geschichte gerettet haben….

Unsere -im Fall der Karfreitag-Rettung- 1071 geretteten Tiere lösen Erstaunen bei den Menschen aus, Fragen, und im Vorfeld Skepsis.

Die Ermordung von 27 000 Tiere in einer einzigen Schlachthaus-Stunde sind den meisten Menschen kaum eine Frage oder einen Gedanken wert….

 

Nun aber zu unseren geretteten 1057 Hennen, 7 Hähnen und zu den Menschen, denen es selbstverständlich ist, was am Karfreitag geschah und was sie hier taten:

Unsere Vermittler aus Bayern und Baden-Württemberg hatten fleißig gearbeitet und rechtzeitig vor dem Rettungstermin ausreichend viele schöne Plätze bei vielen lieben Menschen für alle 1000 Hennen gefunden. Als dunkler Schatten schwebte während der gesamten Vermittlungszeit und natürlich auch am Rettungstag selbst das Wissen über uns, dass im Stall eigentlich 3000 Hennen waren, von denen uns der vorsichtige Betreiber bei dieser ersten Kooperation jedoch nur 1000 zu überlassen bereit war. Die übrigen knapp 2000 Tiere würden wir nicht retten können. Sie würden wenig später vom Schlachter abgeholt werden. Uns bleibt in solchen Fällen nichts anderes übrig, als an die 1000 Geretteten zu denken... Mehr als 1000 aus diesem Betrieb in gute Plätze zu vermitteln wäre uns bei allem Bemühen wahrscheinlich ohnehin nicht möglich gewesen, denn es stehen fast zeitgleich ja noch drei weitere Rettungen in anderen Betrieben bevor, mit weiteren circa 2400 Tiere, für die wir Lebensplätze finden mussten… 

100 nagelneue Geflügelboxen hatten wir vom Hersteller direkt zum Legebetrieb liefern lassen, was den nervösen Hühnerwirt sehr erfreute, da er sich trotz all unserer Versicherungen über unsere vorschriftsmäßige Desinfektion sämtlicher Boxen und der lückenlosen Buchführung darüber, Sorgen machte….

Mit unserem Vermittlerteam und einer ganzen Reihe tierlieber Helfer trafen wir uns am Karfreitag Abend in der Nähe des Hofes. Acht Transportfahrzeuge für unsere Transporte nach Freiburg, den Raum Schwäbisch Hall, Berglen, Ulm, Nürnberg, Regensburg, München und Ludwigsburg waren vorbereitet.

Und neben unseren 100 neuen Transportboxen standen noch über 50 kleine Boxen bereit, in denen mögliche Pfleglinge, die 7 Hähne und die Hennen transportiert werden sollten, die viele der Helfer ab Hof selbst mit nach Hause nehmen würden. Jede dieser Hennen, die wir zusätzlich zu den 1000 offiziellen Plätzen in den neuen Transportboxen in diesen privaten Boxen unterbringen würden, bedeutete ein zusätzlich gerettetes Leben! So war es mit dem Betreiber vereinbart, und er stimmte gerne zu, dass wir noch „ein paar“, die wir mehr retten könnten, mitnehmen dürften. Aus diesen „paaren“ wurden schließlich 57. 57 mal noch konnten unsere Stall-Läufer am Ende die Hände ausstrecken und 57 weitere Hühner auf ihren Armen ins Leben tragen.

Zwei Tage vor der Rettung hatte uns der Betreiber mitgeteilt, dass wir nur mit einem einzigen Transportfahrzeug auf seinen Hof fahren dürften, da er als Biobetrieb natürlich besonders darauf bedacht war, die Einschleppung fremder Keime auf sein Gelände so gering wie möglich zu halten. So hatten wir noch nie gearbeitet und flugs musste unser Rettungsplan entsprechend umgeändert werden.

Wir teilten das Team auf – Fahrer und Beladungshelfer blieben mit den Fahrzeugen außerhalb des Hofes auf einem Parkplatz. Ausstallungshelfer, einige Beladungshelfer und ein Transporter als Shuttle gingen bzw. fuhren auf den Hof. 

Dort stellten wir die neuen Transportboxen in Position und bereiteten alles vor. 

 

Gut beobachtet wurde unser reges Treiben dabei von den neugierigen Biohühnchen, die trotz einsetzender Dämmerung deutlich länger in ihren Ausläufen blieben als gewöhnlich.

 

Erst gegen 20.30 Uhr waren alle Tiere im Stall und dort ausreichend zur Ruhe gekommen, so dass wir 30 Minuten später als geplant mit der Ausstallung beginnen konnten.  Doch dann ging alles fix und routiniert. 

Jeweils zwei Hennen gleichzeitig trugen unsere Läufer aus dem Stall, übergaben sie den Helfern an den Boxen, die sie kurz begutachteten und dann hineinsetzten.

Unser Shuttle-Transporter brachte die fertig besetzten Boxen zum Parkplatz. Dort wurde umgeladen und die Transporte nach und nach auf die Reise geschickt. 

Besonders kompliziert gestaltete es sich mit den Hähnen, den Pfleglingen und den Hennen, die in den privaten Boxen der Helfer transportiert werden sollten, denn keines der Gockeltaxen, Pflegeboxen und privaten Boxen durften wir auf den Hof bringen…. So trug unsere Michelle die Pflegehühner einzeln auf dem Arm vom Hof zu ihrem Auto, in dessen Kofferraum sie eine provisorische Pflegestation eingerichtet hatte.

 

Die Gockel mussten in vom Betreiber bereit gestellten Kartons vom Hof zum Parkplatz gebracht werden, und die 57 Hühner für die privaten Boxen, schickten wir zunächst in normalen Transportboxen via Shuttle zum Parkplatz. Dort setzten wir sie um in die bereit gestellten privaten Boxen und brachten die leeren Transportboxen wieder zurück zum Stall, um sie für den letzten regulären Transport erneut zu befüllen.

 

Nun wäre dies alles noch eine fast leichte Übung gewesen, doch so einfach sollte es nicht sein :  Kurz vor Beginn der Ausstallung stiegen graue unheilvoll riechende Rauchschwaden aus dem Transporter, der eigentlich als Shuttle eingeplant war und der ganz zum Schluss als letzter Transport die Hennen an den Übergabeort Ulm bringen sollte…. So planten wir also die Reihenfolge der Abfahrt der Transporte etwas um, setzten den Münchener Transporter als Shuttle ein, kümmerten uns neben der Rettung auch noch um die Abschleppung des kaputten Transporters und organisierten Ersatz für den Transport von 143 Hennen und einem Hahn, die zur Übergabe nach Ulm mussten…. Dank lieber Helferinnen, die ihre privaten Fahrzeuge zur Verfügung stellten und Umwege in Kauf nahmen, gelang uns auch das.

Trotz all dieser Umstände, trotz des umständlichen Geshuttles und damit doppelter Arbeit beim Beladen, trotz des uns noch unbekannten Stalls, trotz neugieriger Biohennen, die nicht ins Bett wollten, und trotz Transporter-Panne ging unsere Planung wieder einmal gut auf und um 22.30 fuhr der letzte Transport vom Hof. Aus einem etwas nervösen, vorsichtig-skeptischen Betreiber war ein ganz entspannter geworden, der -sehr angetan von unserer Arbeit- das vorher schriftlich festgehaltene Fotografier-Verbot für uns nach kurzer Zeit aufhob. Da wir selbst aber kaum Zeit hatten zu fotografieren und darauf ja auch nicht eingestellt waren, lief er während der Ausstallung kurzerhand ins Haus, um seine Kamera zu holen und die Rettung seiner Hühner selbst in vielen Bildern festzuhalten. 

 

An den Übergabeorten warteten in dieser Karfreitag Nacht wie immer zuverlässige, aufgeregte Menschen auf ihre Hühner. Sie nahmen sie aus unseren Boxen entgegen, brachten sie in ihre liebevoll vorbereiteten Ställe, in denen sie wohlbehütet und gut versorgt dem Ostersamstag und ihrem neuen Leben entgegenschlummern konnten. 

 

Währenddessen nutzte unser fantastisches Team die Nacht und den Ostersamstag, um bei ihnen gebliebene Pflegehühner zu versorgen, Transporter und Boxen zu reinigen und zu desinfizieren, aufzuräumen, Papiere und Schutzverträge zu sortieren, alles nachzubereiten, natürlich auch den frisch gebackenen neuen Hühnereltern jederzeit telefonisch für mögliche Fragen zur Verfügung zu stehen oder auch einfach nur weite Wege zurück nach Hause zu fahren, denn einige unserer Helfer und Teammitglieder kamen von weit her angereist.

 

Es sind diese Menschen, für die es selbstverständlich ist, dass man mitfühlend ist und hilfloses Leben beschützt, dass man seine Zeit und Kraft nutzt, um Tieren zu helfen und Leid zu verhindern oder zu lindern. Menschen, die das tun, was normal sein sollte und nicht erstaunenswert.

 

 

Herzlichen Dank an dieser Stelle an alle Menschen, die unsere Arbeit unterstützen, an unser zauberhaftes Team und alle wunderbaren Helfer, an den Betreiber, der sich auf uns eingelassen hat und nun wohl auch gänzlich überzeugt ist, an alle lieben Menschen, die unseren Hühnern Liebe und ein Zuhause schenken !  Danke, dass das für euch alle selbstverständlich ist! 

Januar 2018:

Rettet das Huhn e.V. auf neuen und alten Wegen: 

1064 Hennen und 10 Hähne vor der Schlachtung bewahrt und ins Leben gebracht

Am ersten Januarwochenende machten wir uns auf den Weg in zwei Ställe, die unterschiedlicher kaum sein konnten: Übernehmen und somit vor der Schlachtung bewahren, durften wir 780 Hennen aus einem Freilandbetrieb in Niedersachsen, mit dem wir schon seit über 4 Jahren kooperieren, und 284 Hennen aus einem  Bodenhaltungsbetrieb im Rheinland, in den wir zum ersten Mal zur Ausstallung kommen durften.

Henne aus Bodenhaltung im Rheinland

Im Rheinland begegnete uns im Herbst beim Vorgespräch mit dem uns noch unbekannten Betreiber und der kurzen Stallbegehung das traurige Bild einer Bodenhaltung....Ein lang gestreckter, flacher, fensterloser  Bau, und hinter den tristen Mauern die blassen kleinen Gestalten, dicht an dicht zusammengepfercht, gesetzeskonform mit 9 Hennen pro einem Quadratmeter, ohne Tageslicht, ohne Beschäftigungsmöglichkeit, auf dem Boden in den eigenen Exkrementen oder auf den harten Gittern der Kotgrube stehend, ein ganzes langes Jahr...  Sandra entdeckte bei dem kurzen Stallbesuch in der Masse sofort eine kleine, kranke oder stark geschwächte Henne und bot dem Betreiber an, dieses eine Tier sofort zu übernehmen, war sie doch offensichtlich krank und würde ohnehin kaum noch zum Legen taugen...Große Augen, skeptische, verständnislose Blicke ihres Gegenübers -  und schon befanden wir uns wieder im Spagat über dem riesigen Spalt zwischen unserem Verständnis vom Recht auf Leben und Mitgefühl für jedes einzelne Tier und dem Weltbild eines „Nutz“tierhalters, der über seine Tiere in Produktionseinheiten denkt. Gerade zu Beginn einer Kooperation ist die Skepsis der Betreiber uns gegenüber riesengroß, und damit sie uns „Tierschützern“ die Stalltüren öffnen und schließlich die Zustimmung für eine Rettung geben, muss zunächst eine Ebene gefunden werden, auf der wir miteinander reden können. Die Erfahrungen der letzten Jahre lehrten uns, dass hier, in diesen ersten Minuten des Kennenlernens nicht der Moment war, um auf der Herausgabe der kranken Henne zu beharren. Zu groß war die Gefahr, die ganze Kooperation aufs Spiel zu setzen, noch ehe sie begonnen hatte. Also ließ Sandra schließlich davon ab und setzte das Gespräch stattdessen wieder über die geplante Ausstallung fort, erklärte unser Vorgehen, versicherte unsere Zuverlässigkeit und Diskretion, bekam schließlich die Zustimmung und vereinbarte den Termin für die Rettung... Die Stalltüre schloss sich, die kranke Henne blieb zurück. Bei aller Freude über die geglückte Einigung war dies so schmerzhaft und kaum zu ertragen. Für sie würde es wohl zu spät sein, sie würde den Rettungstag nicht mehr erleben. Wie so viele andere, die wir nie zu Gesicht bekommen, die wir niemals kennen lernen, die das Jahr im Legebetrieb nicht überleben.

Wir bieten allen kooperierenden Betrieben an, kranke oder schwache Tiere auch vorzeitig abzuholen und bitten darum, informiert zu werden, wenn die Betreiber während des Jahres ein krankes oder schwaches Tier entdecken. In der Regel ernten wir dafür zunächst Kopfschütteln, fragende, verwirrte und manchmal fast spöttische Reaktionen. Im Laufe der Kooperation, nach 2 oder 3 Ausstallungen, gibt es aber in fast allen Betreibern einen Wandel. Spott, Skepsis und Unverständnis weichen und plötzlich markieren sie kranke Tiere in ihren Beständen, rufen uns an und lassen uns die Tiere abholen, damit auch diese Hennen eine Chance auf Rettung haben und nicht qualvoll im Betrieb verenden müssen.  

Wenige Wochen vor dem Rettungstermin bekamen wir schließlich die Mitteilung aus dem Rheinländer Betrieb, dass wir nicht wie vereinbart alle circa 500 Hennen abholen dürften,  sondern nur circa 350, da vorher noch ein Teil der Hennen privat zur Schlachtung verkauft werden sollte. Traurig mussten wir auch das hinnehmen. 150 Hennen, deren Rettung so kurz bevorstand , würden nach einem traurigen Dasein in Enge und  künstlichem Licht nun doch nicht die Sonne und ein glückliches Leben kennenlernen....

Henne mit Bauchfettgeschwür

Diese schmerzhaften Voreindrücke mündeten schließlich im Rettungstag...: Statt der geplanten 350 fand Sandra mit ihrem Team nur noch 284 Hennen im Stall vor. Viele der Hennen waren pflegebedürftig und schwach, 18 Hennen verblieben als Pfleglinge in unserer Obhut, 15 davon mussten aufgrund von Bauchdeckenbrüchen, Bauchfettgeschwulsten, Schichteiern und Entzündungen und Verklebungen im Legedarm operiert werden, eine Henne starb dabei während der Narkose, 2 mussten erlöst werden. Allesamt sind dies Erkrankungen , die deutlich machen, welche brutalen körperlichen Folgen diese auf höchste, abnorme Eierleistung qualgezüchteten Hennen erleiden müssen. Es gab noch eine Henne mit Kloakenvorfall, zwei sehr schwache, die mittels Kropfsonde ernährt werden mussten und fast alle hatten extrem lange Krallen, die ein normales Laufen kaum noch möglich machten. Wenigstens 266 Hennen konnten aber direkt an ihre neuen Hühnereltern übergeben werden, die wie immer schon aufgeregt am Abholort warteten und mit ihrer Zuneigung, Fürsorge und liebevoll zurechtgemachten kuscheligen Hühnerheimen nun alles daran setzen, die Zeit vergessen zu machen und ihnen von nun an nur noch glückliche Hühnertage zu schenken. Wir sind trotz der ersten traurigen Hürden froh und dankbar für jedes Leben, das wir in diesem Betrieb retten konnten und sind auch voller Hoffnung, das sich die Türen dort auch zukünftig wieder für uns öffnen und wir im Laufe der Zeit auch noch mehr für die Tiere dort erreichen können.

Übergabe der Freilandhennen in Hamburg

Beinahe das Kontrastprogramm  erwartete uns am nächsten Morgen in der Freilandhaltung in Niedersachsen – bei unserer 14. Rettungsaktion in diesem Betrieb. Um vier Uhr morgens in dunkler Januarnacht begannen wir die Ausstallung und wurden dabei von einem ZDF-Team für einen Bericht für die Sendung Terra Xpress (Ausstrahlung im März, den genauen Termin geben wir noch bekannt) begleitet. Die Hennen waren - wie hier fast immer- in einem außerordentlich guten Zustand. Kaum fehlende Federn, so gut wie keine Pflegefälle, und die Anzahl der Hennen, die sich nach dem Legejahr noch im Stall befanden, hatte uns der Landwirt wieder einmal fast aufs Huhn genau vorausgesagt. So konnten wir 780 schlaftrunkene Hühnchen stressarm und schnell in unsere Boxen bringen und auf die Transporte an 11 Übergabeorte in Niedersachsen, Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Berlin und Thüringen schicken, wo sie schon voller Vorfreude von ihren neuen Besitzern erwartet wurden.

Wir freuen uns für 1064 Tiere, die wir in diesem Januar retten konnten und die nun ihr Leben genießen dürfen, mit allen Freuden, die ein Huhn haben kann.

Aber wir denken auch an die, die es nicht geschafft haben und den Tag der Rettung nicht mehr erleben durften. Und wir denken an die, die nie die Chance auf Rettung haben werden. An jährlich 45 Millionen Legehennen in Deutschland, an Milliarden von Hennen weltweit, die nach einem qualvollen Jahr in der Massentierhaltung für die Eierindustrie ihr Leben geben müssen, ehe sie jemals etwas hatten, was man mit Recht ein Leben nennen könnte.

 

Nach diesem Beginn stehen uns für 2018 viele Rettungen bevor. Neben den bekannten Betrieben, von denen wir regelmäßig die ausgedienten Tiere abholen, haben wir noch zwei weiteren, neuen Betrieben die Übernahme der Hennen zugesagt. Helft uns und bleibt an unserer Seite, damit wir so viele Tiere retten können, wie nur möglich ist. 

 

Dezember 2017:
Weihnachtsrettung - Vom Schenken und Beschenktwerden !
215 Familien retten 1700 ausgediente Legehennen !

 

„Ein Tier zu retten verändert nicht die ganze Welt – aber die ganze Welt
verändert sich für dieses eine Tier.“

 

Dieser Leitsatz begleitet unsere Tierschutzarbeit von Beginn an... Obwohl er manchmal fast ein wenig abgedroschen wirkt, beschreibt er doch treffend den Kern unserer Arbeit, so dass wir ihn nie ändern mochten.

Kürzlich lasen wir im Gästebuch auf unserer Homepage einen interessanten Eintrag von einem User namens Micha. Er schrieb, dass dieses Zitat irgendwie nur halb zutreffe:
„... wenn sich jemand entschließt, ein Mitgefühl für ein Mitwesen zuzulassen, dann verändert sich auch die Welt für diesen Menschen. Er bekommt auch etwas von den Hühnchen zurück.“

 

Natürlich hat er recht. Es ist ein Geschenk, das die Rettung eines Tieres dem Menschen bringt, der sein Herz und seine Hände für eben dieses Tier öffnet. Beschenkt wird er mit dem unvergleichlichen Glück, das er spürt, wenn er ein anfangs verängstigtes, abgemagertes, zerrupftes kleines Huhn in einem liebevoll hergerichteten Stall zum ersten Mal zur Ruhe kommen, dann neugierig die Umgebung erkunden und schließlich wohlig in einem Strohnest einschlummern sieht, wenn er es zum ersten Mal und von da an jeden Tag aufs neue voller Tatendrang in der Erde scharren und voller Hingabe im Sand baden sieht... Beschenkt wird er auch mit dem Glauben ans Gute, mit der Zuneigung und dem rührenden Vertrauen, das einem diese kleinen Tiere schenken, die bisher nur Leid und Gefangenschaft in ihrem Leben erfahren haben.

Heute heißt unser Bericht nicht „RdH rettet 1700 Hennen“, sondern „215 Familien retten 1700 Hennen“. Denn heute möchten wir diesen Bericht den Menschen widmen, die unsere Arbeit tragen : Den ganz besonderen Menschen, die sich bei uns melden, um ausgediente Legehennen aufzunehmen. Ohne unsere Hühneradoptanten könnten wir kein einziges Leben retten. Sie wollen genauso wie wir nur, dass diese Tiere leben. Dass sie durch Deutschlands Gärten laufen, gackern und GESEHEN werden. Jeder Hühneradoptant leistet automatisch wertvolle Aufklärungsarbeit in seinem sozialen Umfeld. Sie sind das, was wir auch sind: Lebensretter.

Sie schenken unseren Hühnern das Leben. Sie schenken uns und vielen anderen Menschen Hoffnung und Zuversicht, weil es tröstend und heilend ist zu sehen, dass es genau diese Menschen gibt, die „Mitgefühl für ein Mitwesen zulassen“ und tätig werden.

Für das gesamte RdH-Team ist es ein enormer Kraftakt, eine Rettung zu organisieren und die vielen Hennen zu vermitteln. Im Falle unserer sehr kurzfristigen Weihnachts-rettung galt es, innerhalb von 6 Wochen, Lebensplätze für 1700 Hühner bei Menschen zu finden, die bereit waren, sich am Abend oder in der Nacht vor Heilig Abend auf den Weg zu machen, um ihre Hühner abzuholen, die bereit waren, sich auch während der Feiertage mit besonderem Augenmerk um die Eingewöhnung und Pflege der Hühnchen zu kümmern, auch Tierarztbesuche während der Festtage in Kauf zu nehmen – sprich, Menschen, die ihr Weihnachten den Hühnern zu schenken würden.

Der Rettungstag selbst ist extrem stressig , mit viel Vorbereitung und Planung verbunden und aus jedem Einsatz gehen wir erschöpft, aber überglücklich heraus. Für unser Team war es die sinnvollste vorweihnachtliche Beschäftigung und wir wurden reich beschenkt mit vielen wunderbaren Momenten, als wir mit den Transportern an den Übergabepunkten eintrafen: Dort standen sie schon: Insgesamt 215 Familien, die mit ihren Transportboxen und klopfendem Herzen auf „ihre Schützlinge“ warteten. Am 23.12.2017 –mitten in vorweihnachtlicher Hektik waren sie da – zuverlässig, aufgeregt und dankbar, ein Teil der Rettung sein zu dürfen. Viele waren schon früh losgefahren und warteten schon länger am Treffpunkt, weil sie auf keinen Fall zu spät kommen wollten und waren miteinander im Gespräch. Am letzten Übergabeort in Hannover trafen wir erst nach Mitternacht ein – und auch das nahmen diese tollen Menschen ohne Nachfrage oder Zweifel in Kauf. Viele von ihnen sind „Wiederholungstäter“, haben bereits einmal Hennen von uns übernommen, sind uns bekannt und vertraut.

 „Ich kann auch ein oder zwei Hühner mehr nehmen, wenn ihr noch Plätze braucht.“
„Wir bleiben bis zum Ende, damit auch ja kein Huhn übrig bleibt.“


Manche Hühnereltern erzählen uns, dass sie vor Aufregung kaum schlafen konnten oder wie sie bereits liebevoll den Stall eingerichtet und kuschelig gemacht haben. Andere begrüßen ihre Hühner schon bei der Übergabe mit Namen und immer wieder sehen wir auch in strahlende Kinderaugen, wenn wir die Hühner an die Familien übergeben.

Diese wunderbare positive Stimmung voller Wohlwollen und Zuneigung für unsere Hühner, atmen wir sofort ein, sobald wir einen Treffpunkt erreichen, und Stress und Erschöpfung werden einfach weggepustet.
 

 

 

 

 

 

Jeder einzelne dieser Hühneradoptanten steht fest auf der Seite der geretteten Hühner – und jedes gerettete Huhn hat somit die Welt seines Menschen verändert.

 

Die Rettungsberichte, die wir auf unserer facebook-Seite veröffentlichen, erreichen sehr hohe Klickzahlen und werden immer positiv kommentiert.

Wenn wir solche schönen Rückmeldungen bekommen, dann geht das nicht nur „runter wie Öl“, sondern gibt uns auch unheimlich viel Kraft und Mut, weiterzumachen.

Doch heute heißt der Bericht nicht „RdH rettet 1700 Hennen“, sondern
„215 Familien retten 1700 Hennen“ !

 

Wir sagen DANKE für dieses Weihnachtsmärchen:
- IHR seid wertvoll,
- IHR verändert die Welt
- es ist schön, dass es Menschen wie EUCH gibt!


Frohe Weihnachten !


Euer Team von
Rettet das Huhn e.V.


 

Oktober 2017:

1158 Hennen aus Bodenhaltung gerettet und vermittelt ! 

Mitte Oktober waren wir erneut in einer nordrheinwestfälischen Bodenhaltung, um den Bestand eines Stallabteils abzuholen und ins Leben zu bringen. Wir übernehmen seit Jahren die ausgedienten Hennen dieses Betriebs, der zwei Stallabteile für jeweils rund 1600 Hennen in Bodenhaltung hat. Nach 12 Monaten ohne Tageslicht, mit 9 Hennen pro Quadratmeter, stehend auf Betonboden und Metallgittern, in beißender, stickiger Luft, ohne jede Möglichkeit arteigenes Verhalten auszuleben, versklavt als lebende, fühlende Eiermaschine, würde ihr Weg sie -diese kleinen Häufchen Elend, die von ihnen übrig sind- normalerweise auf brutale Weise in den Schlachthof führen. 

Wir waren wie jedes Mal aufs Neue erschüttert vom Zustand dieser armen Tiere und konnten 1158 Tiere noch lebend aus dem Stall holen und vielen lieben Menschen in NRW, Rheinland-Pfalz, Hessen, Niedersachsen und Baden-Württemberg übergeben. 

 

Lest hier den Bericht einer Helferin, die zum ersten Mal bei einer Ausstallung dabei war und im Anschluss zwei kurze Rückmeldungen und einige Fotos von Menschen, die diesen Hühnern ein Leben und ein Zuhause geschenkt haben:

"Der 14. Oktober 2017 rückte näher - mein erster Einsatz als Helferin bei Rettet das Huhn e.V.

Sehr früh am Morgen ging es mit dem Transporter nach NRW. Ich war aufgeregt und besorgt, was mich erwarten würde. In welcher Verfassung würden die Hennen sein? Wie würde der Stall aussehen?

Als wir ankamen, wuselten schon viele nette Helfer mit Transportboxen umher. Jeder hatte eine Aufgabe. Es ging los, und ich bekam eine volle Schutzausrüstung, da ich mit in den Stall durfte.

 

Die Tür öffnete sich, lautes Gegacker und ein strenger Geruch kamen mir entgegen. Ich erschrak: Der Stall ähnelte eher einem großen, dunklen und schrecklichen Käfig, der sich über zwei Etagen plus Gitterboden erstreckte. Keine Einstreu, kein Tageslicht, keine Beschäftigung -  überall Kot, Gestank und pures Metall.

Die Tiere sahen schrecklich aus, sie hatten teils nicht eine einzige Feder am Leib und einige waren verletzt.

Ich kletterte in die Käfige, um besser an die Hennen heran zu kommen. Die Enge war unbeschreiblich. Ich konnte mich kaum bewegen und rutsche etliche Male auf dem Kot, der sich auf den Stangen stapelte, ab. Für ein paar Hennen kamen wir leider zu spät. Wir konnten sie nur noch Tod von den Gittern bergen. Die verletzten Hühner wurden sofort intensiv betreut und wurden später auf Pflegestellen verteilt – alles war super organisiert!

Wir holten Huhn für Huhn aus ihren Gefängnissen und trugen sie - das erste Mal in ihrem Leben-  ins Tageslicht. Mein Herz ging auf vor Freude zu sehen, wie die Hühner die ersten Sonnenstrahlen auf ihrer nackten Haut genossen. Nach einigen Stunden waren wir, im wahrsten Sinn des Wortes, fertig.

Endlich waren alle Hühnchen ausgestallt.

Draußen in den Transportboxen tönte ein aufgeregtes Gackern. Viele der Hennen fingen schon in den Boxen an, in der Sonne zu baden, zum ersten Mal in ihrem Leben – herrlich, welch ein schöner Anblick!

 

 

 

Nass geschwitzt schaute ich ein letztes Mal in den dunklen Stall. Auf der linken Seite schauten mich viele Hühneraugen an. Leider durften wir nur die rechte Seite ausstallen. Ich hatte einen Kloß im Hals, da ich wusste, dass die Hühner auf der linken Seite noch einige Monate in dieser Gitterhölle ausharren müssen, ehe wir auch sie abholen dürfen, und dass es viele von ihnen nicht überleben werden... Dann wurde die Tür geschlossen, und ich zog meine Schutzkleidung aus.

 

 

Die Hennen in den Transportboxen wurden in verschiedene Transporter verladen und in ein neues Leben geschickt. 

 

 

 

 

 

Wir fuhren mit unserem Transporter zu 3 Übergabestellen, wo viele nette Leute schon aufgeregt auf ihre Hennen warteten. Ihr Anblick erschütterte viele Menschen. Schließlich hatten wir alle Hühner an ihre neuen Besitzer verteilt – was für ein großartiges Gefühl!

Nachdem wir alle Transporter, Boxen und das Equipment gereinigt hatten, fuhr ich erschöpft nach Hause.

Ein langer aber sehr erfolgreicher Tag liegt hinter mir. Ich bin voller Freude und fühle mich gut, da ich weiß, dass alle geretteten Hennen ein tolles neues zu Hause gefunden haben!

Dennoch muss ich an die Hennen auf der linken Seite des Stalls denken… Dieser Gedanke lässt mich fest entschlossen sein, auch ihnen das nächste Mal als Helferin bei Rettet das Huhn e.V. in ein besseres und vor allem artgerechtes Leben zu helfen."

 

 

Franziska Becker
Helferin Ausstallung NRW 14.10.2017

"Hallo Jörg, 

wir möchten uns bei Euch von Rettet das Huhn von ganzem Herzen bedanken. Welche Bereicherung in unserem Leben sind die vier Nackideis. Es macht solche Freude von Tag zu Tag immer wieder ein kleines Stück Freiheit und auch kleine Federchen an ihnen zu beobachten. Die vier Nackideis sind zwar noch verängstigt, wenn ich ihnen zu nahe komme, aber immerhin trauen drei von ihnen sich schon raus. Ich habe sie oben in unserem alten Hühnerstall einquartiert, aber von Anfang an nicht separiert. Ich habe gehofft, dass so die Integration besser funktioniert.... und recht behalten. Klar, die Hackordnung existiert auch unter unseren Hühnern, doch dramatisch ist es nicht. Meine zwei Mädels haben sie so sehr ins Herz geschlossen, dass der erste Gang nach der Schule sie zu den Nackideis führt. Wir haben ihnen noch keine Namen gegeben, da wir sie noch nicht auseinander halten können. Sie sehen sich ohne Federkleid so ähnlich. Sie werden alle vier bis jetzt liebevoll Nackideis genannt. Die Nackideis haben sehr viel in uns bewegt und uns beschämt, wie grausam wir Menschen doch sein können. Wir haben eine ganz andere Lebenseinstellung bekommen. Die Abholung war das Schlimmste für mich. Ich musste so weinen, als ich die Hühnis gesehen habe. Und wie sie geschrien haben – gar nicht wie Hühner, sondern wie fremde Wesen, die jämmerliche Angst haben. Meine kleine Tochter war bei der Abholung dabei, sie ist acht Jahre alt. Ich finde, man kann die nächste Generation nicht früh genug damit konfrontieren, was wir Menschen uns an den Tieren erdreisten. Sie sind uns anvertraut und wir sollten einfach mehr Verantwortung für sie übernehmen.... Mit den allerherzlichsten Hühnergrüßen... Katja"

"Hallo liebe Hühnerretter,

ich habe ganz bestimmt die absolut tollsten Mädels abgekriegt. Und dabei rede ich nicht von Schönheit im geläufigen Sinne. Ich habe sie vorläufig im alten Hühnerstall untergebracht... Sie haben heute suuuper gegessen und getrunken... Ich habe ihnen im Hof eine Terasse eingezäunt, damit sie schon ein bissl vor die Tür konnten. Und als ich sie vorhin ins Bett bringen wollte, kamen sie mir doch tatsächlich entgegen!! Eines durfte ich ganz kurz streicheln. Hab mich soooo gefreut! Gestern abend haben sie die halbe Nacht gesungen. Das ist so ein Gurren, wunderschön....Immer wieder bin ich erstaunt, wie schnell so wirklich arme misshandelte Tierchen mich lesen können. Denn wie sonst ließe sich erklären, dass sie mir nach nicht mal 24 Stunden entgegen kommen? Umso schäbiger ist es, dass so hochintelligente kleine Tierchen so unendlich wertlos behandelt werden, und entsorgt werden, wenn die Legeleistung nachlässt. Ihre Körperchen haben nichts Schönes mehr. Aber sie sind unendlich liebenswert und ich freue mich darauf, wenn sie erstmal draußen richtige Mistkratzer sind... Liebe Grüße, Doni."

September 2017

Erfolgreiche Rettung im September !

 

 

 

Rettet das Huhn e.V.

knackt die 50 000 !!

50 000 kleine Sterne.....

Am vergangenen Wochenende fuhren wir zum 13. Mal nachts um vier zu dem niedersächsischen Freilandbetrieb, von dem wir dreimal jährlich jeweils rund 830 ausgediente Legehennen übernehmen können.
Tausende funkelnder Sterne und ein gestochen scharfer Sichelmond am stockfinsteren klaren Nachthimmel über uns stimmten uns nachdenklich, ließen uns winzig erscheinen, uns winzig fühlen in unserer menschlichen Begrenztheit, ebenso wie unser unablässiges Tun uns oft so winzig und hilflos erscheint - 830 Hennen nun in dieser Nacht - 10 000 Hennen pro Jahr, die wir vor der Schlachtung bewahren können und für die unser 30köpfiges Team so viel Zeit und Energie aufbringt, im Gegenüber der 45 Millionen Legehennen allein in Deutschland, deren Weg jährlich ins Schlachthaus führt, für die es keine Rettung gibt.... Winzig unser Wirken, hilflos unser Bemühen im Angesicht der Masse an Konsumenten, die gedanken- und skrupellos der eigenen Bequemlichkeit, des kurzen Genusses und der mächtigen Gewohnheit wegen täglich Eier, Milch und Fleisch ausgebeuteter, misshandelter Tiere verzehrt....

 

 

Unter diesem überwältigenden Sternenzelt schlüpften wir in unsere Schutzkleidung,

brachten Boxen in Position

und dann ging es los.

Doch kaum hatten wir die ersten zarten, ausgemergelten Gestalten aus dem Stall getragen und vorsichtig in unsere Boxen gesetzt, war es, als veränderte sich das Sternenlicht. Nicht mehr fern und übermächtig erschien es, nicht mehr endlos und unerreichbar... Jedes kleine Hühnerleben, das wir hier in unseren Händen hielten, holte uns einen Stern nahe herbei, hielt uns vor Augen, das jedes Bemühen um jedes einzelne Leben Bedeutung und Macht hat und den größten Sinn, den eine Tat nur haben kann: die Rettung eines unschuldigen Lebens! Jedem einzelnen Huhn schenkten wir hier sein ganzes Leben, sein einziges Leben, sein Leben, an dem es mit ganzem Willen hängt - wie jeder von uns.

Und schon bald war die Nacht nicht mehr dunkel um uns:
50 000 helle Sterne leuchteten für uns - nicht mehr fern, sondern ganz nah und tröstend: Denn hier hielten wir sie in den Händen: Miss Fifty K! Unser 50 0000stes gerettetes Hühnchen! Eine sehr magere kleine Henne, mit blassem Kamm, nacktem Bauch und nackter Brust, nur noch spärlich an Rücken und Flügeln befiedert, zitternd und erschöpft. Sie bekam einen Pulli und einen Platz in einer unserer Pflegeboxen.

Dann ging es weiter, Box um Box wurde gefüllt mit diesen zarten weißen Hennen, von denen ein Großteil, trotz Freilandhaltung, noch niemals das Tageslicht gesehen hatte, noch niemals Sonne auf der geschundenen Haut gefühlt hatte, noch niemals im Sand gebadet hatte.

 

Einige weitere Pfleglinge mussten wir noch aussortieren, die zur tierärztlichen Behandlung und weiteren Pflege in unserer Obhut oder in speziellen Pflegestellen bleiben würden.

 

 

 

Einige mit Kloakenprolapsen vom Hochleistungslegen, einige wenige mit Wunden durch Kannibalismus, ein paar sehr Geschwächte, die den Transport in einer normalen Box nicht überstanden hätten und eine Henne, die durch ein enorm großes Schichtei und eine Bauchhöhlenentzündung bereits unfähig war, zu laufen.

Alle anderen konnten in die normalen Boxen gesetzt und auf die verschiedenen Transporter verladen werden. 837 Hennen, die wir in dieser Nacht vor ihrem Ende im Schlachthaus bewahren konnten. Kurz vor dem Morgengrauen waren wir fertig und als wäre das tröstende Funkeln der Sterne nun nicht mehr nötig, zogen ein paar erste Schönwetterwolken am Himmel auf und kündigten uns den Aufbruch an, den Aufbruch in den ersten Tag im neuen Leben dieser Hühner, dem ersten "echten" Tag in ihrem Hühnerleben, dem ersten Tag nach 500 Tagen, die keine waren, nach 500 Tagen in Gefangenschaft, Enge, Angst und Bedrängnis.

 

Im Morgenrot brachten wir sie nun den Menschen entgegen, die auch ihren Anteil an den 50000 geretteten Hühnern tragen: den Adoptanten.

Über 150 Menschen warteten an den neun Übergabeorten in Niedersachen, Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Berlin, um diese Hühner bei sich aufzunehmen, ihnen ein liebevolles Zuhause zu schenken, sie zu verwöhnen, ihnen alles zu zeigen und zu geben, was ein Hühnerleben lebenswert macht und was den Tieren bisher verwehrt geblieben war: Sonne auf der Haut, Erde unter den Füßen, frische Luft in der Lunge , Entdeckungen machen, in einer kleinen Gruppe von Artgenossen mit fester Rangordnung leben und sich sicher fühlen, ein geschütztes Nest, in das man sich zurück ziehen und in dem man ungestört verweilen darf, vertraute Menschen, die freundlich sprechen und sich liebevoll kümmern.

 

 

 

 

 

 

Im Namen von Fifty K und ihren 836 weißen Schwester aus der Septemberrettung möchten wir danke sagen an ALLE Menschen, die uns bisher unterstützt und es ermöglicht haben, dass für 50 000 Hennen der Weg aus der Massentierhaltung in ein behütetes echtes und lebenswertes Hühnerleben führen durfte!

Leider ist unseren Hühnern durch die qualvolle Überzüchtung keine lange Lebenszeit gegeben - all unsere Hühneradoptanten wissen, dass neben dem großen Glück, das diese Tiere uns durch ihre sprühende Lebensfreude und ihren vorwitzigen Charme schenken, auch immer der Abschied nicht allzu weit entfernt liegt. Und ein großer Teil unserer 50 000 funkelt heute als strahlende kleine Sternenschar auf uns herab!

Doch es ist nicht die Zeit entscheidend, ebenso wenig wie eine Zahl. Entscheidend ist, dass sie nach ihrer Rettung geliebt, glücklich und friedlich leben durften.

 

DANKE! Euer Team von​
Rettet das Huhn e.V.

August 2017

Hühnerrettung in Nrw

Während unser Team Süd Anfang August unterwegs war, um 350 Hennen aus einem bayrischen Betrieb zu übernehmen, machten sich auch Birgit, Melli und Katja in Nrw auf den Weg und retteten 170 Hennen eines Biolegebetriebs vor der Schlachtung. Relativ kurzfristig hatte sich der Betrieb bei uns gemeldet und gefragt, ob wir die ausgedienten Hennen übernehmen wollten. Obwohl die großen Rettungen im Herbst noch bevor stehen, konnten wir nicht Nein sagen und fanden im Handumdrehen schöne Plätze für die Hennen. 

Katja, Melli und Birgit fanden 210 Hennen in sehr gutem Zustand in einem Stall vor, der eigentlich für 550 Hennen zugelassen war. So war das Platzangebot für die Hühner also relativ gut.

Leider wollte der Betreiber 40 Hennen behalten, zur eigenen Weitervermittlung... Dass diese Plätze schlachtfrei sein werden, bezweifeln wir.... Aber leider konnten wir nichts tun und mussten sie dort lassen. 

170 Hennen aber wurden sicher und behutsam in die Transporter verladen und kamen wenig später wohlbehalten an den Übergabeorten an. Liebe, tierfreundliche Menschen erwarteten sie schon und brachten ihre neuen Familienmitglieder nach hause und ihr neues Leben!  

Herzlichen Dank an alle Adoptanten und natürlich an Melli, Birgit und Katja für ihren tollen Einsatz! Gemeinsam habt Ihr die Rettung dieser 170 lieben Hühnchen möglich gemacht !

August 2017 

Hühnerrettung in Bayern

 

Anfang August machte sich unser Bayern- und Badenwürttembergteam auf den Weg in einen bayrischen Freilandbetrieb, von dem wir erstmalig 350 Hennen übernehmen konnten. Aufgrund unserer noch anstehenden Mammutaufgabe im Dezember- der Vermittlung von 4500 Hennen in Bayern - hatten wir erst gezögert, dieser Rettung zuzusagen, als der Betrieb uns im Frühling kontaktierte. Im Angesicht der 350 weißen und braunen Hühnchen, die nun in sommerlichen Gärten in ihren neuen Heimen scharren, sandbaden und sich ihres geschenkten Lebens erfreuen, sind wir natürlich glücklich, dass wir zugesagt und es gewagt haben.

Ein dicker Wermutstropfen ist es, dass wir nicht den gesamten Bestand mitnehmen, sondern rund 100 Hennen zurücklassen mussten, die der Betreiber zur Schlachtung behalten wollte... Bittere Momente sind es, die wir glücklicherweise nur selten erleben müssen.

Für die 350 Geretteten verlief die Ausstallung schnell und so stressfrei wie möglich. An den Übergabeorten warteten alle Adoptanten bestens vorbereitet und freudig aufgeregt auf ihre neuen Tierchen.

Vielen Dank an dieser Stelle an alle Adoptanten und natürlich an unser Team im Süden, die alles so professionell und zuverlässig wie immer organisiert und durchgeführt haben. 

Nun bleibt uns noch der Aufruf für Dezember: 

BITTE meldet Euch bei uns, wenn Ihr Hühner aus unserer großen Rettung im Dezember aufnehmen könnt! 4500 werden es sein und wir wollen -so wie im vergangenen Jahr- alle retten !! Helft mit, damit wir nicht ein einziges dort zurück und somit der Schlachtung überlassen müssen! Es finden Transporte in fast alle Bundesländer statt. Bitte wendet Euch an Euren nächstgelegenen Ansprechpartner!

Juli 2017

Kleine Rettung in Nrw

Von einem kleineren Betrieb in Nrw, dessen Bestand wir regelmäßig übernehmen, konnte unsere Vera außerplanmäßig 28 Hennen abholen, da der Landwirt seinen Bestand verkleinern wollte. Wir freuen uns doppelt, da so zum einen 28 gefiederte Damen die Reise in ein gutes Zuhause schon vor Ablauf ihrer regulären Zeit im Betrieb antreten konnten. Für die zurück gebliebenen vergrößert sich nun zumindest der spärliche Platz, der ihnen dort gegeben wird. 

Die Hennen waren gerupft, aber wenigstens war keine von ihnen päppel- oder pflegebedürftig, wie Vera es sonst von den Übernahmen in diesem Betrieb kannte. 

 

Juli 2017

Zwei kleine Rettungen im Norden

Neben der Vermittlung für unsere Julirettung hat unsere Laura im Juli auch noch zwei kleinere Übernahmen organisiert und die Hühner an liebe

neue Besitzer vermittelt. Zwei private Hühnerhalter hatten sich an uns gewandt, da sie in einem Fall aus Altersgründen, im anderen aus Krankheitsgründen

ihre Hühner abgeben mussten. 

Laura fand rasch wunderbare Plätze für die Tiere und organisierte den Umzug der 5 Legehennen mit ihrem Hahn, sowie der kleinen Schar Reichshühner mit einigen Küken und zwei Hähnen ins neue Zuhause.

Wir freuen uns, wenn wir auch so helfen können und es für Menschen und Tiere ein happy End gibt.

Allein in den ersten 7 Monaten dieses Jahres haben wir 95 Hennen, 34 Hähne und 4 Küken aus privaten Notsituationen, Beschlagnahmungen oder Funden übernommen und vermittelt. Diese kleinen Rettungen laufen ganz nebenbei neben unserer eigentlichen Aufgabe und wir möchten Danke sagen an unsere wunderbaren engagierten Teammitglieder, die diese kleinen Dinge ohne viel Aufheben immer selbstständig und zuverlässig tun!  

Juli 2017 

827 Legehennen und 18 Hähne gerettet und in ein neues Leben gebracht!

Am vergangenen Wochenende waren wir bei bestem Hühnerrettungswetter zu unserer alljährlichen Juli-Ausstallung im niedersächsischen Freilandbetrieb. Neben unserem Bericht über den glücklichen Ablauf der Rettung möchten wir euch heute zeigen, was wir an Ausrüstung benötigen, um eine Ausstallung durchzuführen und alle Hennen während des Transports sicher und so gut wie möglich versorgt dem neuen Zuhause entgegen zu bringen. 

Geflügelbox mit Hanfeinlage

 

Früh morgens um 4 Uhr war unser Team vor Ort und bereitete flink und gut sortiert alles vor. 

82 Geflügelboxen legten wir mit kompostierbaren Hanfmatten aus.

So haben die Hennen guten Halt in den Boxen und als positiven Nebeneffekt absorbieren die Matten auch einiges an Flüssigkeit und Kot, so dass die Hennen sauberer an den Übergabeorten ankommen und sich das Reinigen der Boxen im Anschluss etwas angenehmer gestaltet.

Boxen vorbereitet in der frühmorgendlichen Dämmerung
In voller Schutzmontur geht es in den Stall

 

Für das Ausstallteam, das die Hennen aus dem Stall holt, ist Schutzkleidung nach Geflügelpestschutzverordnung natürlich Vorschrift.

Schutzanzug, Atemmaske, Stiefelüberzieher, Handschuhe wurden angezogen.

 

Außerdem Kopflampen mit Rotlicht, gerade genug, um wenigstens ein bisschen im stockfinsteren Stall sehen zu können, ohne die schlafenden Hennen unnötig aufzuschrecken.

Jeweils 10 Hennen kommen in eine Box

Jeweils zwei Hennen trugen die Helfer aus dem dunklen Stall, hinaus in die Morgendämmerung und in die Hände der Teammitglieder, die sie rasch in Hinblick auf eventuelle Blessuren oder Krankheiten ansahen und in den Boxen unterbrachten. 

Wie wir es aus diesem Stall kennen, waren die Hennen in verhältnismäßig gutem Zustand. 

Vital, mit weitgehend guter Befiederung, gesunden Füßen und ohne Kloakenprobleme. Einige wenige Pfleglinge mussten wir dennoch aussortieren. In erster Linie waren das sehr magere, schwache Hennen, denen wir den Transport in den 10er Boxen nicht zumuten wollten. Außerdem eine Henne mit einem extremen Kreuzschnabel und eine schwache Henne mit verletztem Auge.

 

Für diese Pfleglinge haben wir Einzelboxen bereit, in denen sie anschließend in ihre Pflegestellen fahren. 

 

 

 

Kreuzschnäbelchen "Juli" bleibt in unserer Obhut

 

 

„Leila“ fanden wir schwach und

 mit verletztem Auge vor.

 

Auch sie bleibt bei uns.  

"Juli" nach dem Korrekturschliff

 

 

In der Tierärztlichen Hochschule in Hannover wurde Julis Schnabel am Montag bereits ein wenig beschliffen. 

 

Durch einen Bruch muss der Schnabel stark verletzt und dann völlig krumm verheilt sein. 

Leider kann von dem langen Unterschnabel nichts weggenommen werden, da er bis nach vorne durchblutet ist.

 

 

„Leila“ muss eine tiefe Verletzung des Auges und des unteren Lids widerfahren sein.

Auch sie haben wir natürlich gleich am Montag tierärztlich behandeln lassen. Es hat sich bereits Narbengewebe gebildet. Mit Augensalbe, Antibiotikum und Schmerzmittel soll nun versucht werden, ob sich die Vernarbung weiter vollziehen kann, so dass sie in Zukunft mit dem lädierten Auge schmerzfrei und ohne Entzündung weiter leben kann. 

 

 

 

Schließlich fanden wir noch ein kleines Hühnchen, das nicht in der Lage war

zu stehen.

Petra heilt

 

 

Glücklicherweise haben wir eine Physiotherapeutin im Helferteam, unsere liebe Petra, die mit ein paar Handgriffen eine Kniegelenksluxuation diagnostizierte und wieder in Ordnung bringen konnte.

 

 

Fly free, kleine Maus

Für ein Hühnchen kamen wir zu spät. Wir konnten sie nur noch tot aus dem Stall nehmen Es macht uns so traurig, wenn ein Tier kurz vor seiner Befreiung und seiner Fahrt in ein endlich hühnergerechtes, glückliches Leben sttirbt, so kurz davor... Zurücklassen wollten wir sie nicht. Janina nahm sie mit auf den Transport nach Hamburg, wo sei ein GRab bekommen hat. Wie ein geliebtes Tier. 

 

 

Die anderen Hennen aber lebten

und an sie galt es nun zu denken. 

 

Um 6 Uhr morgens war der große Moment gekommen!

Der Stall war leer !

Unser RdH Mobil

 

 

Die Boxen wurden auf unsere Transportfahrzeuge für die Transporte nach Kiel, Hamburg, Bremen, Wolfsburg, Helmstedt, 

Erfurt, ​Northeim und Berlin verteilt und natürlich ausreichend mit Spanngurten gesichert. 

Die "erste Klasse" im RdH Mobil

 

 

Im RdH Mobil haben wir außerdem die Möglichkeit, bei weiten Transporten

60 Hennen in der „ersten Klasse“ unterzubringen.

Auf einem extra angefertigtem Regal befinden sich 10 Kleintierkäfige, in denen die Hennen mit Futter und Wasser versorgt transportiert werden können.

Julia und Kristina: "Hab keine Angst."

Am Ende der Ausstallung Erleichterung und ein paar kurze Momente zum Durchschnaufe​n und Hühnerkuscheln​. 

Es ist berührend, wie zutraulich sie sind, wie schnell sie auf liebevolle Zuwendung reagieren und vom ersten Moment der Angst umschalten können auf Vertrauen. Hühner, die bisher nur als große unüberschaubare Herde Kontakt zu „ihrem“ Landwirt hatten, niemals also von einem Menschen berührt oder gehalten wurden, liegen wenige Minuten, nachdem wir sie aus dem Stall geholt haben, ruhig in unseren Armen, genießen Berührung und leise Zusprache. Sie haben empfindsamste Sinne und fühlen sehr genau, ob man ihnen Böses oder Gutes will. Es sind feinfühlende Wesen, und umso mehr schmerzt der Gedanke daran, dass sie millliardenfach vom Menschen gequält, ausgebeutet und brutal getötet werden. In jeder Sekunde, die auf unserem Planeten vergeht.

Für unsere 827 Hennen des heutigen Morgens begann nun ihre Reise ins neue Leben. 

An den Übergabeorten wurden sie aufgeregt und freudig erwartet, von den vielen lieben Menschen, die die Rettung überhaupt erst möglich machen, die nämlich genau diesen ehemaligen, missachteten und rechtlosen „Nutz“tieren ein Zuhause schenken wollen! 

Liebevoll vorbereitete Ställe und wunderschöne Ausläufe, Gärten und Wiesen erwarteten unsere Hennen! Von nun an dürfen sie Tiere sein, Haustiere, geliebte Tiere, Tiere, die ein Recht auf Freiheit, Wohlergehen und Fürsorge haben. Und auf ein Leben gemäß ihrer Natur. So wie es jedes Tier auf unserer Erde haben sollte. Es gibt keine Nutztiere. Ein lebendes, fühlendes Wesen zu einem NUTZtier für den Menschen zu degradieren, es zu benutzen, auszunutzen, und sein Leben wegzuwerfen, sobald der höchstmögliche Nutzen nicht mehr erbracht wird, seine Lebensbedingungen auf den höchstmöglichen Gewinn für den Menschen auszurichten und ihm dabei die elementarsten Lebensbedürfnisse seiner Natur zu widersagen, ist grausam. Und böse.

 

Großer Dank an dieser Stelle an die guten Menschen, die für unsere 827 Julihennen die Sonne aufgehen ließen. 

Dank im Namen dieser 827 Tiere, die so dem grausamen System der Tierausbeutung lebend entkommen konnten.

 

 

Erste Schritte ins neue Zuhause

 

 

 

 

Das erste Sonnenbad.

Friedlich und in Freiheit.

Die Hähne reisen exklusiv in unseren Gockeltaxen auf den Transporten mit ins neue Leben

 

 

Freude war es uns auch, dass wir im Zuge unserer Hennenvermittlung 18 Plätze für Hähne fanden!

5 Hähne aus dem Hamburger Tierheim,

1 Hahn aus dem Bremer Tierheim,

2 Hähne aus der Freilandhaltung und

10 Hähne aus privaten Notsituationen oder direkter Schlachtbedrohung konnten so auch neue wunderbare Lebensplätze finden!

 

 

 

 

Unsere Taxiflotte....

 

 

 

 

 

Hahn Louis mit zwei unserer Hennen im neuen Zuhause

Nach den schönen Momenten der Übergaben an die lieben neuen Hühnereltern wartete wie immer noch etwas Arbeit auf unser Team. Die Transporter und Geflügelboxen müssen hochdruck-gereinigt, anschließend getrocknet, desinfiziert und wieder eingelagert werden... Still und erwartungsfroh schlummernd bis zur nächsten Hühnerrettung....

Und große Rettungen stehen uns in diesem Jahr noch bevor! 

Im September warten wieder 820 Freilandhennen in Norddeutschland auf ihre Rettung, im November 1600 Bodenhaltungshennen in NRW​ und im Dezember erneut unsere Mammutaufgabe - die Rettung der 4500 Hennen in Bayern.

Für all diese Tiere benötigen wir dringend Eure Hilfe! 

Bitte meldet Euch bei dem Euch nächstgelegenen Ansprechpartner, wenn Ihr auch nur zwei dieser Hühner bei Euch ein Zuhause schenken könnt!

 

Tausend Dank natürlich wie immer auch ans Beste Team der Welt!

Leila und Juli in Freiheit

 

 

 

Tausend Dank natürlich

wie immer auch an das

Beste Team der Welt !

 

Mai 2017

Große und kleine Rettung in NRW und Hamburg : 1483 Hennen aus Bodenhaltung, 58 Hennen aus Biohaltung und 11 Hähne gerettet !

 

Am vergangenen Samstag war wieder einmal großer Rettungstag in Nordrhein-Westfalen! Erlösungstag, Aufatmungstag, Endtag, Begegnungstag, Erkenntnistag, Anfangstag, Sonnentag...

Beinahe nebenbei und ohne große Hektik verlief unsere Vermittlungsarbeit im Vorfeld. Fast überall war endlich die furchtbare Stallpflicht vorbei, der Rettungstermin lag bei angenehmen Temperaturen im Mai, Ort der Rettung war Nrw-also recht zentral, so dass viele Vermittler beteiligt werden konnten. So stieg unsere Vermittlungszahl stetig an und schon einige Wochen vor dem Termin hatten wir alle Hühner vorvermittelt und noch viele offene Platzangebote. Daher strichen wir die Transporte an die am entferntesten Übergabeorte (Hamburg und Nürnberg) und einen kleineren Transport nach Rheinland-Pfalz, vertrösteten diese Adoptanten auf eine der folgenden Rettungen und vermittelten die Hühner an die noch offenen Anfragen aus NRW. 

 

Vielen Dank an dieser Stelle für das Verständnis der Menschen, die somit im Interesse der Hühner vertröstet wurden. Die Transporte sind gerade für die sehr schwachen Bodenhaltunsghennen stressig und wenn es möglich ist, vermeiden wir daher die weiten Wege.

Glückliche Fügung, dass sich – wenige Tage nach unserer Entscheidung, den Hamburg-Transport zu streichen- ein Biohof aus Hamburg bei uns meldete und anfragte, ob wir kurzfristig 59 Legehennen und 2 Hähne übernehmen könnten. Ja! Konnten wir! Und so bekamen die Menschen aus Hamburg also doch schon im Mai ihre Hühnchen. 61 weitere Leben, die nicht sinnnlos nach 1,5 Jahren Ausbeutung für den Eierkonsum ausgelöscht wurden, sondern leben dürfen ! 

Die Ausstallung in Nrw lief –wie schon die Vorvermittlung- ohne große Komplikationen.

Wir fanden die Hennen in schwachem, sehr mitge-nommenem Zustand – so traurig, wie wir es aus dieser Hal-tunsgform ja schon seit Jahren kennen. 5 tote Hennen im Stall, für die wir zu spät kamen, 12 sehr Pflegebedürftige, die wir in spezielle Pflegestellen geben mussten. Eine Henne mit Oberschenkelbruch, eine mit verkapselter Entzündung im Gelenk, ein Hühnchen mit Schiefkopf, einige mit entzündeten Kloakenprolapsen, Legedarmentzündung, Ballenabszessen und eine arme Henne mit extremer Atemnot, die trotz tierärztlicher Behandlung nur noch erlöst werden konnte. Erlösungstag.

Die übrigen 1471 Hennen waren teilweise kaum noch befiedert, sehr schwach, verstört, blass. Doch für sie war heute Rettungstag! So stressarm wie möglich holten wir sie aus ihren Gitterkäfigen, in denen sie in zwei Geschossen über der Bodenfläche auf Gitterrosten und Metallstangen leben mussten. 9 Hennen pro Quadratmeter in jedem Geschoss. Das bedeutet 27 Hennen pro Quadratmeter Bodenfläche. Ohne Tageslicht, in stickiger, beißender Luft, ohne jede Aussicht, ohne Beschäftigung, in unerträglicher unvorstellbarer Enge. 12 Monate lang, die nun zu Ende waren. Endtag. 

Ein weißes Huhn fand Trost in den Armen von Helferin Janea, blieb dort lange Zeit liegen und genoss die ersten Sonnenstrahlen auf seiner Haut.

 

Vorsichtig wurde Huhn um Huhn aus dem Stall getragen, in

unsere Boxen gesetzt, und in die Transporter geladen. Schon hier konnten sie etwas spüren, trotz Stress und Angst – sanfte Hände, beruhigende Worte, weiche Hanfmatte unter den geschundenen Füßen, frische Luft in der Lunge, Sonne auf der Haut. Rettungstag.

Nach drei Stunden war die Ausstallung geschafft. Alle Pfleglinge erstversorgt, alle Boxen verladen, alles richtig gerechnet, alle Vermittler auf dem Weg zu ihren Übergabepunkten. Aufatmungstag.

 

An den Übergabeorten in Nrw, Bremen, Hessen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg warteten bereits viele aufgeregte Menschen, um ihre Hühnchen entgegen zu nehmen und ins liebevoll vorbereitete, meist wunderschön eingerichtete neue Zuhause zu bringen. 

Übergabeort in Mönchengladbach-Warten auf die Ankunft des Transports

 

277 Menschen, die sich bewusst für die Aufnahme dieser Tiere entschieden hatten. Für Tiere, deren grausame Ausbeutung und anschließende Vernichtung in unserer Gesellschaft ohne Gewissensbisse und mit größter Selbstverständlichkeit akzeptiert und durch den Kauf von Eiern oder Eiprodukten aktiv von den Verbrauchern in Auftrag gegeben wird. Für Tiere, die normalerweise ihr Gefängnis nach 12 Monaten nur für den brutalen Abtransport in den Geflügelschlachthof verlassen, um zu Tierfutter verarbeitet zu werden. 

Für Tiere, die die Gesellschaft normalerweise niemals zu Gesicht bekommen würde, deren Leben von der Brüterei über den Legebetrieb bis hin zum Schlachthof anonym und nur als Massenangabe in Millionenstückzahl oder Tonnenangabe benannt und zur Kenntnis genommen wird. Für Tiere, die noch an keinem einzigen Tag ihres Lebens ihre arteigenen Bedürfnisse ausleben und sich wohl und sicher fühlen durften. 

Diesen Tieren begegneten nun diese lieben Menschen, und nahmen zwei, drei fünf, acht solcher Individuen in ihre Arme, setzten sie behutsam in ihre Transportkörbe, gaben ihnen Namen, trösteten und beruhigten sie  und nahmen sie in ihr eigenes Leben auf. Begegnungstag. So einige Tränen fließen bei diesen ersten Begegnungen. Ausgelöst durch den Anblick ihrer ausgemergelten, kahlen Körper, ihrer verstörten Blicke. Der Anblick dieser Wesen macht alles deutlich, schlägt einem immer wieder wie ein Hammer vor den Kopf: Welches Verbrechen es ist, das der Mensch gesetzeskonform und gesellschaftlich akzeptiert den Tieren antut! Erkenntnistag.

Für diese 1482 Hennen (abzüglich der kleinen erlösten May) beginnt nun

ein neues Leben.

Sie lernen Frieden kennen, Wind und Sonne, ein weiches geschütztes Nest, ein Leben in einer kleinen Gruppe ihrer befreundeten Artgenossen, Scharren in der Erde, etwas erkunden, etwas finden, friedlich in der Sonne liegen, im Staub baden und ruhen, frisches Gras picken,

warme Erde unter den Füßen spüren, liebe Menschen kennenlernen,

Fürsorge spüren, Wohlwollen und Zuneigung. Anfangstag

Wenige Tage nach der Rettung - Sonne, Ruhe, Freiheit

 

Und während ich hier sitze und diesen Bericht schreibe, schaue ich auf die Hühner in meinem Garten, alles ehemalige Pfleglinge aus den Rettungen der vergangenen Monate und  Jahre, einige sonnenbadend auf den warmen Steinen auf der Terasse, einige auf Entdeckungstour unter den Rosenbüschen, Silver gedankenverloren sich putzend im Schatten unter der Buche.... Sie haben vergessen woher sie kamen und was hinter ihnen liegt. Sie leben jeden Tag nur noch im Jetzt. Das ist gut. Sonnentag

Unser Dank – wie immer – an die vielen lieben Menschen, die unseren Hühnern ein Zuhause schenken, und die bereit sind, gerade solche Tiere bei sich aufzunehmen und somit helfen, sie ans Licht und in die Gesellschaft zu bringen. Nicht nur die Rettung ihrer Leben ist wichtig – auch die Sichtbarmachung der Verbrechen, die ihnen angetan werden. Und nichts kann das den Menschen so deutlich machen wie der Anblick dieser geretteten Tiere.

 

Dank auch – wie immer – an das beste Team der Welt – und natürlich auch an alle Helfer, die uns an Rettungstagen so treu unterstützen!

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Letzte Änderung:

Mi, 17. September 2018

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